dornenkränze

die züge rauschen durch die tunnel
sonnenfinsternis allenthalben, auch
der mond geht nur noch selten auf
cohens songs längst abgedroschen
im kübel das blut, zerhackt, zertrümmert

liegen die schwestern, die wege waren
weit gewesen auf der pilgerreise
zerschunden die füße, menschenknochen
schwammen herum, rauschen in den
ohren anstelle musik, der rosenkranz

zwischen den fingern wirbelt herum, die
lippen ein auf und ab, die kammer voll
blut, der vogel ausgeflogen, auf den
knien gingen sie um den altar
dornenkränze zierten ihre köpfe

Januar

Der Samowar abgeräumt, gegen die
Kälte tranken wir Wodka, Schneebälle
und Eisklumpen flogen uns um die Ohren

die versteckt unter riesigen Pelzmützen
unser Schlitten hatte Allrad, einfaches
Fabrikat, Schneeglöckchen gibt es keine

der Feuervogel hat längst ausgetanzt, am
Abend Schweinefüße, unter der Schädeldecke
war noch Platz für 100 Gramm

Unberührt die Schreibmaschine

erschlagen lag die alte Tanne

die abgezogenen Häute hingen in der frühen
Sonne, später Federn gerupft, sauber lag
der Hirschfänger auf dem Tisch, die Krähen
im Herbst riefen laut, erschlagen lag die
alte Tanne auf der Wiese, du hüpfst vergnügt
aus der Speisekammer, Nebel längst verzogen
heut gibt´s Rehragout

Nach dem Rausch

Die Augen liefen über die schwarze
Brille, die Außenhülle des Hotels
wehrhaft, schräg gegenüber volle Cafés
Sonntagmorgen nach dem Rausch, der Portier
frisch gebügelt, Spiegeleier zur Stärkung
schwarzer Kaffee auf der müden Zunge. Du
lässt tief blicken.

Weihrauch

In der Fleischhauerei hingen sie von der
Decke herab. Froh, auf der Landstraße nur
wenige gesehen zu haben. Fronleichnamszug
längst weitergezogen. Schwer liegt nur noch
der Weihrauch auf der Gasse. Über das
Katzenkopfpflaster laufen vergnügte Kinder.
Die Alten, dem Tod noch entkommen, lehnen an
der Fensterbank. Morgen wird der Bauer
frische Ware liefern.