Autor: orangeblau

Der Autor schreibt. Macht Fotos. Liest. Schläft. Denkt. Die Texte werden schnell geschrieben. Sie kommen. Sie gehen. Sie bleiben.

Franz: Andrà tutto bene #15

Einkaufen macht Franz nur noch wenig Freude. Den meisten Anderen scheinbar auch nicht.  Beim Metzger des Vertrauens wenig los. Dafür alle Verkäufer mit Maske und Handschuhe. Weiträumige Abschirmung. Das Personal freundlich wie immer. Beim  Bäcker nebenan war mehr los. Auch beim Supermarkt ungewohnte Ruhe. Hefe gab es trotzdem keine. Deutschland, du Land der Hobbybäcker. Backpulver war nicht so begehrt. Was für Anfänger. Verlockend warm die Luft. Balkon geöffnet. Mittags aßen Maria und Franz unter freiem Himmel. Eine leichte Jacke reichte aus. Schnelle Küche. Pasta al Radicchio. Ging schnell. Schmeckte beiden gut. Angenehm bitter. Nach der Siesta ein wenig mit dem Rad raus. Zu schön die Sonne. Zu leicht die Gedanken. Vergnügt fuhren sie Schlangenlinien. Von der Isar das Hochufer rauf ein kleines Wettrennen. Die Muskeln spüren tat gut. Der Schreibtisch konnte noch warten. E volavo, volavo felice più in alto del sole. Mehr konnte jetzt nicht sein. Mehr musste jetzt nicht sein.

Franz: Andrà tutto bene #14

Wärmer wurde es. Frühlungsluft. Maria machte sich deswegen Sorgen. OB sich die Leute an die Regeln halten würden? Morgen ist Wochenende und wenn die Menschen über die Strenge schlagen würden, würden die Regeln härter werden. Maria wusste, was kommen könnte. In Italien waren die Regeln anders. Eine Freundin aus Florenz hatte ein Kind bekommen und die frischen Großeltern hatten das Kind noch nicht sehen können. Natürlich würden sie feiern. Später. Alle sagten immer: später. Sie mussten alle Geduld haben. In Italien. In Deutschland. Später. Andrà tutto bene. Später. Noch hatte sie Geduld. Franz kochte und buk wie ein Weltmeister für sie. Wenn Maria mit ihrer Familie telefonierte, dann wurde sie oft immer trauriger. Franz musste sie trösten. Natürlich war der Himmel blau. Wieder. Und es wurde wärmer. Regen wäre ihr lieber. Regen und Kälte. Dann hielten sich die Leute wenigsten an diese beschissenen Regeln. Penso che un sogno così non ritorni mai più. Volare.

Franz: Andrà tutto bene #13

Heute war Schreibtischtag. Der Wetterwechsel kam. Nicht mehr blau der Himmel. Auf den Webcams konnte Franz sehen, wie ausgestorben die Städte in Italien waren. Rom. Florenz. Venedig. Solidarität war ein Fremdwort in Europa. Doch jetzt, fast zu spät, nahmen auch die Deutschen Patienten aus Italien auf. Die Deutschen, die als Exportweltmeister gerne ihre Waren auch nach Italien verkauften, die zu Millionen als Touristen über Bibione und andere Strände herfielen, die Deutschen, die nichts lieber aßen als Pasta, Pizza und Eis, die Deutschen, die so viel gelernt hatten von den Italienern, die sonst immer noch eine Brühe als Kaffee trinken würden, hatten sich viel Zeit gelassen für Hilfe. Gebannt hatten sie vor dem Fernseher sich die Berichte aus den Krankenhäusern aus Cremona und Bergamo angeschaut, geschaudert über die Menge an Toten, doch Ärzte wurden keine nach Italien geschickt und keine Patienten ins Land geholt. Franz saß am Schreibtisch und wollte schreiben und schrieb. Und doch war er oft wütend und enttäuscht. Marias Familie ging es gut. Die Lage in Florenz war noch entspannter als in der Lombardei. Der Schreibtisch war hart zu Franz. Er ging immer wieder auf den Balkon. Dann musste er radeln. Bewegung tat ihm immer gut. Am Abend waren doch ein paar Zeilen geschrieben. Immerhin stimmt der Umfang der Wörter. Später würde er es durchlesen. Am Abend gab es Polenta. Die wärmte von innen. Wolken waren aufgezogen. Nel blu dipinto di blu. Volare.

Franz: Andrà tutto bene #12

Frischluft war angesagt. Längere Tour mit dem Rad. Richtung Süden die Isar entlang. Proviant nahmen sie einiges mit. Einkehr nicht möglich. Zur Not gab es unterwegs ja Lebensmittel zu kaufen. Franz und Maria radelten gerne. Doch sonst eher am Wochenende. Blau der Himmel. Blau. Nordwind wehte kalt. Der Boden fest gefroren. Manche Blumen würden sich nicht erholen können von der Kälte. Die Stadt war gespenstisch, doch an der Isar fiel wenig anders auf. Man sah nur selten Menschen mit Masken. Franz und Maria hatten warmen Tee dabei. Die Köpfe wurden freier, als sie aus der Stadt waren. Franz lass gerade immer gerne Statistiken. Doch Talkshows sah er nicht an. Jetzt nicht. Früher nicht. Wenn er doch reinzippe, gruselte ihn immer. Und es schien, als säßen immer die gleichen Leute in verschiedenen Talkshows. Die gleichen Ärzte, die gleichen Politiker. Nur die Moderator*innen wechselten durch. Vielleicht fand ja alles in einem Studio statt, so konnten die Gäste in der Stadt bleiben und hatten keine weite Anreise. Ein neues Element war ja die Videokonferenz im Fernsehen. Neu und doch von gestern. Franz konnte dann nur schnell das Weite suchen. Die kalte Luft wurde auch gegen Mittag kaum wärmer. Doch bei der Rast saßen sie windstill in der Sonne. Die Vögel schauten entspannt zu und hofften auf Krumen. Ein Biergarten wäre recht gewesen. Doch so tranken sie auf der Bank ihr mitgebrachtes Bier. Sie waren ja vorbereitet. Für den Heimweg ließen sie sich Zeit. Zurück in die Wohnung wollten sie nicht gleich. Noch die Freiheit geniessen.

Franz: Andrà tutto bene #11

Nein, Franz war nicht einkaufen gewesen. Vormittags hatte er geschrieben, mittags erst geradelt und dann etwas gekocht. Nebenbei den Teig für Semmeln angesetzt. Mehl und Hefe hatte er genug daheim. Am Abend würde es die Semmeln geben. Natürlich war es besser, den Teig über Nacht stehen zu lassen, doch Franz wollte es eben auch so ausprobieren. Kalter Wind auch heute. Fest gefroren die Erde. Die einen und anderen Blumen lagen geknickt am Boden. Kälteschock Ende März. Maria war jetzt fast gar nicht mehr in ihrer WG. Sie brauchte die Nähe. Ins Atelier ging sie schon noch. Die Akademie war geschlossen. Franz schrieb weiter an seinem Roman, doch vergass er oft den roten Faden zu finden. Er vermisste seine Band. Auch die Bar. Er liebte die Abwechslung. Nur am Schreibtisch zu sitzen fiel ihm schwer. Franz schaute sich jetzt gerne Statistiken kann. Zahlen konnte man so oder so lesen. Am Sonntag sollte Briefwahl sein. Stichwahl. Noch waren keine Unterlagen angekommen. Längerer Spaziergang am Nachmittag mit Maria durch die leere Stadt. Selbst an der Isar war es ruhig. Angenehm entspannt. Immer besser wurde die Luft. Autos sahen viel weniger. Berufsverkehr fiel aus. Blau der Himmel. Blau. Kalter Nordwind wehte um die Nase. Färbte die Wangen rot. E vengo, vengo da te. Azzurro. Am Abend kam „Irgendwie und Sowieso“. Das musste er sich anschauen. Darauf freute sich Franz. Talkshows sah er keine an. Jetzt auch nicht.

Franz: Andrá tutto bene #10

Kalt pfiff der Wind um die Nase. Ungewohnt in diesem Jahr. Der Winter, der keiner war, war weitergezogen. Nun machte der Frühling auf Winter. Franz zog sich warm an, bevor er sich aufs Rad schwang. Brauchte Bewegung, frische Luft. Einkaufen war da eine Möglichkeit. Im Supermarkt des Vertrauens war es angenehm leer. Bezogen auf Menschen. Doch auch die Regale waren teilweise komplett leer. Franz hatte nie in der DDR gelebt. Doch fast kam es ihm so vor. Mehl aufgekauft. Reis kaum noch da. Hefe nicht einmal mehr trockene. Was die Menschen wohl plötzlich alles zuhause kochten und buken. Seltsame Kaufgelüste. Aber Alkohol war immer reichlich da. Hatten die Deutschen keinen Durst mehr? Oder wollten sie ihren Untergang nüchtern erleben? Die Franzosen hatte da anders vorgesorgt. Das Einkaufen deprimierte ihn er. Franz zügig weiter. Radelte noch an der Isar entlang. Blau der Himmel. So trügerisch schön. Die Obstbäume wollten bald mit dem Blühen loslegen. Solidarität mit Italien hatte es bis jetzt kaum gegeben. Ärzte aus Kuba waren jetzt angekommen. Ärzte aus europäischen Nachbarländer nicht. Den Franzosen wurde jetzt von den Deutschen geholfen. Immerhin. Lange Zeit haben viele nur zugesehen. Konnte der Franz nicht verstehen. Konnte die Maria nicht verstehen. Europa in der Krise? Ein armseliges Bild. Grünen Spargel hatte Franz gekauft. Risotto würde es geben. Auf dem Teller würde der Frühling sein. Blau der Himmel. Con tanto sole, tanti anni fa