Franz war über die Diskussionen über den Trainer vom FC Bayern durchaus erfreut. Nach dem medialen Getöse um die Bundestagswahl gab es nun ein anderes Thema für die Seite 1. Auch im Wirtshaus wurde nicht mehr nur über CSU, AfD und Merkel geredet. So bekam die Politik ja vielleicht ein wenig Zeit zum Nachdenken. Im Grunde war es ja dem Franz einerlei, wer nun bei den Bayern auf der Bank saß. Der Kaiser würd es wohl nicht mehr machen und an Lothar Matthäus glaubte auch keiner. Vielleicht würden sich die Bayern ja ein richtiges Krisenjahr gönnen mit Platz drei am Ende der Liga. Täte der Bundesliga ja eigentlich gut, wenn mal wieder ein anderer Meister werden würde. Monotonie ist schlecht fürs Geschäft. Franz ging lieber zu den 60zigern. Die reisten mit Freude durch Bayern, waren erfolgreicher den je und hier und da wurde auf der Tribüne was Süßes geraucht. Franz mochte nichts Süßes zum Rauchen. Im Stadion ein Bier war für ihn genug, oder was zum Essen. Bei den Löwen war fast Ruhe eingekehrt. Ungewöhnlich. Gestern hatten sie 3:1 gegen den Tabellenzweiten gewonnen. Viele gelbe Karten. Viele Punkte Vorsprung. Den Sonntag hatte Franz langsam angehen lassen. Das Gewitter in der Nacht hatte für Abkühlung gesorgt. Vormittags Kuchen gebacken. Noch war Zwetschgenzeit.
Allgemein
Die Jäger gehen ohne Beute heim
Fasanen laufen nicht über die Felder
der Maisernter erwischt immer wieder ein
Reh, Herbsthimbeeren färben die Zunge
blutig, heruntergefallene Nüsse haben ihre
schützende Hülle verloren, eilig laufen die
Liebenden nach Hause, auf dem Herd
kocht eine Suppe, eifrig basteln die Kinder
am Drachen, wenn Wind kommt, wollen sie
bereit sein, die Wolken am Himmel lassen
sich noch Zeit, Vivaldis Concerto grosso
tanzt über die Auen, die Jäger gehen
ohne Beute heim
Häuser baut jetzt keiner mehr
Nebel umhüllt die Welt, als würd
noch schlafen sie, Blätter gehen
ins dunkle Rot, Wolken auf der Straße
liegen, von fern die Lichter dringen
durch den Dunst, Häuser baut jetzt
keiner mehr, im Park die Bänke
bleiben leer, in der Nacht liegt
Handke aufgeschlagen neben dem
Bett, zugefallen längst die Augen
Russendisco daheim
Meine Fresse lachte im Morgenspiegel, Postkarten
haufenweise im Briefkasten versenkt, der Kaffee
fließt direkt ins kalte Blut, die Furchen auf der
Stirn verschwinden deswegen nicht, am Fenster
gegenüber Rippenunterhemd über Tattoo, vor der
Haustüre das tiefergelegte Prachtstück, frisch poliert
sein Besitzer übt sich gerade in Kickboxen, der Makler
sprach von nicht vorhandenen Filetstücken, der Hausputz
klafft auseinander, im Kühlschrank Bierdosen, altes
Brot, Dosen von Hundefutter gibt es reichlich, auf dem
Fußboden leere Wodkaflaschen von der Nacht, Russendisco
daheim, ohne Musik
Der Wechsel
Manchmal gehen die Dinge schnell. Zumindest im Fußball. Die Politik läuft da manchmal hinterher. Bayern München hatte, kaum auf Platz drei in der Bundesliga gelandet und damit in höchster Abstiegsnot steckend, gehandelt. Respekt, fand der Franz. Auf Rummenigge war verlass. Bei der CSU war das anders. Da war ja Seehofer selber der Chef, der kein Interesse hatte, sich selber auszutauschen. Auch die SPD ist weit entfernt vom FC Bayern. trotz großer Verluste kein Rausschmiss. Dies gäbe es beim Rummenigge nicht. Der hätte den Schulz schon im Frühjahr rausgeschmissen. Die CDU kam dem FC Bayern noch am nächsten. Wollen immer oben stehen. Doch am Stuhl der Merkel sägte noch kein Rummenigge. JA, schauen die in der CDU denn keinen Fußball? Sind denn die keine FC Bayern-Fans? Gut, die CDU stand ja noch auf Platz eins. Aber Franz vermisste ein wenig die Dynamik in der Performanz. Ein neuer Trainer war da doch längst überfällig. Aber Franz war weder von der CDU noch vom FC Bayern Fan. Nach dem Spiel ist immer vor dem Spiel, nach der Wahl auch. Es gab Zeiten, da freute sich Franz auf neue Minister, eine neue Regierung. Entspannt schaute Franz in die Zukunft. Der Abend war mild. Lange noch saß er auf dem Balkon. Schrieb noch ein wenig. Freute sich auf Maria. Musste dann nicht über Politik sprechen.
Postkarten aus der Ferne
die milchfarbene Decke lag zart über
den Hügeln, nach dem Melken treibt die
Bäuerin die Kühe aus dem Stall, das Gesicht
eine Landschaft, das dunkelblaue Kopftuch
hält die Haare in Zaum, beim Gehen hilft
der Stecken, krumm von der Arbeit der Rücken,
woanders war sie nie, ihre Enkel schicken
manchmal Postkarten von der Ferne, später wird
die Sonne über die Hügel steigen, sie freut sich
schon auf den warmen Kaffee zum Frühstück, die
Stiefel stellt sie vor die Türe zum Trocknen
der Sohn wollte den Hof nicht übernehmen
Lila Astern
der Mäusebussard wartete geduldig
auf sein Essen, der Mais stand gelangweilt
neben der Straße, davonfliegende Schwalben
machen keinen Sommer mehr
Septembersonne trügerisch, Küsse im
Nacken erhellten ihr Gesicht, der
Zwetschgendatschi, roch nach
Großmutters Küche, die Abendandacht
fand auf dem Feld statt, früher, Meckels
Muftoni geht schon lang nicht mehr
spazieren, lila Astern liegen andächtig
am Wegesrand
Über das Entfernen der Wahlplakate
Nach der Wahl ist immer vor der Wahl. Erst recht in Bayern. Franz hatte sich schon auf die Zeit nach der Bundestagswahl gefreut. Über das Entfernen der Wahlplakate. Über weniger Meldungen auf Twitter über AfD etc. Aber er hatte sich getäuscht. Nach der Wahl wurde noch mehr über die AfD geredet. Dabei war die AfD keine Überraschung und auch die konkreten Ergebnisse waren nicht so überraschend. Nur das die CSU so hoch verloren hatte, damit hatte Franz nicht gerechnet. Seehofer wohl auch nicht. Unruhigen Zeiten standen bevor. So wie Schulz sah Seehofer plötzlich alt aus. Franz würde auf beide nicht wetten wollen. Die Zeit nach der Wahl schien Franz diesmal besonders spannend zu sein. Doch Ruhe würde schon wieder einkehren. Nicht im Bundestag. Da hatte sich was wesentliches geändert. Der Umgangston würde rauer werden. Eine rechtspopulistische Partei war jetzt auch im Bundestag. Andere europäischen Länder hatten dies schon länger. Über 70 Jahre nach der Hitler-Diktatur. Der Frühherbst war spätsommerlich. Ein viel zu schönes Wetter für so ein Wahlergebnis. Franz genoss die Wärme auf dem Rad, rumkurvte die vielen Touristen, die sich auf dem Radweg verirrten, mied die Innenstadt, doch an der Isar kam er nicht aus. Manchmal musste er überraschend bremsen. Der eine oder andere Tourist vertrug die Sonne wohl schlecht. Oder das Bier am Mittag. Franz überlegte, ob er noch einmal auf die Wiesn gehen sollte. Vielleicht traf ersuch auch einfach mit ein paar Freunden im Biergarten. Da war weniger los. Ausser ein paar Kastanien, die herabfallen könnten, drohte dort keine größere Gefahr.
verstaubt das klavier #2
verstaubt das klavier, auch die
staffelei müsste mal wieder, doch
lieber sitzt ich im ohrensessel, die
finger sind nicht mehr so flink, malen
was soll ich schon noch malen, nicht
einmal die wörter fallen mir aus der hand
der regen peitscht die blätter von den
bäumen, verwelkt stehen die rabatten
die astern färben noch himmelblau
eichhörnchen haben ihre nüsse längst
im trockenen, gelesen noch in der früh
am abend müde die augen, auf der
straße liegt der blätterwald, wird bald
frost kommen. vielleicht sollt ich doch
noch einmal bach spielen, oder chopin
die noten liegen noch irgendwo herum
am abend, wenn der staub nicht wäre
möglicherweise werden die anderen
verrückt, wenn sie allein sind
ich hab mein klavier
Christbäume stehen noch ungeschmückt im Wald
tägliches Zähne putzen gleich das
Schreiben, die Christbäume stehen
noch ungeschmückt im Wald, Obstbäume
fast abgeerntet, das dunkle Rot der späten
Himbeeren erfreut noch, viele Stauden
längst abgeblüht, die Sonnenblumen
träumen noch von wärmeren Tagen, ein
reinigendes Ritual, die klein gehackten Zwiebel
landen im Topf, die Wörter machen
einen Abendspaziergang bei rotem Himmel,
das septembernass Grass am Abend längst
getrocknet, Lebkuchen im Supermarkt
links liegen gelassen, am Zitronenbaum
hängen grüne Früchte