Schlagwort: Jagd

Ein kapitaler Hirsch

Im Herbst geht der Schriftsteller auf Jagd. Großwildjagd. Keine Hasen oder so ein Gedöns. Hirsch, Reh, zur Not auch Gams. Nachts auf der Lauer liegend. Spüren, wie die Kälte in die Füße dringt. Die  Handschuhe nur wenig gegen den Frost schützen. Zum Glück keine Nässe. Das Fernglas überwacht die Wiesen vor den Wäldern. Klapprig ist der Hochstand und wenig geschützt gegen den eisigen Wind. Hilft nichts. Für einen stattlichen Hirschen muss man Opfer bringen. Bald kommt die Morgendämmerung. Es wird langsam Zeit. Jetzt sollte aber wirklich. Da. Ein leises Knacksen. Aus der Böschung. Noch im Gestrüpp. Was für ein Geweih. Jetzt blos keinen Fehler machen. Langsam das Gewehr anlegen. Schon fallen dem Schriftsteller die Worte ein. Der Roman wird großartig werden. Ganz bestimmt. Der Verleger wird ihn aus den Händen reißen. Ein kapitaler Hirsch.

Giacomettis Hund

Die Nase schnüffelnd auf die Erde gerichtet, doch die Erde ist keine Erde, abgemagert bis auf die Knochen schleicht herum, nicht bellend, nicht Angst einjagend, nicht imponierend, abgelegt jedes Macho-Gehabe, unbrauchbar für die Jagd, unbrauchbar zu hüten die Schaf, unbrauchbar zu bewachen den Hof, auch er, der Katze gleich, bringt nicht heraus den Ton, den es bräucht als Musikant. So schleicht er sich davon. Traurig sein Blick.

 

Hund, Giacometti, 1951