Franz war immer schon in Giesing gewesen. Und hier und da hat er sich auch im Grünwalder Stadion verirrt. Die 60ziger hatten es geschafft. Endlich waren sie abgestiegen. Für Franz die beste Lösung. Neuanfang. Alle weg. Spieler. Trainer. Vorstand. Manager. Investor. Doch der war noch da. Aber nicht zu gebrauchen. Aus dem Chaos entstand die Welt. Am Anfang nur ein großes Tohuwabohu. Es stand also gut um die Löwen. Was Neues könnte entstehen. Manch einer hatte wohl geweint. So weit würde Franz nie gehen. So viel Leidenschaft hatte er nicht für Fußball übrig. Eher für Maria. Franz mochte das Grünwalder Stadion. Lieber als die Allianz-Arena. Schon der Name war besser.
Monat: Mai 2017
Werther verrannt
Werther verrannt. Der Paartherapeut
hätte reichlich Arbeit gehabt.
Die Langsamkeit der Post
nervenaufreibend. Das Brot teilen
hatte ihn in den Bann gezogen. Der
Leidenschaft sich hingegeben.
Maiandacht
Auf dem Land wurde sie
noch gut besucht, der Altar
der Mutter Gottes festlich
geschmückt. Verehrt oft mehr
als der Gekreuzigte, die Frauen
zu finden waren in der Kirch
der Maienkönigin zur Ehr
ave maris stella
Zuflucht suchend unter
deinem Dach, gewappnet
gegen Sturm und Weh
breit nur den Mantel aus
#Richters Kerze
einfach, als wäre sie
eine kerze, malte richter
die kerze. eine kerze
als kerze. ein gemälde,
als wäre es eine fotografie.
als könnte der betrachter
sie jeden moment ausblasen,
ihren rauch riechen,
ihr feuer spüren.
doch dies ist nur scheinbar.
ein trugbild.
Schwere Beine
Überall nur Trump. Franz war dem überdrüssig. So aufregend war Trump nun auch nicht. Händeschütteln, Grüß Gott sagen, mit dem Papst, mit Frau und Kind und Kegel, unter Männern, am Rempeln, im Sandkasten, im Boxring. Gepflegte Langeweile stellte sich ein. Dann lieber sich aufs Rad schwingen und ins Grüne radeln. Sommerlich brannte die Sonne auf seinen Schädel. Die Runde im See sehr erfrischend. Das Wasser war noch nicht besonders warm gewesen. Aber es war ihm recht. er musste nicht zu lange schwimmen. Und ein Bad in der Sonne war nicht seine Stärke. Lieber wieder aufs Rad. Mit Maria war er weit gekommen. Am Abend wurden die Beine schwer. Noch ein wenig Stärkung im Biergarten. Hin und wieder fielen Blüten von den Kastanien herab. Aber dafür gab es ja Bierfilze.
hortensien
der zugang zum schloss war
nicht so leicht, die maiandacht
fand am abend statt, die
marienstatue festlich geschmückt,
meerstern, ich dich grüße, die blumen
süßlich, fliederblau, hortensien
umranken die maria, umhergeirrt,
in den kühlen räumen nach zuflucht
gesucht, den mantel ausgebreitet bietest
du schutz, kafka kam mit seinem
schloss nicht zurecht, stand
allein im regen
den rosenkranz nicht in
der hand, das helle blau
leuchtete weit
fast kehrt stille ein
voran treibt das korn, die sonne
flimmert über dem feld, auf der
bank dösen zwei ermattete radfahrer
noch wartet der mäusebussard
auf sein essen, der traktor
sammelt das heu ein, kein
flugzeug am himmel, fast kehrt
stille ein, doch dies ist ein irrtum
im april #2
der bauer kippt die gülle
übers land, streut da und hier
den dünger, der raps lächelt
gelb übers feld, spargel wird
gestochen, der kirchbaum öffnet
leis die knospen, die katzen
laufen schnell, der bulldog
ackert schon, kornblumen
entfalten ihre grünen blätter,
kälteschauern kommen,
der wind treibt dunkle wolken
über haus und scheun.
du läufst heim, den
ofen einzuschüren.
unter den blühenden kastanien
als eremit kein talent
versuche des rückzuges
kläglich gescheitert, nicht
auf dem einsamen berg
nicht in der kleinsten
klause, wer teilt sonst die
freude über ein gelungenes
gedicht? zu sehr bedürftig
der menschen. unter den
blühenden kastanien habe ich
die beine ausgestreckt, der stift
längst bei seite gelegt
die Vögel singen ein lied
Gentrifizierung
Die Gentrifizierung war auch in Giesing in vollem Gange. Die Anzahl der nicht renovierten Wohnungen nahm rapide ab, die Anzahl der Neumieter bzw. Käufer der Immobilie nahmen rasant zu. Doch hier und da wurde in München gewollt oder ungewollt dem entgegengewirkt. Selbst in Haidhausen war dies möglich. Franz war ganz gern mal in Haidhausen. War schnell dorten. Musste nicht den Berg runter und rauf. Einfach dem Hochufer entlang. Von Dorf zu Dorf. Bücher kaufen war dort gut möglich. Aber auch anderes. Im Franzosenviertel konnte man gut Tabak und Getränke kaufen. Nein, nichts abgehobenes. Aber es gab dort einen Laden für Viertel. Diesseits der Gentrifizierung. Sicher, die Zeit würde wohl auch gegen diesen Laden arbeiten. Man musste nur warten, bis die Betreiber aufgeben würden. Neben Limonade gab es hier auch Zeitschriften, Auch die Zeit. Aber auch anders. Wenn Franz mal was zum Rauchen brauchte, kehrte er gerne hier ein. Die beiden Schwestern waren nicht mehr die jüngsten. Der Ton manchmal rau. Aber das passte schon. Dem Franz war es recht. Sorgen machte sich Franz keine, wenn er hier war. Arme und Reiche gingen ein und aus. Durst hatte jeder. Im Franzosenviertel war vieles anders geworden in den letzten Jahrzehnten. Schöne Altbauten, Luxussaniert. Unerschwinglich für viele. Aber noch gab es den kleinen Laden.