
Sterne 🌟 im Garten


zwischen offenem himmel und schneeumwehten
löwenzahnwiesen der droste nicht das wasser
gereicht, kein tee getrunken mit ihr im dunklen
moor. gern girlanden um haar geflochten, ein
lied nicht gesungen mit ihr bei mondenschein
den kühlen wein allein getrunken, zwischen
dem schlehdornbusch und den anemonen, die
ringelblumenblätter abgezupft. die vögel des
waldes sangen ihr lied dazu. den blumenstrauß
ganz vergessen


Zwischen den unendlich weißen Kirschblüten
freuten sich die Amseln. Als wäre ihr Festmahl
schon bereitet, als könnten sie die Süße der
roten Früchte schon riechen, verharren sie still
im Baum. Vergnügt laufen die Kinder zur Rutsche.
Der April kennt keine Schrecken. Der Biermann hat
es gewusst. Schön wird die Kirschenzeit. Deine Lippen
sind noch röter als sonst. Nicht enden die Küsse.

Das Café hatte ihn immer gereizt. Er hatte es geliebt. Gerne dort gefrühstückt. Wenn Zeit war. Und Geld da. Gerne ein Rührei genommen. Oder, wenn mit Begleitung, das Frühstück für zwei. Je nach Laune. Und Geldbeutel. In den fünfziger Jahren war das Café eröffnet worden. Prachtstraße Ostberlin. Karl-Marx-Allee. Am Ende hatte es hier freies Wlan gegeben. Als die Mauer nicht mehr stand. Besonders schön ist das Café vielleicht nie gewesen. Karl war immer gern hingegangen. Auch schon mit seiner Großmutter. Irgendwie war es eine Art Vereinsheim geworden. Stammtisch für viele. Ein Hauch der DDR wehte immer durch das Café. Karl mochte diesen Wind. Hin und wieder war er sentimental. Seine Eltern hatten immer zu Honecker gestanden. Ihnen war es nicht schlecht gegangen. Hatten ihre Datscha gehabt. Ihren Trabbi. Nach der Wende haben sich seine Eltern umschauen müssen. Sie hatten Glück. Und gute Kontakte. Für Karl war es nicht immer so glatt gelaufen. Als seine Großmutter gestorben war, haben sie im Café die Trauerfeierlichkeit abgehalten. Seine Tochter hat die Jugendweihe dort gefeiert. Jetzt hatte das Café geschlossen. Karl musste sich ein neues Wohnzimmer suchen. Eins mit weniger Nostalgie. Freies Wlan gab es überall. Und ein Rührei würden sie woanders auch machen können.

Ein paar Texte von mir sind auch dabei

