Kartographie #Herrsching

Der Blauregen im Hinterhof bekam Hoffnung. Kälte und Schnee schienen gebannt. Maria hatte sich schon Sorgen gemacht. Der April ging zu Ende. Die Eisheiligen? Wen sollten die noch schrecken. Maria malte gern Gesichter, doch Blumen lagen ihr auch am Herzen. Sie malte sie nur selten. Doch ihre Liebe hatten sie. Oft hatte sie zuletzt mit Trauer und Sorge die Obstbäume angeschaut, die sich gegen den schaurigen April schlecht wehren konnten. Am Sonntag war sie in Andechs gewesen. Franz hatte ihr den heiligen Berg zeigen wollen. Sie waren nicht die winzigsten. Sie waren weite Teile mit dem Fahrrad gefahren. Beim Anstieg war sie ein wenig aus der Puste gekommen. Andre, die ihr entgegen kamen, gingen nicht mehr gerade. Sie wollten in die Klosterkirche und erst später ein Bier trinken. Manche tranken nur Bier. Maria mochte die Frömmigkeit, die der Berg ihr entgegen brachte. Später nahmen sie die S-Bahn zurück. Die Beine waren schwer geworden, der Kopf müde.

keine eile

die segel gesetzt in der

frühlingssonne, fahrräder dürfen

dem see entlang, über die hügel

rollen die motorräder, die sonne

 

spiegelt sich in den zarten wellen

nur eine leichte brise treibt

das schiff ans andere ufer, die

zeit zerinnt, wir haben

 

keine eile, so bleibt genug zeit

für einen kuss. was wartet schon

am land? noch berunruhigt uns

nicht der schwankende boden,

 

nur von fern hören wir die

geräusche der motoren,

am abend soll es renken geben,

noch sind wir auf see, der wind ist lau

 

heute verspüren wir keinen hunger.

zarte wolken fliegen über das blau

die möwen kommen näher, von den

bergen grüßt der schnee.

satt sehen

Gern sah sich Franz an einem Film satt. Wenn der Hunger groß war. Er neue Bilder brauchte. Auch satt hören gefiel Franz. Doch Hunger wurde am besten durch einen Film gestillt. Meist waren es eher kleinere Filme in kleineren Kinos, die seinen Hunger stillten. Ein Hunger, den kein Fast Food-Restaurant stillen konnte. Auch kein Fast Food-Film. Popkorn war da für Franz auch nicht förderlich. Franz schaute gern französische Filme an. Aber auch italienische, amerikanische, deutsche, englische, mexikanische, japanische etc. Es gab da keine Grenze des Appetits. Er musste nur gut schmecken, der Film, ihn satt machen. Manche Filme machten öfter satt, konnte sich Franz mehrmals ansehen. Doch dies war eher selten der Fall. Die Zeitspanne dazwischen durfte nicht zu kurz sein. Sonst stellte sich schnell der Hunger ein.

ihr haar wehte im wind

im grase nicht gelegen, die gänseblümchen

zierten fein das zarte grün. die liebe kam

vorbei, doch blieb sie nicht, ihr kuss

flüchtig, verflogen. ihr haar wehte im

wind, die lippen so süsslich schien

doch der schnee so kalt.

Apfelbäume

Nicht gefreut haben sich

die Apfelbäume über den

späten Schnee. Die Tulpen

wehren sich aufrechter.

 

Auf den Bergen liegt Ende

April ein weißer Teppich.

Der gelbe Löwenzahn ragt

aus dem eisigen Grund. Ein

 

Tag später schon setzen die

Segler über den See. Am

heiligen Berg wird für die

Pilger der Weg geräumt.

 

Die Hoffnung des Sommers

hängt erfroren am Baum.

Zwischen den Wolken des Septembers

Wer möchte nicht im Sommer

über das Land? Katzen dösen

in der Sonne. Der Hund hat sich

hinter dem alten Traktor versteckt.

Wer möchte nicht dem Storch

nachschauen, wie er seine

Kreise zieht? Die Frösche

quaken um die Wette.

Wer läge nicht gern im August

auf der Wiese und schaut in der

Nacht die Sternschnuppen an?

Wer riecht nicht gern den

ganzen Sommer frisch gekochte

Marmelade in der Küche?

Zwischen den Wolken des Septembers,

Sarah, hast du die Droste geküsst.

als jandl den führerschein machte #2

als jandl den führerschein

machte, da hatte es der fahrlehrer

nicht leicht. verwechselte jandl

 

schnell mal links mit rechts oder

rechts mit links und fuhr nach da

und nach dort anstatt nach dort

 

und nach da. als dann jandl dort

war und nicht da, war der

fahrlehrer fort. beim nächsten

 

mal, der fahrlehrer war wieder

da, fuhr jandl nach dort und nach

da, anstatt von da nach dort und

 

fuhr nach rechts und nach links

und auch im kreis. doch als

fuhr jandl im kreis verkehrt,

 

anstatt links nach rechts, da war

der fahrlehrer

fort und

 

kam nicht mehr.

Schlehdornbusch

Zwischen offenem Himmel und

schneeumwehten Löwenzahnwiesen der

Droste nicht das Wasser gereicht,

 

kein Tee getrunken mit ihr im dunklen Moor.

Girlanden um Haar gern geflochten ihr, ein Lied

nicht gesungen mit ihr bei Mondenschein,

 

den kühlen Wein allein getrunken,

zwischen dem Schlehdornbusch und

den Anemonen, die Ringelblumenblätter

 

abgezupft. Die Vögel des Waldes

sangen ihr Lied dazu. Den Blumenstrauß

ganz vergessen.

Der Himmel fast schwarz #2

frühgotisch die kirche,

empor sie ragt, fast

noch in der romanik

 

verhaftet, wehrhaft, die

kirche von auvers, als

van gogh sie malte,

 

am ende seines lebens,

sie malte und der himmel

fast schwarz wurde, dunkel

 

das blau, wehrhaft und doch

zerbrechlich, nicht halt

gebend und nicht findend,

 

der himmel fast schwarz,

als nacht wäre, doch so

hell scheint, die bäuerin,

 

so hell, als tag wäre.

über dem feld einen fasan nachjagen

die gartenzwerge hatten auch

schon bessere zeiten gesehen.

ihre schönheit in gefahr. gern

wollt ich über dem feld einen

 

fasan nachjagen. engelsgleich

mit flatternden flügeln. später

taten die arme weh. mit dem

rad über die eisenbahnbrücke

 

geprescht. die roten lichter des

zuges wurden immer kleiner.

den reisenden die besten

wünsche nachgerufen. das

 

moos von der parkbank hatte

schon lang keiner mehr

entfernt. löwenzahnsalatzeit.

in nachbars garten kämpft eine

 

glyzinie gegen den frost der

aprilnacht. auf dem feldweg

kommt ein bauer mit einem

milchwagen entgegen.

 

nebenerwerbsbetrieb. die anderen

bauern im dorf haben längst

aufgegeben, besitzen den bulldog

nur noch für spazierfahrten.