Autor: orangeblau

Der Autor schreibt. Macht Fotos. Liest. Schläft. Denkt. Die Texte werden schnell geschrieben. Sie kommen. Sie gehen. Sie bleiben.

Eisenbahnbrücke

Salzige Luft dringt in die Nase, fern des
Meeres Rauschen. Amoklaufendes Hirn nach
Mitternacht. Schafe weiden auf dem Dach.
Hinwegfliegen über Schiffe des Rheines.

Erhaben schwer liegt die Eisenbahnbrücke.
Der Dom zu Köln streift ihren kräftigen Fuß,
aufgerissen der Bauch. Ganz still liegt der Fluss,
Schiffe fahren In den Hafen auf Lücke.

Die Spitzen des Kirchenhauses grüßen von
weit die Reisenden. Apfelbäume bilden
ein Spalier. Du träumst viel von Nächten, milden.

Sehr bitter schmeckt dir der frische Estragon.
Längst weitergefahren ist der graue Zug,
Schwalben sind aufgestiegen zum weiten Flug.

Wirklichkeit

Der Pinsel schlägt fest auf die weiße Leinwand,
Welle um Welle verändert der Sand sein
Gesicht. Dein Lächeln erstrahlt schön im Mondschein.
Bilder entstehen, ruhig liegt das wüste Land.

Simulation der rauen Wirklichkeit,
Falte um Falte läuft über die Fläche.
Lange stehst du am Mittag in der Küche,
Eingeschrieben in das Fleisch Diesseitigkeit.

An welchem Ort liegt die Wahrheit begraben?
Ein Schwein hast du schon lang nicht mehr geschlachtet,
die Schlachtschüssel steht ewig unbeachtet.

Bunte Farben auf der Wand nur Übungen,
Adern scheinen durch die zarte, helle Haut,
Küsse ersticken wild von dir jeden Laut.

Fragen

Abgestorbene Bäume allenthalben.
Dunkle Kräfte drohen dir in den Nächten.
Ebene nach Ebene wir schnell suchen.
Am Morgen gibt es doch noch keine Gaben.

Die Flaschenpost nicht in das Meer geworfen,
Hamlet hat den langen Kampf längst verloren.
Laut singen mögen die Engel. Laut singen.
To be, or not to be, die Fragen offen.

Der Gesang der Begriffe wird rasch lauter,
Königskronen lasten schwer auf den Häuptern.
Pferde blasen laut ihre grauen Nüstern.

Am Ende Schweigen. Nur Schweigen. Natürlich.
Nicht weichen will die Nacht aus deinen Ohren.
Das tote Holz in den Straßen verloren.

Das Glatte

Schier unvermeidlich sind die Gefahren des
Denkens. Der Giersch breitet seine Rhizome
aus. Verfallen in tiefe Melancholie
die Schrebergärtner. Wir sehen nichts Wahres.

Vögel singen ihre Lieder wieder und
wieder. Der trügerische Schein des Sehens.
In den schwarzen Löchern ist nicht viel Falsches.
Große Wellen treiben zügig auf Stralsund.

Viele Wüsten durchquerte Kafka durstig.
Kerbe für Kerbe in das Holz geschlagen,
tiefe Wunden hast du davongetragen.

Aufräumende Gedanken sind dir lästig.
Differenzen brechen die alten Bilder
entzwei. Die Gedanken werden rasch wilder.