heiliger berg

von weitem grüßt der

schneebedeckte fuji, wir

näherten uns über den

shoij-see, kein drache über

 

seinen gipfel zu sehen, der eine

oder andere pilger besteigt

den heiligen berg, die wellen

des pazifiks schlagen hoch

 

der weg zur spitze ermüdet

die füße, näher kommt das

weiße, die morgensonne

bringt ihn zum erleuchten

die letzte ölung

die infusionen der liebe

helfen nur bedingt

am tropf der zeit unter

grünen gestalten

 

die letzte ölung wird schon

lange nicht mehr gespendet

neue organe gibt es im

kaufhaus, doch was ist

 

wenn der chirug die

anordnung verwechselt?

der himmel zeigt sich grimmig

erbost, der schlamm wird vom

 

regen in die kanalisation gespült

die schwester setzt ihre nadel

in die müden adern, die

schlohweißen haare versponnen

 

der leichenschmaus längst bestellt

arien nach mitternacht

in den dunklen nächten

die rosen nicht geküsst,

die amseln singen italienische

 

schlager, der gestank der

zweitakter hämmert ins hirn,

wer singt schon arien nach

 

mitternacht? auf dem

kopfsteinpflaster wird jeder

schritt zur musik, verdis

 

klänge hallen bis zum

frühen morgen, erschöpft

schlafen wir ein.

Mairegen

Der Regen trieb die Vögel

in die Depression. Mit nassen

Federn das Singen eingestellt.

Die Katze hatte das Jagen

 

aufgehört. Die Mäuse noch

genug Vorräte. Ab und zu

verirrte sich ein Hund ins Freie.

Griesgrämig kamen Fahrgäste

 

aus der Straßenbahn gesprungen.

Schnellen Schritts wollte sie

nach Haus.  Dem Fluss wurd

es bald zu viel. Schnecken

 

fraßen sich den Bauch voll.

Nur Kinder auf dem Heimweg

sprangen fett in die Pfützen.

Lachend zogen sie davon.

kleines requiem

wenn der weg gegangen

der leise regen dich

begleitet, die blumen sich

vor dir verneigen, der wind

deine Seele ums haus trägt,

zwischen den Sternen du

den weg findest. du alle

Segel gesetzt hast und in die

nacht hinausfliegst.

 

leis singt der wind sein lied.

das meer kämpft mit dem himmel um das kräftigere blau

warum nicht einfach in der

sonne dösen, die wolken zählen

am firmament, unter feigenbäumen

den mund aufsperren

 

das meer kämpft mit dem himmel

um das kräftigere blau, laura läuft

hier vorbei, kein lied gesungen

nach mitternacht, das tiefe rot

 

im glas vertreibt keine mücken

der lavendel im hof verströmt

herben sommerduft, niemand denkt

an arbeit, nur hier und da

 

mit müder hand, ankämpfend gegen

die mattigkeit des mittags

ein paar verlorene wörter

auf papier geschrieben

Regenspaziergang

7.05.2017

Die Franzosen hatten gewählt. Franz war zufrieden damit. Macron als das kleinere Übel. Große Begeisterung ging anders. Auf Le Pen hatte keiner Lust. Doch hatte sie viele Stimmen bekommen. Schulz war im Norden baden gegangen. Oder war er gar nicht im Wasser gewesen? Der Bundestagswahlkampf scheint doch langweiliger zu werden. Der Sonntag war ein Kuchentag gewesen. In der Früh gebacken, am Nachmittag Freunde zu besuchen. Kaffeeschlacht mit Sahne. Udo Jürgens nicht gesungen. Die Nacht war lang gewesen. Viel Musik in den Ohren gehabt. Wenig geschrieben. Viele Ideen in die Schublade gesteckt. Mehr ging nicht. Danach Regenspaziergang. Nase im Wind. Alles grünt.

Verblühter Löwenzahn

Über den See gerudert, die

Münter nicht zuhause. Die

Bäume nachgezählt, Berge in

einem versunkenen Rot. Stoßstange

an Stoßstange auf dem Weg. Die

 

Sonne trieb die Städter voran.

Auf der Hinfahrt den Pferden

einen Gruß dargeboten. Vereinzelt

auch einer Kuh. Der Mond wollt

später nicht auf das Wasser scheinen.

 

Den Sternen nachgegangen. Lang

dauerte die Reise.  Am Rand des

Sees verblühter Löwenzahn.

Weggeblasenes Glück. Den Möwen

beim Schlafen zugeschaut.

Süden über der Stadt

Verkrochen der Regenwurm,

als wir barfuss durch die

Stadt liefen. Quer durch den

Brunnen, als wären wir 15.

 

Der Süden lag über der Stadt,

an Arbeit dachte keiner. Frösche

und Kröten blieben auch bei

Nacht in ihrem Versteck.

 

Geschlafen haben wir im

Freien. Moskitos konnten uns

nicht mehr schrecken. Im

Getränkemarkt wurde das Wasser

 

knapp. Am Abend unter den

Kastanien wurde das Gehirn

ausgeschaltet. Petrarcas

Verse längst vergessen.

Der Mai

06.05.2017

Trump war schon über hundert Tage an der Macht. Die Welt drehte sich noch. Obamacare ging es an den Kragen. Kim zeigte seine Muskeln. In Frankreich wählten sie einen Präsidenten. Oder eine Präsidentin. Franz machte sich deswegen keine großen Sorgen. Er war kein Pessimist. Doch einen Sieg der Le Pen würde Europa erschüttern. Dann doch lieber den glatten Macron. Das Wetter des Aprils fand Franz nicht so erbaulich. er liebte den Mai. Voller Verheißung. Ein einziges Versprechen. Was der Mai oft nicht hielt. Aber Spargel und Erdbeeren. Dies war Franz recht. Viel mehr brauchte es im Mai nicht, um Franz glücklich zu machen. Der liebte es, in der Zeit aufs Land zu fahren, Spargel gab es an jeder Ecke. Bald schon kam die Marmeladenzeit. Die war noch besser. Der Duft von selbstgekochter Marmelade in der Küche war kaum zu übertreffen. Am Abend begann die lange Nacht der Musik. Franz wollte sich einiges anhören. Es gab so viele Orte, an den etwas los war. Nur nicht den Überblick verlieren. Nur nicht die Freunde verlieren bei dem ganzen Trubel.