Die Engel fliegen tief in der Nacht

Die Engel fliegen tief in der Nacht,

der Schlag der Flügel weht ihm ins Gesicht,

 

die müde Hand kritzelt unscharfe Worte aufs

Papier, die Wünsche und Träumen kämpfen

 

ein verlorenes Rennen. Die heißen

Küsse sind längst verflogen, die Gedanken

 

sausen den Engeln hinterher.

Zurück bleibt ein Blatt Papier

Zwischen dem falschen und dem richtigen Leben #2

Zwischen dem falschen und dem richtigen

Leben, ein wahres Leben im Falschen, ein

verlorenes Leben im Richtigen, zwischen

den Buchstaben, den Wörtern, die abgeschliffen,

 

gesägten, zusammengefügten, gepressten, geleimten

und den Gedanken, die davonfliegen, kaum das Fenster geöffnet,

fern der Großfürstendichter, auf seiner Schreibmaschine,

in der Nacht, in der Früh, zwischen dem Tagwerk

 

und dem täglich Brot, fräst, bohrt, schmiedet

am Wort, am Satz, faltet und entfaltet,

 

am Abendhimmel, die Sterne leuchten ihm.

Tulpen #2

Wenn Tulpen fliegen übers Land

in Rot und Gelb, die Vögeln bauen

 

ihre Nester, wenn Tulpen lächeln

in Holland, Tokio, in Mainz,

 

legt vor die Tür der Geliebte

die Blumen zart, wer kann

 

schon sprechen, wer, von der

Liebe viel.

In der Kirschblütenzeit #2

In der Kirschblütenzeit
vergnügt die Kinder,
schaukeln und rutschen, 

werfen den Ball, schreien aus 
vollem Hals,rufen den Sommer,
reif werden sollen die Kirschen,

sie wollen die roten Früchte vom Baume holen.
Doch müssen die Kinder noch warten,
noch ist nicht Kirschenzeit.

Gänseblümchen #2

Das Glück liegt auf der Wiese, klein

und zart, Gartenbürstli, weiss,

das Gänseblümchen schön

zu schmecken es Geiss, Gäms und Ziege

 

Tausendschön, im Garten fein,

auf der Wiese, Luise, es lieben

die Bienen, Himmelsblume.

Wer zählte nicht der Blüten Blätter.

 

Sommerrösslein. Er liebt mich,

er liebt mich nicht, er liebt mich

und als trugest du einen

Kranz von Gänseblümchen,

 

mein Herz, es wollt zu dir

Müd die Augen blicken #2

Mit einem Ohr nur malte van Gogh

seinen Arzt, schwermütig, müde

sein Blick, mit einem Ohr nur malte,

als der Wahnsinn längst von ihm

 

nicht lassen wollte, seinen Arzt,

Dr. Gachet, erfüllt mit Melancholie,

der süßen schwermütigen Melodei.

Als hätten getauscht die Rollen, der

 

Arzt und der Patient, so malte van

Gogh, mit einem Ohr nur, seinen Arzt,

des Lebens müde, als malte er sich

 

selbst, als hätte er selbst noch

einmal beide Ohren. Müde die

Augen, blickend, ins Weite,

 

verloren der Blick.

Habseligkeiten

Eingepackt die ganzen

Habseligkeiten. Ach selig

mit den wenigen Dingen. Sind

es die letzten nach dem großen

Sturm? Abgeworfen der ganze Ballast?

Angekommen mit nur

ganz wenig Dingen?

Kommt die Glückseligkeit?

Hat das letzte Hemd keine Taschen

nicht, wer braucht schon

mehr? Als hätte der kleine

Junge seine Schätze aus der

Hosentasche ausgepackt.

Habseligkeiten.

Die Farbe #Kandinsky

In Murnau weilend,

Kandinsky, malte die Stadt,

die Häuser, die Menschen,

die Farbe fand, da wurden

die Häuser himmelblaurotorange

und knallgelbwiesengrün, da lebten

die Häuser und wurden Natur,

in gelbrotblaugrün und die Fenster

lachten dazu.  Da fand er den

Ausdruck.