im april #2

der bauer kippt die gülle

übers land, streut da und hier

den dünger, der raps lächelt

gelb übers feld, spargel wird

 

gestochen, der kirchbaum öffnet

leis die knospen, die katzen

laufen schnell, der bulldog

ackert schon, kornblumen

 

entfalten ihre grünen blätter,

kälteschauern kommen,

der wind treibt dunkle wolken

über haus und scheun.

 

du läufst heim, den

ofen einzuschüren.

unter den blühenden kastanien

als eremit kein talent

versuche des rückzuges

kläglich gescheitert, nicht

auf dem einsamen berg

 

nicht in der kleinsten

klause, wer teilt sonst die

freude über ein gelungenes

gedicht? zu sehr bedürftig

 

der menschen. unter den

blühenden kastanien habe ich

die beine ausgestreckt, der stift

längst bei seite gelegt

 

die Vögel singen ein lied

Gentrifizierung

Die Gentrifizierung war auch in Giesing in vollem Gange. Die Anzahl der nicht renovierten Wohnungen nahm rapide ab, die Anzahl der Neumieter bzw. Käufer der Immobilie nahmen rasant zu. Doch hier und da wurde in München gewollt oder ungewollt dem entgegengewirkt. Selbst in Haidhausen war dies möglich. Franz war ganz gern mal in Haidhausen. War schnell dorten. Musste nicht den Berg runter und rauf. Einfach dem Hochufer entlang. Von Dorf zu Dorf. Bücher kaufen war dort gut möglich. Aber auch anderes. Im Franzosenviertel konnte man gut Tabak und Getränke kaufen. Nein, nichts abgehobenes. Aber es gab dort einen Laden für Viertel. Diesseits der Gentrifizierung. Sicher, die Zeit würde wohl auch gegen diesen Laden arbeiten. Man musste nur warten, bis die Betreiber aufgeben würden. Neben Limonade gab es hier auch Zeitschriften, Auch die Zeit. Aber auch anders. Wenn Franz mal was zum Rauchen brauchte, kehrte er gerne hier ein. Die beiden Schwestern waren nicht mehr die jüngsten. Der Ton manchmal rau. Aber das passte schon. Dem Franz war es recht. Sorgen machte sich Franz keine, wenn er hier war. Arme und Reiche gingen ein und aus. Durst hatte jeder. Im Franzosenviertel war vieles anders geworden in den letzten Jahrzehnten. Schöne Altbauten, Luxussaniert. Unerschwinglich für viele. Aber noch gab es den kleinen Laden.

Arbeitszimmer

Der Kastanienbaum vor Franz Arbeitszimmer blühte rosa. Die Wörter fielen ihm nur so auf den Tisch. Vorsichtig schrieb er sie auf. Mit dem Bleistift, mit der Schreibmaschine. Er liebte das Handwerk. Gerne wäre er Schreiner geworden. Nur die Maschinen waren ihm zu laut. Aber der Klang seiner Schreibmaschine war ihm recht. Nein, nicht immer. Doch mit Blick auf den Baum, auf die aufgeworfene Rinde, wollte er nicht am Computer arbeiten. Gewitterstimmung lag in der Luft, die Wolken zogen sich zu. Ob er am Abend draußen sein könnte, würde sich noch zeigen.

Fliederbusch

Durch den Mai radelte Franz gerne, als flöge er durch den Fliederbusch. Schön fingen die Kastanien an zu blühen. Am Kiosk schnell ein Bier geholt und an die Isar gesetzt und gewartet, bis die Sterne herunterfielen. Noch waren die Nächte nicht so warm wie im Sommer, aber mit einer Decke hielt er es gut aus. Die Luft war mitunter arg mit Süße angefüllt, aber der nächste Regen würde die Luftbilder rein waschen. In der Nacht schrieb er gerne noch kürzere Texte. Manchmal auch nur einfache Notizen.

maienkönigin

die wallfahrer benötigen

kein feigenblatt mehr, das

ave maria schnell gebet,

auf dem berg dann glückseliger

 

rausch nach langen strapazen

das dirndl der bäuerin sitzt

stramm, ähnlichkeit mit picassos

frauenbilder eher zufällig, am

 

ende noch ein letzter

rosenkranz, bevor der

rausch einen übermannt

vergelt´s gott

zwischen fortkommen und dahinschlendern

goethes mai im regal

verstaubt, die blumenwiese

liegt dir zu füßen, der

kriechene günsel wartet

 

im schatten, anemonen

strahlen um die wette,

kuhschnappel weit entfernt,

schildkröten werden heute

 

nur noch selten in den straßen

ausgeführt, zwischen fortkommen

und dahinschlendern geht

die aufregung dahin

schumanns clara läuft auf dem klavier davon

das basilikum auf dem

küchenfenster strebt nach italien

oder doch nur zum himmel

eine inventur klärt das gebliebene

 

zeigt das notwendige(eich)

der krieg fast vergessen, schumanns

clara läuft auf dem klavier davon

träumereien, horowitz gespielt,

 

nervenanstalt nicht entkommen,

die blumenkinder auf der wiese,

im supermarkt zwei tüten milch

für den kaffee gekauft

Über die Rapsfelder

Über die Rapsfelder zog der

Mäusebussard seine Kreise,

der Bauer fährt das erste

Heu ein. Gewitterwolken rasen

 

um die Wette, die Katzen zieht es

in die Scheune. Die Liebeschwüre

der Jugend längst vergessen.

Deine Haare verweht. Heute

 

hast du die Gehirnhälften

vertauscht. Über die Hügel

knattert ein Zweirad. Älteres Modell.

Löwenzahn verblüht.

Verwundert

Am Ende konnte Franz oft nur verwundert die Augen reiben über Trump. So eine Geschichte hätte er sich nicht ausdenken können. Hätte ihm kein Verlag abgenommen. Total unglaubwürdig. Nachdenklich ging er durch die Nacht. Biergarten längst geschlossen. Aber Durst hatte er schon noch. Lief alles quer gerade. Lief durch die Nacht.