Winterblau strahlte der Himmel in den Alpen. Der Chiemgau lachte. Mit Schneeschuhen waren Franz und Maria gelaufen. Bis die Beine brannten. Erschöpft machten sie Rast vor der Hütte. Linsensuppe füllte den Magen. Doch zuerst Flüssigkeit nachgefüllt. Die Beine ausgestreckt. Die Sonnenbrille zurechtgerückt. Hier gab es wenig Skifahrer. Meist nur Tourengeher. Doch die Schneelage war weiter oben kritisch. Lawinengefahr. Der Schnee war weich und zart. In der Nacht hatte es gehörig geschneit. Der Hüttenwirt hat lang gebraucht, bis Fenster und Tür frei waren. Franz und Maria tranken noch einen Kaffee. Sie hatten keine Eile. Noch würde es nicht dunkel werden. Zur Not hatten sie Stirnlampen dabei. Die SPD hatte für das große Krokodil gestimmt. War wohl unumgänglich. Lindner sei Dank. So langsam wurde es Zeit für eine neue Regierung. Beim Abstieg bildete der Mond eine Sichel. Der Schnee wurde fester. Die Wangen waren kühl.
Allgemein
Zakopane: Krzysztof #2
Wenn der Schnee recht war, schnallte sich Krzysztof die Skier an und ging in die Berge. Oft nach der Arbeit. Ein wenig den Puls in die Höhe treiben. Frische Luft schnappen. Er kannte sich aus. Wusste den Schnee gut einzuschätzen. Führte manchmal auch Touristen. Die aus der Stadt kamen. Aus Warschau. Oder Krakau. Kattowitz. Manchmal kamen auch Deutsche. Oder Russen. Meist aber Polen. Verdiente ein paar Euro dazu. Im Sommer ging er auch in die Tatra. Nur am Schalter sitzen ging dann doch nicht. Brauchte die Bewegung. Liebte die Ruhe. Ging oft alleine. Krzysztof ging aber auch mit Freunden. Später sprang er gern in den Morskie Oko, oft war der See kalt. Doch das war Krzysztof recht nach einer langen Tour. Unterwegs aß er oft Schafskäse. Mehr brauchte er in den Bergen nicht.
Die Schlachten waren groß #2
Die Schlachten waren groß, die bestehen musste der Held, umkämpft war die Stadt, Troja, umkämpft zehn Jahre lang. Mit zwölf Schiffen fuhr heim Odysseus, fuhr heim und irrte und irrte herum übers Meer. Zehn Jahre irrte Odysseus übers Meer, bis kam, allein, heim er von der Schlacht. Grausam und heldenhaft kämpfte gegen Zyklopen, einäugige, ausstechend das eine Auge, listig hängend an die Ziegen zur Flucht. Kämpfend gegen den Schlaf der Lotusblume, einfangend die Winde der Meere, besiegt die Zauberkraft, die Zauberkraft von Kirke und widerstand, widerstand dem Gesang der Sirenen.
Zakopane: Krzysztof
Regelmäßig kommen die Züge aus Krakau nach Zakopane. Im Winter ist immer viel los. Wie Fliegen fallen sie über Zakopane her. Wollen alle Ski fahren. Doch auch im Sommer kommen viele zum Wandern. Wege und Hütten gibt es genug. Krzysztof verkaufte gern Fahrkarten. Redete gern mit den Leuten. Lokomotivführer hätte er nicht werden wollen. Da musste man immer aufpassen. Wenn nichts los war, träumte Krzysztof gerne. Er träumte schon lange bei der Arbeit. Ohne Träume wäre sie ihm doch zu langweilig. Dennoch liebte er die Arbeit. Fuhr meist mit dem Rad zur Arbeit. Wenn er Zeit hatte, ging er gern in die Berge. Von der Tatra konnte er nicht genug haben. Früher war er Skispringer gewesen. Mit mittelmäßigem Erfolg. War immer schlechter gewesen als Adam. Hat dann aufgehört, bevor ihm alle Knochen weh taten. Auch der Papst ist mal in Zakopane gewesen. Doch das ist schon lange her. Krzysztof hat ihn sehr verehrt. Wie fast alle Polen. Als der Papst noch Bischof in Krakau war, war er öfters in Zakopane gewesen. Krzysztof hatte seinen Papst immer geliebt. In seinem Haus hingen Bilder von ihm. Seine Frau war das oft zu viel. Doch am Sonntag ging sie immer mit Krzysztof in die Kirche.
Krokodile
Zum Glück war Franz nicht in der SPD. So musste er sich nicht den Kopf zerbrechen über die Vor- und Nachteile von großen Krokodilen. Irgendwie war er bei der Frage mittlerweile ziemlich genervt. Doch scheinbar ging es den Deutschen ja auch ohne neue Regierung ganz gut. Manchmal hörte man sogar etwas vom neuen Bundestag. Doch dies war eher selten. Noch mehr nervte ihn eigentlich das Wetter. Kein richtiger Schnee in der Stadt. Laue Temperaturen. Er mochte Kälte im Winter. Eis und Schnee. Fuhr auch gern mit dem Rad über weiße Straßen. Wollte den Winter auch in München haben. Nicht nur in den Bergen. Am Sonntag würde er wohl in den Schnee fahren. Vorher keine Zeit. Musste noch arbeiten. Dinge erledigen. Am Abend in der Bar. Musste auch noch einen Text fertig schreiben. Termin ist Termin. Aber am Sonntag würde er früh in die Berge fahren. Mochte kein Gedränge. Keinen Stau. Krokodil hin oder her. er hatte ja im Herbst gewählt.
Als Jandl den Führerschein machte #2
Als Jandl den Führerschein machte, da hatte es der Fahrlehrer nicht leicht. Verwechselte der Fahrschüler schnell mal links mit rechts oder rechts mit links und fuhr nach da und nach dort anstatt nach dort und nach da. Als dann Jandl dort war und nicht da, war der Fahrlehrer fort. Beim nächsten Mal, der Fahrlehrer war wieder da, fuhr Jandl nach dort und nach da, anstatt von da nach dort und fuhr nach rechts und nach links und auch im Kreis. Doch als fuhr Jandl im Kreis verkehrt, anstatt rechts nach links, da war der Fahrlehrer fort und kam nicht mehr.
Wintergroll
Begraben am Strand liegt Hamlet immer
noch, die Möwen kreischen ihr Lied. Der Butt
verwunschen, hilft nicht weiter, die Mörder
ziehen ihre Rund, schneeweiße Birken im
Wind sich regen, müd zieht der Fischer sein
Netz. Die Ostsee tobt ihren Wintergroll
Eisschollen tanzen den Tanz der Hyänen.
Deine Hand hält meine.
wagners leid #2
wenn öd und leer das meer, der gesang durch
die knochen geht, kein schiff will fahren ans
rettende, gewiss scheint der tod im hyazinthengarten
so grün, irland liegt weit, die liebe geschenkt und verloren
die grillen singen ihr lied dazu, am end nur bleibt
der tod, betrübnis, vergangen der liebe freud
Omsk: Wassili
Sommer wie Winter arbeitete Wassili an der Universität für Eisenbahnwesen. War dort Lehrer. Er war selber Ingenieur und bildete Ingenieure für Lokomotiv- und Wagentechnik aus. Seit es die Transsib gab, brauchte man gut ausgebildete Leute für die Eisenbahn. Mittlerweile kann man an der Hochschule auch andere Fächer studieren, doch Wassili bildete nach wie vor Ingenieure für die Eisenbahn aus. Sein Vater war Lokomotivführer gewesen, sodass er immer schon die Eisenbahn liebte. Wassili mochte die Stadt. Es lebten viele Studenten hier. Es gab ja auch viele andere Hochschulen. Seine Wohnung war seit 20 Jahren die gleiche. Plattenbau. Meist ging die Heizung gut im Winter. Konnte nicht klagen. Auf dem Land hatte er eine kleine Datscha. Seine Frau war ganz zufrieden mit ihm. Es ging ihnen gut. Machten Urlaub im Sommer. Hatten zwei große Kinder, die am studieren waren. Vom Balkon konnten sie direkt auf den Fluss schauen. Als der Ministerpräsident die Hochschule besuchte, hat er ihm die Hand geschüttelt.
Die unendliche Langeweile: Oblomow #2
Ein Faulpelz gewesen, ein rechter. Unmöglich, nicht herumzuliegen für ihn gewesen, träge durchs Leben. Schlafen, nicht verdienen müssen den Lebensunterhalt, das Leben als ein einziger Traum der Dekadenz. Ein Parasit der Gesellschaft, eingeschrieben in sein Gesicht die unendliche Langeweile und nie enden wollende Müdigkeit. In den besten Jahren und doch schon verlebt, das Leben begonnen und des Lebens müde.