
Sonderbares im Kreuzgang des Augsburger Domes



in früheren zeiten fuhr der eismann im winter
in den süden, in der eisdiele wurden dann lebkuchen
verkauft, kein grau zeigt der novemberhimmel
in früheren zeiten fuhr der eismann im winter
in den süden, tizianrot glänzen dein locken, geranien vor
den fenstern verräumt, noch stehen die
christbäume im wald, äxte frisch poliert
in früheren zeiten fuhr der eismann im winter
in den süden, tiefergelegt rauscht der dreier um
die ecke, nachtvögel abgehangen, kasseiopeia
grüßt aus dem geöffneten fenster, kurzhaarschnitt
keine spur von sorgen
in früheren zeiten fuhr der eismann im winter
in den süden

libellen flogen nicht mehr über dem see, weiße
farbe hatten die bergspitzen aufgelegt, almabtrieb
vorbei, feuchte wiesen lagen um das verlassene
schloss, längst das weite gesucht hat die prinzessin
die kühe sehnten sich nach der weite, wir sammelten
den sanddorn mit spitzen fingern, leere acker zeigten
ihre tiefen furchen, unsere badelaken hatte wir im
schrank verräumt, kalt unsere wangen sich berührten

der lebkuchen liegt unberührt im regal
am rand liegt das laub, in den süden
gezogen sind längst die störche, kein
quaken mehr nach mitternacht, startbereit
stehen unsere schlitten im keller. martinsgänse
wackeln noch schnell mit ihren hälsen,
nikolausdarsteller haben längst einen
langen bart.
frühlingsliebhaber drücken
die blumenzwiebeln in die erde
herbstzeitlose täuschen uns krokusse
vor, unsere küsse sind gar
nicht herbstlich, der lebkuchen liegt
unberührt im regal


