diotima weit entfernt

die nacht vertreibt die schatten

nicht, der mond verborgen hinter

schwarze wolken, fern die sterne

der schlaf kommt geschwind

die katze streift ums haus, das

erinnern will nicht gelingen, einsamkeit

fährt in die glieder, diotima weit

entfernt, kälte zieht ins zimmer

Brauchen, Friederike?

Brauchen? Brauchen? Wenig brauchst du, Friederike, wenig. Einen Baum. Ein Haus. Das ganze Haus? Für dich allein? Nein. Nur ein kleines Zimmer oben unterm Dach, eine Kammer, eine Kemenate, mit einem Bett und einen Tisch. Brauchen? Ein kleines Zimmer, um zu finden deine Worte, um zu finden deine Gedanken, um ab und an einen Purzelbaum zu schlagen, um zu träumen und zu schlafen. Ein Haus. Ein Baum. Einen Baum, um zu sehen, zu sehen, wie klein, wie groß du bist, wenn du ihn anschaust, den Baum, von unten nach oben und um zu wissen, wo der Himmel ist und die Träume, einen Baum brauchst du, zu wissen, wie klein ist dein Leben gemessen am Baum, gemessen. Brauchen? Brauchen, Friederike? Einen Baum, ein Haus, zu ruhen in seinem Schatten, zu sehen die Wörter beim Wachsen.

Friederike Mayröcker, was brauchst du