pariser leben

im schatten von flaubert durch

die alleen gewandert, in der

sonne geraucht, mittags auf der

parkbank den tauben nachgeschaut

sartres sein mit der fußspitze

gespürt, keinen halt gefunden, den

geistern von universität paris VIII

davongelaufen, die kinderwägen

schiebenden mütter gehen ins

café, bauern sieht man hier keine,

die libération unterm arm

geklemmt, kein lächeln im louvre

im quartier saint-germain-des-prés

nach verlorenen gedanken gesucht, die

bilder von godard verloren

Sommer

Über die Kornfelder

laufen die Kinder nach Haus

am Wegrand, hier und da

zwischen den einzelnen Halmen

 

blühen Mohn und Kornblumen

die Gewitterwolken treibt der

Wind voran, die Farben werden dunkler

schieben sich vor die Sonne

 

schon prasselt der Regen auf die

Kinder nieder, schneller

werden ihre Beine, der

Donnerknaller fährt durch

 

ihre Glieder, Regen drückt die

Felder nieder, durchnässt und

glücklich erreichen sie

ihr Haus

ins blaue!

blau ist eine farbe

oder nichttätigkeit

die farbe der blume und

der sehnsucht

der fischer aufs blaue meer fährt

der künstler malt leinwände blau

der pilot fliegt in den blauen horizont

der blaumann ist schwer

aus der mode gekommen

blaue hosen en vogue

wer läge nicht gern unter einem

blauen himmel?

mit blauer tinte so mancher brief verfasst

doch empört euch: der himmel ist blau!

die anderen ritten nur auf einem blauen pferd

oder spielen auf einem blauen klavier

komm, fahren wir ins blaue!

flügelloser engel

der bildhauer hackte mit

dem beil den stamm

entzwei auf der suche nach

dem ausdruck, voller neid

 

ob der körperlichen mühen

suchte der dichter seinen.

indianer hätte werden

wollen. strichmännchen

 

erschien ihm vor augen

anstelle parataxen. die

kettensäge schaffte ordnung.

vor seinen füßen lagen

 

die späne seiner arbeit,

sein kleinhirn dankte ihm

wenig, sein flugvermögen

massiv gestört, die großhirnrinde

 

bekam neue falten, die

nervenbahnen schienen

ihm immer länger zu werden

beim anblick der skulptur.

 

flügelloser engel.

Einen Hering im Schnabel #2

Als  der Fischkutter ausfuhr,

still war die See, die Wellen

faul, nur leise plätscherten

sie dahin. Die Mannschaft

döste in der Sonne, gelangweilt

der Kapitän. Herab vom Himmel

eine Möwe

keck und frech

schnappt sich, vor den großen

Augen des Kapitäns, einen Hering

und fliegt davon  mit flinkem

Flügelschlage

Hosentaschen #2

 

Vielleicht sollte man

lieber Wörter  in

Hosentaschen füllen.

Keine Steine, Matchboxautos,

 

Taschenmesser. Für unterwegs,

für auf der Straße, für im

Bus, auf der Wiese, für wenn

man im Baum sitzt und wartet.