im drachenblut nicht gebadet #2

 

im drachenblut nicht gebadet,

nicht besiegt die zwerge und

riesen, den schatz nicht gefunden,

siegfried nicht genannt, keine tarnkappe

 

getragen, held nicht gewesen, in

schlachten nicht gekämpft, das

schwert nicht gezogen.

geschrieben nicht das lied

 

komponiert nicht die oper, in

bayreuth nicht gejubelt, sitzt der

autor vor seiner schreibmaschine und

schreibt nicht ein heldengedicht.

Vis am Meer

Die Fischer auf Schiermonnikoog hatten es nicht leicht. Hoher Seegang. Der Wind pfiff Franz gewaltig um die Ohren. Nach dem Gang zum Meer machte Franz Zwischenstopp. Trank einen Tee zum Aufwärmen, Schrieb nebenbei ein wenig. Mit Maria hatte er länger telefoniert. Es ging ihr gut in Italien. Deutlich wärmer als an der Nordsee. Aber Franz machte das Wetter nichts aus. Hatte genug warme Sachen dabei. Mochte den Tee. Das Essen auf Schiermonnikoog war auch anders als früher. Auch hier war die italienische Küche angekommen. Als Vorspeise gab es z.B. Rundercarpaccio
met rucola, pijnboompitten en Parmezaanse kaas. Am Meer musste man natürlich Vis essen. Zumindest, wenn die Fischer ausfahren konnten. Oder Mosselen. Da würde sogar Maria neidisch werden. Obwohl ja die niederländische Küche nicht so berühmt wie die italienische ist. Drum kochten Franz und seine Freunde ja auch gerne selber. Frischen Fisch gab es gut zu kaufen. Wunderbaren Hering. Oder Scholle. Kartoffel gab es eh. Viel mehr brauchte es nicht. Selbst guten Wein gab es. Aber auf der Insel tranken sie lieber Bier. Morgen wollten sie Inselhüpfen machen. Einmal nach Ameland. Die Fähre sollte fahren.

münchen, hbf #2

 

ankommen, fortfahren.

morgen. jeden. aus

rosenheim. augsburg. der zug

spuckt die pendler.

 

zügig zur u-bahn,

in die s-bahn.

schnell noch einen kaffee.

zeitungen werden weggeworfen.

 

mail gescheckt. bei der

auskunft stehen ein paar italiener

und warten auf die weiterreise. der

tgv kommt gleich und fährt

 

in eine andere welt. polizisten

kontrollieren passanten.

der ice nach berlin hat verspätung.

nach rom? wo soll ich hin? budapest?

 

das büro muss warten.

Schiermoonikoog

Auf Schiermonnikoog ging es Franz gut. Der Wind pfiff im gewaltig um die Ohren. Dicke Mütze auf dem Kopf. Im Haus gab es einen schönen Ofen, der im ordentlich einheizte. Stundenlang wanderte er herum. Von einem Ende der Insel zum andern. Drei oder vier mal so lang wie breit war die Insel. So genau hatte er nicht nachgerechnet. Ein paar Hände voll Einwohner gab es hier. Hatte er auch nicht nachgezählt. Früher gab es hier wohl mal ein Kloster. Die Deutschen hatten hier früher wohl auch einmal Bunker gebaut. Für die tausendjähriges Reich. Sein Großvater war früher wohl auch mal hier gewesen. Warum wusste Franz nicht so genau. Franz dachte oft über seinen Großvater nach. Aber alles wusste er nicht über ihn. Jetzt war es zu spät zum Fragen. Damals waren hier viele deutsche Soldaten gewesen. Aber was sein Großvater auf der Insel gemacht hatte, wusste er nicht.

als sturm aufkam #2

als sturm aufkam, die nordsee

überströmte, die wellen immer

höher, die schiffe sich abmühten,

 

rauf und runter, abmühten

heim zu kommen, den hafen zu

erreichen, da hörte heine

 

die harfenlaute tönen,

die wellen prallen hart,

doch heine hört die harfe,

 

von ferne kommen die töne,

getragen übers meer und hört den süßen,

himmlischen gesang der schönen.

 

bet and win

bet and win. wer kann da schon nein

sagen, so groß doch das glück winkt.

schokoladenostereier war früher.

heute müssen es schon größere

 

überraschungen sein. zum glück

wird im fussball nicht gedopt.

spiele sind nie manipuliert. schiedsrichter

treffen immer die richtige entscheidung.

 

gelbe punkte überfluten die wiesen. aus

dem gehege ausgerissen hat das raubtier

unmenge an zähnen verloren. im wettbüro

coole jungs, beste tipps auf lager.

 

betriebsgeheimnisse werden nicht

verraten. nur der bmw tiefergelegt. bei einem

kratzer kommen dem fahrer die tränen.

goldkettchen sind pflicht.

 

die haut trägt gemälde spazieren. frauen

sind nicht dabei. erst später wird nach

hause geflogen. mutter hört den sohn

schon von weitem anröhren.

 

daheim zieht er seine Schuhe aus.

car wash

die engel haben schon lange

keinen mehr wachgeküsst,

auf den friedhöfen laufen

alle durcheinander, der zugang zur

 

kirche versperrt ein container mit

sondermüll, car wash angesagt, ultimative.

citrus power garantiert. bei bet365 kann

man nicht besonders gut schlafen.

 

wasserbetten sind nicht zu gewinnen.

der krankenwagen fährt wieder

einmal zu schnell um die ecke. das

fenster gegenüber bleibt leer.

das zimmer im gelben haus #2

ein bett, ein waschtisch, zwei stühle,

mehr brauchte van gogh nicht. einen schrank

vielleicht. ein paar bilder an der

wand. der boden grobe dielen,

 

kein teppich im gelben haus in arles,

eine klosterzelle fast.

in wunderträumenden farben, froh und warm.

zitronengelb, mohnrot, himmelblau,

 

feuerorange.  doch schräg malte van gogh

das zimmer, als würde wanken der

boden, die bilder schief hängen

an der wand, als begänne der wahnsinn

 

zu kriechen. so ist es nicht

das paradiese, das zimmer im

gelben haus in arles,

kein ort der stille nicht.

stille woche

 

 

wolkenverhangen schiebt der himmel

sich, die dünne haut trocknet in der

frischen luft, das kreuz der tage

passt in keine u-bahn, schneller als

 

alle pilger radelt das kind auf dem

alten bonanza-rad,

für neue bauwerke wird der beton

flüssig angeliefert, schnell noch alle

 

leichen aus dem keller geräumt

im beichtstuhl haben wir alle

geschwiegen und doch

den rosenkranz gebetet, in der

 

karwoche wird nicht

geschrien. zwischen den angeln der

türe notiert. die rollentreppen schubsen

 

die passagiere aus dem einkaufparadies.

verhangen die kruzifixe.

stille woche.

leis.

 

es schweigt die orgel.

 

Luigi kennt sie alle

Großstadtglück sieht anders aus. Plattenbaugeformte Hochhäuser bilden das Zentrum des Stadtteils. Villenbesitzer sind woanders.  Zwischen geschlossenen Läden und Wettbüros eine Eisdiele. Die Sprache Deutsch. Grammatikalisch nicht frei von Fehlern. Ein gemeinsamer Wortschatz quer durch die verschiedenen Nationen. Als wäre die Spielwiese das Zentrum einer großen Stadt, bietet der Eismann verschiedenste Kreationen an. Alles frisch. Beste Qualität. Geringer Preis. Die Gäste aus aller Welt. Keine Touristen. Migranten. Aus der Türkei. Tunesien. Albanien. Oft die Frauen mit Schleier. Menschen ohne Migrationshintergrund. Die Eiskarte etwas abgegriffen. Die Bestuhlung zumindest Geschmacksache. Der Eisdielenbesitzer ist jung und hatte goldene Hände. Beim Eis machen. Aber auch bei Sportwetten. Wettet aber nur im Konjunktiv. Macht keine Wettschulden. Verleiht kein Geld fürs Wetten. Die anderen wetten alle. Fürs schnelle Glück. Bei 50 Euro Einsatz 1500 Gewinn. Da kann nicht jeder Nein sagen. Vereinzelt verirren sich hier auch Menschen ohne Migrationshintergrund. Freuen sich über die Eissorten. Reiche Auswahl. Luigi kennt sie alle. Redet mit allen.