Regen prallte ins Gesicht. Blätter fielen. Oder hingen einsam noch am Baum. Kinder nicht auf der Straße. Erwachsene auch kaum. Mitunter ein Hund mit seinem Begleiter. Radfahrer von der Straße verschwunden. Hier und da gelbe Anhäufungen. Mietfahrräder wollte niemand. Die Äpfel waren längst abgeerntet. Mumien hingen noch an den Ästen. Franz ließ sich nicht davon abhalten. Regen war kein Grund. In der Kurven war er langsamer unterwegs. Don Jupp sorgte für Langeweile in der Bundesliga. Die ersten Orangen waren zuhause angekommen. Sommerobst vergangen.
Autor: orangeblau
auf der suche
der wald scheint doch heimat zu
geben, geborgenheit
nicht nur dem wilden schwein oder
dem reh, immer wieder geht
der mensch, meist jäger nicht
suchend zwischen fichten und eichen
meist die früchte nicht, kastanien
er und eichel, bucheckern nicht
isst, doch findet er, zwischen den
dunklen stämmen, die vögel pfeifen
es von den wipfeln, als wäre dem
menschen hier sein paradies, verloren
ist´s, verloren, doch suchet er, doch
suchet
Minestrone
Franz brauchte kein neues iPhone. Viel zu groß. Viel zu teuer. Erdbestattungen waren den Menschen auch zu teuer. Aber das ist ein anderes Thema. Jamaika ist eine schöne Insel. Die Debatten über eine mögliche Jamaika-Koalition nervten Franz. Sie sollten langsam mal anfangen zu regieren. Und sich nicht in Eitelkeiten verlieren. Zum Glück brach die Sonne durch den grauen Novemberhimmel. Mit Elan radelte Franz zum Markt. Hatte ein paar Freunde zum Essen eingeladen. Brauchte Gemüse. Fisch. Vielleicht würde ja beim Verhandeln ein großer Wurf gelingen. Der Ausstieg aus der Massentierhandlung wäre ein solcher. Vergleichbar mit dem Ausstieg aus der Atomindustrie. Oder den Abschied vom Verbrennungsmotor. Aber Franz war da wenig optimistisch. Freute sich auf seine Freunde. Um Wein brauchte er sich nicht zu kümmern. Wollten die Gäste mitbringen. Maria half in der Küche mit. Sie hatte schon am Vormittag Minestrone gekocht. Konnte nicht mehr viel schief gehen. Beim Kochen.
Mathias #15
Frost mocht Mathias nicht. Kroch ihm in die alten Glieder. Seine Hände mochten die Wärme. Saß lieber in der Sommerabendsonne vor dem Haus, die Beine von sich gestreckt. Hatte genug Holz zum Heizen. Doch in der Frühe raus in der Kälte. Ungern. Die Kühe wollten nicht warten. Das Wasser im Haus war kalt im Winter. Hatte nur einen Holzboiler. Wurde nur zum Baden eingeheizt. Stube und Küche brauchten Zeit, bis sie warm wurden. Wenn die Kinder im Dorf den Schlitten zum Berg zogen, freute er sich. Aber es war nicht seine Jahreszeit. Früher hatte er den Winter lieber gemocht. Doch das Schnee räumen war da schon eine arge Plag gewesen. Holz hatte Mathias genug vorm Haus. Nur das Kleinmachen übernahm manchmal der Nachbarsjunge. Der hatte genug Energie.
variationen #2
das klavier stand gelangweilt
in der ecke, staub legte sich
auf die tasten, schon lange
nicht mehr wurde fleißig geübt
eine mazurka von chopin oder
von rachmaninov eine polka
gerne hatte er auch bach gespielt
der klavierstimme müsste auch einmal
wieder, seine hände waren aus der übung
nicht mehr die jüngsten, gerne hatte er
bei geöffnetem fenster gespielt, mit
den vögeln in der früh um die wette
gesungen, nicht mehr gelingen wollten
ihm die goldberg variationen
müde schaut er aus dem fenster, die
vögel, sie singen nicht mehr
Süßes und Saures
Süßes und Saures war dem Franz recht. Meist zuerst das Saure. Dann das Süße. Nachtisch mochte der Franz. Gehörte zu einem guten Essen dazu. Da gab ihm Maria Recht. In Italien ging nichts ohne Menu. So genau nahm es der Franz nicht im Alltag. War mit einem Berg Pasta durchaus zufrieden. Danach Kaffee oder ein Stück bitterer Schokolade. Mit Halloween konnte der Franz weniger was anfangen. Aber er fürchtete sich nicht. Zur Not gab er eben Süßes. Im Haus wohnten einige Kinder, die würden sicher vorbeikommen. Der Tag war schnell verflogen wie der Heißluftballon, den er in der Früh über dem Haus gesehen hatte. Er flog so niedrig, dass er den Gasbrenner hören konnte. Auf der Kirchturmspitze würde er schon nicht landen wollen. Wäre keine gute Idee. Die Schokoherzen von Air Berlin waren Vergangenheit. Franz war eh lieber mit der Bahn gefahren. Hatte nie hier oder dort Meilen gesammelt. Einen protestantischen Arbeitseifer hatte Franz am Tag nicht hingelegt. eher Fünfe gerade sein lassen. Entspannt den Tag begonnen. Am Abend musste er in die Bar. Erwartete aber eher wenig Besucher. Franz mochte Luthers Bibelübersetzung. Hatte einen Nachdruck daheim. Schaute immer wieder gern rein. Wortgewaltig. Nicht immer leicht zu entziffern.
durch den leeren park
gedenken aller verstorben
nicht vergessen, in commemoratione
omnium fidelium defunctorum
zuerst kommen die heiligen dran
das brot gereicht wird ihnen, die
natur scheint zu sterben dieser
tage, nackt stehen die bäume vor
uns, wir gehen durch den leeren
park, die hagebutten gewinnen an
farbe, orange strahlt der sanddorn
der himmel finstergrau
herrgottswinkel hergerichtet, gottesäcker
frisch gerecht, fegefeuer längst abgeschafft
der wind fährt über das zerfurchte gesicht
Die Sommerzeit war vorbei
Hopp-Fan war der Franz nicht. Auch kein Red-Bull-Fan. Franz verstand die Sehnsucht nach der alten Zeit. Für einen Fußballverein war es auch keine einfache Entscheidung, von wem man Geld annehmen soll und von wem nicht. Angesichts der Unsummen, die im englischen Fußball ausgegeben wurden, konnte man in der Bundesliga ja auch schlecht auf Amateurliga machen. Die Löwen wollten ja auch nicht in die 4. Liga und da bleiben sowieso nicht. Kritik an Hopp und Mateschitz war für den Franz schon in Ordnung. Hass aber nicht angebracht. Herbststurm Herwart war übers Land gezogen. Wangerooge war ein Stück kleiner geworden. In Barcelona waren Hunderttausende auf die Straße gegangen. Samstagnacht war auch in München der Sturm stark gewesen, Franz musste, was er ungern tat, alle Fenster in der Wohnung schließen. er liebte es, bei offenem Fenster zu schlafen. In Giesing war es meist ruhig. Den Gesang der Vögel nahm er gern als Weckruf an. Wecker stellte er ungern. Wenn er keinen frühen Termin hatte, war dies auch kein Problem. Wurde auch so in der Früh wach. Sonntagfrüh zeitig beim Bäcker gewesen. Hatte aber schon vor acht auf. Die Sommerzeit war vorbei. Die Nacht drückte früher herein. Tagsüber schwere Wolken vorbeigezogen. Wenig Radfahrer an der Isar. Franz hatte Bewegung gebraucht. Nur Sonntagskuchen ging nicht. Es würden die trüben Tage kommen. Novemberblues. Wenn Franz an der Luft war, durch die Laubblätter radelte, machte ihm der Regen und der Wind wenig aus. Später einen warmen Tee oder eine heiße Schokolade. Roch nach Kindheit. Die Oma hatte immer eine ganze bauchige Kanne mit heißer Schokolade gemacht. Ein kariertes Muster war drauf gewesen. Nachkriegsware. Das Geschirr hatte den Krieg nicht überstanden. Manch anderes auch nicht. Charlotte Knoblauch war 85 geworden. Franz mochte die Ohel-Jakob-Synagoge, für die sie sich eingesetzt hatte. Mitten in der Stadt ein wunderbarer Ort. Gern saß der Franz im Sommer vor dem Stadtcafe und schaute auf die Synagoge.
Der Föhn war über die Stadt gezogen
Wenn ein Trainer Flaschen wirft, qualifiziert er sich damit für die Bayern? Franz hatte ja auch Trapattoni in München gesehen. Die meisten in München drückten wohl dem Jupp die Daumen, auch wenn eine Verlängerung des Vertrages nicht in Frage kam. Ein neuer Konzertsaal sollte nach München kommen. Die Entwürfe standen zunächst. Mut zur Architektur war in München nicht besonders groß. Der Föhn war über die Stadt gezogen, die Wolken getrieben. Wechselspiel zwischen Grau und Orange. Franz flog schier an den Schreibtisch. Wörter überschlugen sich. Manchmal würde er gern malen. Doch dafür hatte er wenig Talent. Immer unzufrieden mit seinen Bildern. Später hinaus ins Freie. Die Isar entlang. Wind um die Nase. Kinder ließen Drachen steigen. Schwierige Windverhältnisse. Krachten schnell herunter. Wellenreiter waren daheim geblieben. Die meisten Griller ihre Saison beendet.
lachend springen wir über Laubberge
Föhnwinde trieben die Wolken
vor sich her, kopflos liefen die
Leute über die Straße, die Sonne
kämpfte um eine gute sich auf die
Erde, zerquetsche Kürbisse rollten aus
der Kurve, Maisernter fuhren heim, wer
Drachen steigen will, hatte schwer zu
ziehen, lachend springen wir über
Laubberge als seien wir Kinder