Die Heuchelei ist Trug trinkt Wein er statt Wasser trinkt Wein und gibt doch vor Wasser zu trinken so heuchelt er, so trügt nicht heilig er, nicht sondern Scheinheiligkeit erlangt der der Wasser predigt und trinkt den Wein mit doppelten Boden versehen die Moral so heuchelt nur zum Schein, der Scheinheilige, fern der Gottesfurcht er
Über die Modesünde
Wer trug nicht
schon zur falschen
Zeit die richtigen
Klamotten, wer
hat nicht schon
getragen, Schuhe
die er mit Abstand
von zehn Jahren
nie mehr tragen
würde
Wer hatte nicht
schon einmal eine
Frisur, einen Bart
später bereut hat
Hosen mit Schlag
Sakkos mit Polster
Lila Pullover?
Hawaiihemden?
Tennissocken?
Verführt von der
Mode zur Sünde
nicht einmal die Italiener
bleiben heut
noch ohne
Über das Staunen
Wenn Kinder mit großen
Augen die Welt
durchwandern, ihr Blick
umherschweift und Fragen
stellen, die Welt erkunden
und Neugierde mit offenen
Mund hinausschreien
beginnt das Nachdenken
über das Leben, das
über sich selbst Denken des
Menschen, so beginnt
mit diesem Staunen
die Suche nach Wissen
nach dem Warum
des Lebens
Über die Hoffnung
Wenn nichts mehr kommt
wenn nichts mehr
der Sinn abhanden
wie soll gelingen das Leben?
So hoffen wir aufs Ewige
auf Sinn in der
Trostlosigkeit, mit Zuversicht
schauen was bringt
der Tag, der Seele Hoffnung
Hoffnung, du arme Seele
des Lebens Lauf
zwischen Wolken, Berg und
Himmel glücken soll
das Leben, fern der
Hoffnungslosigkeit
so bleibt der Tage Traum
die Hoffnung als
Möglichkeit, ein
gelingendes Leben
Der Apfel
Der Apfel fällt nicht weit
die Eva biss hinein, geschehen
war es drum, als Kind vorm
Beichtstuhl gesündigt, fehlten
doch die Sünden gar
doch wer betrog nicht schon
doch wer betrog und kann
ohne Sünde sein
das Kind, so unschuldig es
gekommen auf die
Welt, doch Eva biss
hinein, doch frei von
Schuld, doch frei,
der werfe den ersten
Stein, so grausam
war so grausam
so gütig er
Tu felix austria
Auf dem Berg, gedankenverloren vermisst nicht die Hügel, die Wiesen die Seen, die Träume flogen zum Meer nach Böhmen nach Italia wo bist du, Austria? Bist bei der Mayröcker? Bist beim Bernhard? Du glückliches Land Wo bist du hin? Bist bei der Bachmann? Beim Jandl? Hast kein Heimweh nach Tirol? Bist selbst dir fremd? Bist beim Handke? Ach Austria, wo bleibt der Wiener Schmäh? Hast viele Länder einst besessen bist selber dir nun fremd Was würden wir machen ohne Mozart und Schönberg? Tu felix austria, wo bist du hin? Eingebettet zwischen Bergen, verloren der Blick
Über das Gänseblümchen
Das Glück liegt auf der
Wiese, klein und zart
Gartenbürstli
zärtlich weiss
trägst Namen viele gar
das Gänseblümchen schön
der Name scheinst zu verraten
zu schmecken es Geiss
und Gäms und Ziege oder
nur den Gäns´? Tausendschön
wächst gern im Garten fein,
auf der Wiese,
auf der Wiese, es lieben
dich die Bienen
Himmelsblume
es mag der Mensch dich gern
wer zählte nicht
der Blüten Blätter
Sommerrösslein
er liebt mich, er liebt mich nicht
er liebt mich
und als trugest du einen
Kranz von Gänseblümchen
fein, mein Herz,
es wollt zu dir
Das schönste Buch
Wollt dir schenken das
schönste Buch, was
ich hab, ich wollt es dir
schenken, eingebunden
in Packpapier, ein Bändchen
drumherum, ein Bändchen zu
halten das Papier, ich suchte
es lang im Regale, lang
suchte ich es, wie war
noch einmal die Farbe?
Rot? War Weiß? Grau?
In meinem Regale ich suchte
das schönste Buch, wer hat
es noch einmal geschrieben?
Ich suchte und suchte und
fand es nicht. Du sagst,
du hättest es schon?
Das kann nicht sein, es
muss doch hier sein in
dem Regale, das
Packpapier, es wartet
schon
Buchhandlung Amalienstr. 71
In der Amalienstraße. Gewesen. Wohnten dort, die Bücher, standen, lagen, saßen. Auf Tischen, in Regalen, die ganze Welt als Buch. Butler, Derrida, Barthes, Deleuze. Nahrung, Futter. Die Philosophen, die Künstler, die Literaten. Lesungen, Vorträge, Cappuccino. Es gab die Bücher, die man nicht kannte, aber wollte und brauchte. Kam vorbei, der Uwe Timm und spielte Tennis mit dem Geschäftsführer, ganz ohne Currywurst, Rainald Goetz fragte nach seinem Buch, schon 30 Stück vom neuen Eco verkauft, Bücher von Taschen lagen neben Francis Bacon, kein Ohrensessel weit und breit, vorbei kamen die Germanisten, Philosophen, Kunsthistoriker, Studenten, Professoren, Bücherwürmer, Bücherverschlinger. Auf den Tüten, in den eingepackt wurden, die Bücher, ein Krokodil verschlang einen Leser am Strand. Auch gab es Krimis, Reiseführer. Der Ort verflogen, schon seit Jahren unbekannt verzogen. Bücherleser heimatlos. Die Merve-Bändchen lagen neben Fink und Suhrkamp, die „Reise nach Petuschki“ flirtete mit „Auslöschung. Ein Zerfall“. Mayöckers Gedichte kämpften mit Jorge Luis Borges Büchern um Zuneigung. Am Ende fraß wohl das Krokodil nicht nur den Leser am Strand, fraß wohl die ganze Buchhandlung. Bücherwohnzimmer, verschwunden.
Wenn Tulpen
Wenn Tulpen lächeln
übers Land sie färben ein
mit Rot und Gelb die Welt
Die Vögeln bauen fleißig
Wenn Tulpen lächeln
in Holland, in Tokio, in Mainz
erwacht Natur ist, erwacht
legt vor die Tür der Geliebte
die Blumen zart, wer kann
schon sprechen, wer, von der
Liebe viel, legt vor
die Tür, die Vögel bauen
fleißig ihr Nest