Als das Meer in den Bergen ankam
gingen wir schneller, kein Halten mehr
die Bäume gingen in die Wagerechte
Regenschirme suchten den Himmel
Als das Meer in den Bergen ankam
gingen wir schneller, kein Halten mehr
die Bäume gingen in die Wagerechte
Regenschirme suchten den Himmel
Den Zaubersprüchen abgeschworen, hinter
der Stadt liegt das Grauen der Vorstadt
Industriegebiete versieglen den Boden, der
Nachbar putzt sein Auto jeden Samstag, vorher
wird der Gehsteig gekehrt, das Umkraut
aus den Fugen gezogen, vor der Sportschau
badet er, der Nachmittag im Baumarkt war
voller Überraschungen, den Vorgarten will er
bald zupflastern, macht nur Arbeit, das ganze
Laub, wer soll das immer kehren? Das Bier
im Kühlschrank wartet schon, seine Frau
hatte das Abendbrot schon zubereitet
Regengüssen zum Trotz war Franz mit Maria rausgefahren. Bayernticket genommen. Leerer Zug. Feste Schuhe angezogen. Nach Lenggries. Das Brauneck raufgelaufen. Kaum Leute unterwegs. Im Sommer ging es eher zu wie auf einer Autobahn. Im November noch wenig Schnee. Keine Skifahrer. Fast keine Bergsteiger. Proviant hatten sie selber mitgenommen. Droben hatten die meisten gerade geschlossen. Erst wenn richtig Schnee lag, würden sie wieder öffnen. Beim Abstieg gingen sie aber über die Kotalm. Die hatte noch keine Betriebsferien. Wärme war ihnen schon recht. Nach der Flädlesuppen aßen sie noch Schlutzkrapfen mit Spinat. Zum Glück war es dann nicht mehr weit bis zum Bahnhof. Die meiste Zeit hatte es im Berg geregnet, mitunter gescheit. Der Wind ziemlich gepfiffen. Ein Hauch von Schnee auf den Steinen gelegen. Für Skifahrer viel zu wenig. Aber rutschig für Wanderer. Doch der Weg war nicht besonders steil gewesen. In Lenggries tranken sie noch einen Tee, bevor sie wieder heimfuhren. Menschen sah man wenig. Dämmerung griff nach ihnen.
Die Lektüre der SZ war wie das tägliche Zähneputzen für Franz. Nicht immer darüber nachdenkend, was gerade gelesen wurde. Nicht immer alles verstehend. Die Paradise Papers boarden über. Der Strand von Jamaika muss schön sein. Franz hatte ihn noch nicht gesehen. Den Passatwind hatte er noch nicht in der Nase gehabt. Kolumbus war wohl schon dagewesen, doch ob Merkel den Weg dahin schon gefunden hatte? Die Lieder von Bob Marley kannte Franz schon. So ganz war sie nicht sein Fall. Aber lässig schon. Die Nacht kam immer früher. Novemberregen wusch die Bäume. Das Laub bekam ein letztes Bad. In den Einkaufwelten stapelten sich die Besucher. Franz ging lieber die Isar entlang. Seinen Schuhen konnte der Regen nichts anhaben.
als ausfuhr der fischkutter, still
die see, die wellen faul, nur leise
plätscherten sie dahin, zart und leis
die mannschaft in der sonne
döste, gelangweilt auch der kapitän
doch kommt der dieb, doch kommt
herab vom himmel, eine möwe keck
und frech, schnappt sich, vor den
großen augen des kapitäns, einen
hering, einen hering, aus der
tonne, fliegt davon, fliegt,
mit flinkem flügelschlage
auf und davon, den
hering im schnabel
zu Heinrich Heine, Meeresstille
Maria musste nach Neuhausen. Es gefiel ihr dort. Ging gegen den Herbstregen am Schlosskanal spazieren. Machte Fotos für spätere Zeichnungen. Ging bis zum Nymphenburger Schloss. Im Winter war der Kanal oft gefroren. Liefen Schlittschuh. Oder spielten Eisstockschießen. Heute nur Jogger. Kaum Touristen. Und Hundebesitzer. Vereinzelt unerschrockene Radler. Der Rotkreuzplatz war nicht besonders aufregend. War aber das Zentrum des Stadtteils. Es war kein schlechter Ort. Nur zuviel Autos. Später ging sie ins Ruffini. War dort mit einer Freundin verabredet. Tranken Kaffee. Und aßen Rotweinkuchen. Für daheim nahm sie noch ein Brot mit. Das Ruffini hatte noch eine richtige Backstube. Keine Brotfabrik. Manchmal saß sie im Café und machte Skizzen. Es gab dort interessante Gesichter. Die Zeit verging. Längst griff die Nacht nach dem Tag.
Die Dunkelheit drückte dem Franz durchaus aufs Gemüt. Der 9.11. machte ihn immer nachdenklich. Die Sprache Hitlers schien ihm wieder in Mode zu kommen. Begriffe wie Heimat und Volk wurden wieder in einen falschen Kontext gesetzt. Die AfD hatte in Bayern viel zu viele Stimmen gewonnen. Viel zu viel im Trüben gefischt. Franz wollte lieber etwas schreiben, doch in letzter Zeit hatte er oft über Politik nachgedacht. Er war auch nicht immer glücklich mit allen Entscheidungen der Politiker. Das muss ja auch kein Bürger sein.
Am Abend radelte er gern durch die dunkle Stadt. Hatte was verwunschenes. Man sah weniger und konnte besser träumen. Die Fantasie konnte ihren Lauf nehmen. Ihren Bogen über den Fluss spannen. Die Isar rauschte durch die Novembernacht. Erzählte schon die ersten Schneegeschichten.
Der Apfel fällt nicht weit
die Eva biss hinein, geschehen
war es drum, als Kind vorm
Beichtstuhl gesündigt, fehlten
doch die Sünden gar
doch wer betrog nicht schon
kann ohne Sünde sein
das Kind, so unschuldig es
gekommen auf die Welt
doch Eva biss hinein, der
werfe den ersten Stein
so grausam war,so gütig er
zieht abend übers land
zieht abend, legt nebel
sich auf die berg legt
schwer werden die felder
schwer, zieht abend übers
land, drückt weg die sonne
sich vom horizont, einsamkeit
durchfährt die glieder des
geliebten, einsamkeit, ermattet
wartend im kummer liegt er
ermattet, zieht abend übers land
ach nachtigall, ach nachtigall
Der November griff nach mir, zerrte
an meinem Mantel, der Wind pfiff
ums Ohr, Regen klatschte ins Gesicht,
drang ein ins Gewand, nach mir schaute
keine Sonne, nur der Schal gab Wärme
ich schlitterte über das farbige Laub, größere
Laubberge wurden umkurvt, schnellen
Schritts ins Café, deine Hände wärmten mich
kein Buch wurde gelesen in der Nacht