Wahlsonntag

Franz freute sich auf den Wahlsonntag. Briefwahl machte er nur, wenn es nicht anders ging. Er liebte den Gang ins Wahllokal. Früher war er vorher immer in der Kirche gewesen. Aber dies war jetzt nicht mehr die Regel. Doch der Gedanke gefiel ihm. Früher waren sie mit der Familie in die Kirche gegangen, fein herausgeputzt, dann zur Wahl in die Schule und später noch zum Essen. Ein besonderer Sonntag eben. Franz wollte früh wählen gehen. Danach vielleicht noch in die Berge. Wenn das Wetter es zuließ. Er war auch froh, dass der Wahlkampf vorbei war. Die AfD würde er nicht wählen, das war klar. Gerade hatten sie eine geschickte Anzeige geschaltet. Auf Google. Sie wussten schon, wie man Stimmung macht. Hatten gute Lehrmeister. Die etablierten Partei waren da behäbiger. Müssten sich im Internet sicher auch noch besser aufstellen. Dreistigkeit schien im im Wahlkampf groß in Mode zu sein. War in Frankreich so mit der Front National, mit Trump in den Vereinigten Staaten, bei Putin und Erdogan ging es eh so zu. Am Abend würde Franz vor dem Fernseher sitzen und die Hochrechnungen anschauen. Maria wollte auch. Auch wenn sie als Italienerin nicht wählen konnte. Aber mit Wahlen kannte sie sich gut aus. In Italien waren ja ständig Wahlen.

Fliegen die Silben

Fliegen die Silben durch die Luft

überqueren geschwind den Lech

durch die Wertach geschwommen sind

den Bergen gerade entkommen und

doch umschlungen von der Sehnsucht

so sie träumen

von den Gipfeln hoch, verlieren sich

schnell und finden nicht einander

die Zungen nur stolpern über sie. Gestammel

über die Ufer dröhnt, der Sinn

verloren gegangen