Lodz: Miecyslaw #2

Mieczysław war glücklich gewesen. Er hatte einen Studienplatz in Lodz bekommen. er wollte unbedingt dorthin. Einer von zwölf. Es war nicht einfach, genommen zu werden. Die Filmhochschule hatte einen guten Ruf. Polanski war schon dort gewesen. Eine bessere gab es in Polen nicht. Mieczysław wollte unbedingt Regisseur werden. Was anders war nicht möglich. Seine Eltern wohnten weit weg. In einem kleinen Dorf. Er wollte in die Stadt. Hatte immer schon gerne Filme angeschaut. Schon früh Videos gedreht. Sein Vater hatte ihm eine Videokamera geben. Später hatte er auch mit dem Handy Videos gemacht. Zuerst einfache Sachen. Geburtstag von der Oma. Silberne Hochzeit der Eltern. Kindergeburtstage. Später hatte er Tiere gefilmt. Autos. Angefangen, die Filme zu schneiden. Irgendwann hatte er ein Drehbuch geschrieben und seine Familie verplant. Und Freunde. In der Schule hatte er manchmal auch einen Film machen dürfen. Die Lehrer hatten zuerst eher gelacht. Später nicht mehr. Jetzt war er in Lodz. Mochte die Größe der Stadt. Sein Zimmer war in einem hässlichen Studentenwohnheim. Aber dort konnte man lustige Situationen filmen. Auch Andrzej Wajda war in Lodz gewesen. Mieczyslaw liebte seine Filme.

Jelenia Gora: Tomasz #2

Immer schon fuhr Tomasz Bus. Immer von Polen nach Deutschland. Von Deutschland nach Polen. Nur selten fuhr er andere Strecken. In Jelenia Gora war er am liebsten. Dort war immer Rast. Aß vom Grill eine fette Käsewurst. Kielbaski z serem. Dann war er zuhause. Daheim. In Polen. Wenn er bei Görlitz über die Grenze fuhr. Tomasz wurde schon nervös. War schon lang unterwegs von München. Wurde Zeit für was Heißes. Meist mitten in der Nacht. Am frühen Morgen. Die Sonne würde noch brauchen bis zum Aufgehen. Später ging es weiter nach Wroclaw, nach Katowice oder Opole, oder noch weiter, nach Lodz oder Warszawa. Aber erst die Grillwurst. Gab ihm neues Leben. Er war gern unterwegs. Doch in Jelenia Gora war er glücklich.

Schemtschug: Jurij #2



Der Weg ist weit. Ohne Auto fast kein wegkommen. Jurij hat noch keinen Führerschein. Auch kein Mofa. Um seine Freunde zu erreichen, muss er mit dem Bus fahren. Der Bus fuhr nicht oft nach Schemtschug. Wenn er einen verpasst hatte, musste manchmal stundenlang warten. Im Winter konnte das Warten besonders lang werden. Doch die Kälte war er gewöhnt. Manchmal nahm ihn jemand mit, der vorbeifuhr. Doch nicht immer kam jemand. Er mochte das Fahren mit dem Bus. Die Haltestelle hatte bunte Farben. Oft keine andere Seele zu sehen. Sein Dorf war kein Dorf. Nur ein paar Häuser. Ein paar Menschen. Ein paar Schweine. Ein paar Kühe. Kartoffel kamen in die Erde. Getreide. Tomaten wuchsen vor dem Haus. Ein paar Apfelbäume. Jeder sorgte für sich. Keiner musste verhungern. Hier war niemand reich. Die Reichen lebten woanders. In der Stadt. Vielleicht würde er irgendwann in die Stadt ziehen. Irgendwann. Doch dann müsste er seine Familie verlassen. Und seine Freunde. Soweit war Irkutsk ja auch nicht weg. Drei Stunden würde man mit dem Auto brauchen. Im Sommer.