Prolog – Heft für Zeichnung und Text
Ganz frisch erschienen, wunderbar gemacht und ein Text von mir ist auch dabei…
Prolog – Heft für Zeichnung und Text
Ganz frisch erschienen, wunderbar gemacht und ein Text von mir ist auch dabei…
In der nacht, der unruhigen,
der nacht, der wilden,
als wäre kein morgen,
in sicht kein morgen,
die wolken verflogen,
galaxien funkeln uns an,
in der nacht, der himmlischen,
in der keiner gehen will,
nur bleiben,
die zeit stehen bleibt
der mond erzählt
geschichten uns,
erstrahlt unsere gesichter.
Überall nichts als Gespenster. Oder Außerirdische. Franz war bedient. Wurde nicht bedient. Verlor die Lust auf einen Kaffee. Sonderbare Stimmung. Mochte das Wetter auch nicht besonders. Regendurchweichte Klamotten. Dann lieber auf Sonne warten. Daheim am Schreibtisch sitzen. Machte sich selber einen. Außerirdische fand Franz durchaus sympathisch. Aber nur irgendwo weit entfernt in der Galaxis. Auf Mutter Erde eher nicht. Man traf sie auch nicht so oft an, an manchen Tagen schienen sie sich zu häufen. Waren dann nicht seine Tage. Mochte lieber Ruhe. Aufgeräumtheit. Hielt einen kurzen Mittagsschlaf. Danach würde die Welt anders aussehen.
Starkbier ausgekotzt. Der jugendliche Überschwang der Nockherbergbesucher, auch wenn sie schon über 40 waren, kehrt jedes Jahr wieder. Direkt vor der Türe der Halle, beim Berg runtergehen oder spätestens in die Isar. Links der Isar keine Probleme mehr. Wer soweit gehen konnte, war wieder nüchtern. Doch nicht jeder kam so weit. Franz hatte es nicht so weit. Auf seinem Heimweg sah er immer die, die reichlich starkes Bier getrunken hatten. Oft reichte schon eine Maß. Der aufrechte Gang wurde dann schon mühevoller. Taxifahrer schwankten zwischen Halt oder Weiterfahrt. Bis zur Wiesen war es noch weit. Die Fastenzeit musste gefeiert werden. Franz radelte schnell vorbei. In der Luft lag Gestank.
Down under weit
entfernt, raues Land, die
Sonne zu lang geschienen,
Staub auf den Straßen
gewirbelt, Heine beschrieb
nicht das Land, terra australis
incognita, schon die Griechen
glaubten, Bachmanns Liebhaber
rauf und runterdekliniert, der Körper
der Frau in der Literatur,
Hölderlins Birnen tragen noch
immer Früchte, Great Barrier
Reef nicht umsegelt, der gemeine
Dornenkronenseestern treibt sein
Unwesen. You better run,
you better take cover
Böll auf der Domplatte
versenkt. Köln schwankt.
Einer ist immer der Dichter.
Über die Brücke ist man
schnell woanders. Rhein links
liegengelassen. Tünnes und Schäl
weggelaufen. Zwischen Himmel
und Erde kein Platz mehr.
Äpfel waren aus. Hlave Hahn
musste reichen. Veggieburger.
Ein ganzer Hahn wäre auch
Völlerei. Die rheinische Republik
längst abgewickelt. Der Rhein
fließt nur noch dahin.
Der Clown singt
einsam seine Lieder.
Die Zitronen verkünden auf dem Küchentisch den Süden. Ihr Duft erzählt von einer anderen Welt. Vorfrühlingshafte Sommerfreuden. Avec plaisir. Wie auch sonst. Unterm Küchentisch frisch gekehrt. Der Kuchen wird wunderbar. Im Kühlschrank ist noch genug Butter. Ein Geburtstagskuchen soll es werden. Der Jubeltag trägt viele Zahlen. Rosamunde Pilcher nicht geschaut. Die wilden Rosen ranken an der alten Hauswand. Eine Hand voller Träume, das wird noch gehen. Der Rittersporn im Garten fängt an auszutreiben. Tee und Gebäck. Abgelaufener Himmel. Übergehend ins dunkle Rot. Richters Blumenstrauß verwischt.
München hat nicht immer den besten Musikgeschmack. Und auch nicht immer die besten Denkmäler. Manchmal kommt beides zusammen. Oder die Münchener werden zumindest kreativ. Oder sie halten sich dafür. Und halten sich an keine Ordnung. Franz weiß, dass München nicht Berlin ist. Einfach sauberer. Ordentlicher. Weniger kreativ. Mehr Porsche-Fahrer. Weniger Hartz-IV-Empfänger. Aber dafür ein Denkmal für Michael Jackson. Oder zumindest fast. Selten radelte Franz am Hotel Bayrischer Hof vorbei. Erst recht hat er da noch nicht übernachtet. Warum auch. Er wohnt ja in der Stadt. Aber der eine oder andere bekanntere Mensch steigt dort gerne ab. Nicht nur die Sicherheitskonferenzleute. Auch Michael Jackson. Die Straße ist relativ ruhig und prächtig. Und Jackson hat aus dem Hotel seinen Fans zugewinkt. Und weil der Musiker Orlando di Lasso schon vor dem Hotel ein Denkmal hat, seine Fans sich heute aber in Grenzen halten, haben Jackson-Fans an seinem Sockel ein Jackson-Denkmal initiiert. Franz ist kein Fan von Michael Jackson. Und er mag schon den di Lasso. Aber wenn die Münchner schon einmal aus sich herausgehen. Sonderbar findet Franz das Denkmal schon. Doch in der sterilen Atmosphäre der Aufgeräumtheit auch sympathisch.
Herzkammerwörter abgeschossen. Die
Angelegenheit kannte keine Gewinner.
Mit dem Bade ausgeschüttet gleitet
die Liebe dahin. Der Fluss der Wörter
zerbricht die Staumauer, reißt das
Kraftwerk entzwei. Die Galle verströmt
ihre schwarze Tinte, der Puls schlägt bis
zum Hals. Der Magen hat längst das Weite
gesucht. Die Füße laufen hinterher. Der
Kopf taumelt ratlos.
Hinterhöfe haben eine eigene Melodie. Ihr Herz schlägt oft einen anderen Rhythmus. Franz schlenderte gern durch die Giesinger Gassen, am liebsten schaute er in die Hinterhöfe. Der eine Hof voll mit alten Autos, der andere mit alten Fahrrädern. Andre sammle alte Obstkisten zum Verheizen, die Kreissäge verrichtet ihr Werk. Immer mehr Hinterhöfe wurden zum Outdoorwohnzimmer umdekoriert. Vertikale Gärten. Hängematte. Grillküchen. Schuppen an Schuppen voller Gerümpel. Wellnessoasen für den Loftbewohner. Durch die großen Tore gelangte man zum Hinterhof. Die Tore oft aus Holz noch. Früher oft Werkstätten. Handwerksbetriebe. Heute Tattookünstler. Werbeagenturen. Früher gab es auch einmal ein Hinterhoftheater in München. Hatte dem Franz gefallen. War gerne dort gewesen. Hatte den Polt da gesehen und den Hube. Aber der war schon lange tot. Auch das Theater gibt es so nicht mehr. München wurde immer aufgeräumter. Franz ging immer noch gern durch die Hinterhöfe. Früher gab es in Giesing den Italiener. Heute war am Alpenplatz eine Osteria. Franz war früher gern mal dort gehockt. Das Essen war einfach gewesen. Passend zu Giesing. Jetzt war es anders.