Sommergeräusch

Sommergeräusch. In der lauen Sommernacht.
Leise. Manchmal näher kommend. Wenn die
Hand sich bewegt, meist schon zu spät.
Im Ohr. Viel Rauch um nix. Nur eine
Mücke. Sticht. Laune Sommernacht. Über der
Wiese. Auf der Terrasse. Der Weißwein wird
auch schon warm. Die Wespen lassen noch auf sich
warten. Der Nachbar grillt. Es juckt. Noch
ein Stich. Nur ein kleines Tier. Flügel.
Dünne Beine. Dich krieg ich noch.
Blut spritzt. Mücke tot.

Regentropfen klopfen

Regentropfen klopfen den Sommer
aus dem Hirn, die Brombeeren
warten noch auf ihre Pflücker,
den Tomaten ist es kalt, gelangweilt
läuft der Bademeister durchs Freibad,
nur hier und da vereinzelte Regenschwimmer.
Zum Füller greift die Hand, will
schreiben ein Sommergedicht.

Spätsommerglück

Zwischen dem blauen Spätsommerhimmel
und der nicht mehr ganz so grünen Wiese
liegt gerne die Sehnsucht. Sie möchte noch
bleiben, hoffen, das was wird. Doch
in den Nächten steigt die Kälte auf
und nimmt der Sehnsucht Stück
für Stück die Zuversicht.

Unter der Werkbank

Hin und wieder findet sich
zwischen den Sägespänen,
dem Abrieb unter dem Besen,
neben dem Abfall ein
fast schon vergessenes Wort, welches
mit viel Müh´aufgehoben, geputzt,
zusammengefügt oder neu zusammengesetzt
werden muss. So gefunden neulich,
unter der Werkbank, versteckt zwischen
vielen anderen Wörtern, die eher
überflüssig, unnötig oder nervig
erschien, das Wort Faulheit.
Welch wunderbares Wort, welch
geradezu obszön herrliches.

Zwischen den falschen

Zwischen den falschen und den richtigen
Existenzen, ein wahres Leben im
Falschen, ein verlorenes Leben im
Richtigen, zwischen den Buchstaben,

den Wörtern, die abgeschliffen, gesägt,
zusammengefügt, gepresst, geleimt
gehören, zwischen der Arbeit, die
das Geld in die Brieftasche bringt

und den Gedanken, die davonfliegen,
kaum ist im Büro das Fenster geöffnet,
schreibt der Autor, fern der Großfürstendichter,
fern der Villa, auf seiner Schreibmaschine,

in der Nacht, in der Früh, zwischen dem Tagwerk
und dem täglich Brot, fräst, bohrt, schmiedet
am Wort, am Satz, faltet und entfaltet,
am Abendhimmel die Sterne leuchten ihm.

Über die Vampirfledermaus

Gemein hin gibt es doch sonderbare Tiere. Dazu zählen wir gewöhnlich nicht das Hausschwein, auch nicht das Wildschwein. Hund und Katz sind vertraut, auch Wolf und Fuchs. Gewöhnliche Säugetiere. Ach Vögel sind wohlbekannt und nicht unbedingt sonderbar. Ob Blaumeise oder Sperling, Adler oder Storch. Vögel eben. Fische sind meist auch gar nicht sonderbar, obschon sie von den Menschen entfernt im Wasser leben. Schon weniger geschätzt werden die Insekten, wer hat nicht schon erschlagen eine Fliege oder eine Mücke? Auch auf Spinnen ist nicht jeder gut zu sprechen. Im Unterschied zu Has´und Igel gibt es aber auch Säugetiere, die uns sonderbar erscheinen. So ist die Fledermaus nur nachts anzutreffen und fliegt, kein Vogel, doch frei wie ein Vogel durch die Luft, lässt gern den Kopf hängen. Manche dieser seltsamen Säugetiere, die doch keine Vögel sind, sind recht klein, so die Schweinsnasenfledermaus, obschon Schweine eigentlich recht groß werden. Nur zwei Gramm wie sie, ein stattliches Hausschwein dagegen kann schon einmal 300 KG auf die Wage bringen. Während sich viele Fledermäuse von Insekten oder Pflanzen ernähren, gibt es aber auch die, die sich ausschließlich von Blut ernähren. Vampire eben. Doch die Vampirfledermaus ist am Mythos unschuldig. Zuerst war der Mythos vom Vampir da, dann erst bekam die Vampirfledermaus ihren Namen. Und so scheint die Vampirfledermaus sonderbar zu sein, doch scheint sie nicht zu den Untoten zu gehören.

Ende Juli

Der Sommer hält nicht
immer was er verspricht, die
Gewitter jagen sich, die Blitze
teilen die Wolken, der Donner
vertreibt die Schwimmer vom
See, die Grillwürste werden
nass, die Städter verlassen
fluchtartig das Land, die Ertragslage
für Regenschirmverkäufer könnte
kaum besser sein, nur
in den Träumen laufen wir barfuß
über Sommerwiesen, an den
Silberdisteln vorbei, während die
Stadtbewohner längst im Trockenen
sind, geht die Kuh nass in den Stall.