Der Blauregen im Hinterhof bekam Hoffnung. Kälte und Schnee schienen gebannt. Maria hatte sich schon Sorgen gemacht. Der April ging zu Ende. Die Eisheiligen? Wen sollten die noch schrecken. Maria malte gern Gesichter, doch Blumen lagen ihr auch am Herzen. Sie malte sie nur selten. Doch ihre Liebe hatten sie. Oft hatte sie zuletzt mit Trauer und Sorge die Obstbäume angeschaut, die sich gegen den schaurigen April schlecht wehren konnten. Am Sonntag war sie in Andechs gewesen. Franz hatte ihr den heiligen Berg zeigen wollen. Sie waren nicht die winzigsten. Sie waren weite Teile mit dem Fahrrad gefahren. Beim Anstieg war sie ein wenig aus der Puste gekommen. Andre, die ihr entgegen kamen, gingen nicht mehr gerade. Sie wollten in die Klosterkirche und erst später ein Bier trinken. Manche tranken nur Bier. Maria mochte die Frömmigkeit, die der Berg ihr entgegen brachte. Später nahmen sie die S-Bahn zurück. Die Beine waren schwer geworden, der Kopf müde.
Monat: April 2017
keine eile
die segel gesetzt in der
frühlingssonne, fahrräder dürfen
dem see entlang, über die hügel
rollen die motorräder, die sonne
spiegelt sich in den zarten wellen
nur eine leichte brise treibt
das schiff ans andere ufer, die
zeit zerinnt, wir haben
keine eile, so bleibt genug zeit
für einen kuss. was wartet schon
am land? noch berunruhigt uns
nicht der schwankende boden,
nur von fern hören wir die
geräusche der motoren,
am abend soll es renken geben,
noch sind wir auf see, der wind ist lau
heute verspüren wir keinen hunger.
zarte wolken fliegen über das blau
die möwen kommen näher, von den
bergen grüßt der schnee.
satt sehen
Gern sah sich Franz an einem Film satt. Wenn der Hunger groß war. Er neue Bilder brauchte. Auch satt hören gefiel Franz. Doch Hunger wurde am besten durch einen Film gestillt. Meist waren es eher kleinere Filme in kleineren Kinos, die seinen Hunger stillten. Ein Hunger, den kein Fast Food-Restaurant stillen konnte. Auch kein Fast Food-Film. Popkorn war da für Franz auch nicht förderlich. Franz schaute gern französische Filme an. Aber auch italienische, amerikanische, deutsche, englische, mexikanische, japanische etc. Es gab da keine Grenze des Appetits. Er musste nur gut schmecken, der Film, ihn satt machen. Manche Filme machten öfter satt, konnte sich Franz mehrmals ansehen. Doch dies war eher selten der Fall. Die Zeitspanne dazwischen durfte nicht zu kurz sein. Sonst stellte sich schnell der Hunger ein.
ihr haar wehte im wind
im grase nicht gelegen, die gänseblümchen
zierten fein das zarte grün. die liebe kam
vorbei, doch blieb sie nicht, ihr kuss
flüchtig, verflogen. ihr haar wehte im
wind, die lippen so süsslich schien
doch der schnee so kalt.
Apfelbäume
Nicht gefreut haben sich
die Apfelbäume über den
späten Schnee. Die Tulpen
wehren sich aufrechter.
Auf den Bergen liegt Ende
April ein weißer Teppich.
Der gelbe Löwenzahn ragt
aus dem eisigen Grund. Ein
Tag später schon setzen die
Segler über den See. Am
heiligen Berg wird für die
Pilger der Weg geräumt.
Die Hoffnung des Sommers
hängt erfroren am Baum.
Zwischen den Wolken des Septembers
Wer möchte nicht im Sommer
über das Land? Katzen dösen
in der Sonne. Der Hund hat sich
hinter dem alten Traktor versteckt.
Wer möchte nicht dem Storch
nachschauen, wie er seine
Kreise zieht? Die Frösche
quaken um die Wette.
Wer läge nicht gern im August
auf der Wiese und schaut in der
Nacht die Sternschnuppen an?
Wer riecht nicht gern den
ganzen Sommer frisch gekochte
Marmelade in der Küche?
Zwischen den Wolken des Septembers,
Sarah, hast du die Droste geküsst.
als jandl den führerschein machte #2
als jandl den führerschein
machte, da hatte es der fahrlehrer
nicht leicht. verwechselte jandl
schnell mal links mit rechts oder
rechts mit links und fuhr nach da
und nach dort anstatt nach dort
und nach da. als dann jandl dort
war und nicht da, war der
fahrlehrer fort. beim nächsten
mal, der fahrlehrer war wieder
da, fuhr jandl nach dort und nach
da, anstatt von da nach dort und
fuhr nach rechts und nach links
und auch im kreis. doch als
fuhr jandl im kreis verkehrt,
anstatt links nach rechts, da war
der fahrlehrer
fort und
kam nicht mehr.
Schlehdornbusch
Zwischen offenem Himmel und
schneeumwehten Löwenzahnwiesen der
Droste nicht das Wasser gereicht,
kein Tee getrunken mit ihr im dunklen Moor.
Girlanden um Haar gern geflochten ihr, ein Lied
nicht gesungen mit ihr bei Mondenschein,
den kühlen Wein allein getrunken,
zwischen dem Schlehdornbusch und
den Anemonen, die Ringelblumenblätter
abgezupft. Die Vögel des Waldes
sangen ihr Lied dazu. Den Blumenstrauß
ganz vergessen.
Der Himmel fast schwarz #2
frühgotisch die kirche,
empor sie ragt, fast
noch in der romanik
verhaftet, wehrhaft, die
kirche von auvers, als
van gogh sie malte,
am ende seines lebens,
sie malte und der himmel
fast schwarz wurde, dunkel
das blau, wehrhaft und doch
zerbrechlich, nicht halt
gebend und nicht findend,
der himmel fast schwarz,
als nacht wäre, doch so
hell scheint, die bäuerin,
so hell, als tag wäre.
über dem feld einen fasan nachjagen
die gartenzwerge hatten auch
schon bessere zeiten gesehen.
ihre schönheit in gefahr. gern
wollt ich über dem feld einen
fasan nachjagen. engelsgleich
mit flatternden flügeln. später
taten die arme weh. mit dem
rad über die eisenbahnbrücke
geprescht. die roten lichter des
zuges wurden immer kleiner.
den reisenden die besten
wünsche nachgerufen. das
moos von der parkbank hatte
schon lang keiner mehr
entfernt. löwenzahnsalatzeit.
in nachbars garten kämpft eine
glyzinie gegen den frost der
aprilnacht. auf dem feldweg
kommt ein bauer mit einem
milchwagen entgegen.
nebenerwerbsbetrieb. die anderen
bauern im dorf haben längst
aufgegeben, besitzen den bulldog
nur noch für spazierfahrten.