Grünwalder Stadion

Franz war immer schon in Giesing gewesen. Und hier und da hat er sich auch im Grünwalder Stadion verirrt. Die 60ziger hatten es geschafft. Endlich waren sie abgestiegen. Für Franz die beste Lösung. Neuanfang. Alle weg. Spieler. Trainer. Vorstand. Manager. Investor. Doch der war noch da. Aber nicht zu gebrauchen. Aus dem Chaos entstand die Welt. Am Anfang nur ein großes Tohuwabohu. Es stand also gut um die Löwen. Was Neues könnte entstehen. Manch einer hatte wohl geweint. So weit würde Franz nie gehen. So viel Leidenschaft hatte er nicht für Fußball übrig. Eher für Maria. Franz mochte das Grünwalder Stadion. Lieber als die Allianz-Arena. Schon der Name war besser.

Werther verrannt

Werther verrannt. Der Paartherapeut

hätte reichlich Arbeit gehabt.

Die Langsamkeit der Post

 

nervenaufreibend. Das Brot teilen

hatte ihn in den Bann gezogen. Der

Leidenschaft sich hingegeben.

Maiandacht

Auf dem Land wurde sie

noch gut besucht, der Altar

der Mutter Gottes festlich

 

geschmückt. Verehrt oft mehr

als der Gekreuzigte, die Frauen

zu finden waren in der Kirch

 

der Maienkönigin zur Ehr

ave maris stella

Zuflucht suchend unter

 

deinem Dach, gewappnet

gegen Sturm und Weh

breit nur den Mantel aus

#Richters Kerze

 

einfach, als wäre sie

eine kerze, malte richter

die kerze. eine kerze

als kerze. ein gemälde,

als wäre es eine fotografie.

als könnte der betrachter

sie jeden moment ausblasen,

ihren rauch riechen,

ihr feuer spüren.

doch dies ist nur scheinbar.

ein trugbild.

Schwere Beine


Überall nur Trump. Franz war dem überdrüssig. So aufregend war Trump nun auch nicht. Händeschütteln, Grüß Gott sagen, mit dem Papst, mit Frau und Kind und Kegel, unter Männern, am Rempeln, im Sandkasten, im Boxring. Gepflegte Langeweile stellte sich ein. Dann lieber sich aufs Rad schwingen und ins Grüne radeln. Sommerlich brannte die Sonne auf seinen Schädel. Die Runde im See sehr erfrischend. Das Wasser war noch nicht besonders warm gewesen. Aber es war ihm recht. er musste nicht zu lange schwimmen. Und ein Bad in der Sonne war nicht seine Stärke. Lieber wieder aufs Rad. Mit Maria war er weit gekommen. Am Abend wurden die Beine schwer. Noch ein wenig Stärkung im Biergarten. Hin und wieder fielen Blüten von den Kastanien herab. Aber dafür gab es ja Bierfilze.

hortensien

der zugang zum schloss war

nicht so leicht, die maiandacht

fand am abend statt, die

 

marienstatue festlich geschmückt,

meerstern, ich dich grüße, die blumen

süßlich, fliederblau, hortensien

 

umranken die maria, umhergeirrt,

in den kühlen räumen nach zuflucht

gesucht, den mantel ausgebreitet bietest

 

du schutz, kafka kam mit seinem

schloss nicht zurecht, stand

allein im regen

 

den rosenkranz nicht in

der hand, das helle blau

leuchtete weit

fast kehrt stille ein

voran treibt das korn, die sonne

flimmert über dem feld, auf der

bank dösen zwei ermattete radfahrer

noch wartet der mäusebussard

 

auf sein essen, der traktor

sammelt das heu ein, kein

flugzeug am himmel, fast kehrt

stille ein, doch dies ist ein irrtum

im april #2

der bauer kippt die gülle

übers land, streut da und hier

den dünger, der raps lächelt

gelb übers feld, spargel wird

 

gestochen, der kirchbaum öffnet

leis die knospen, die katzen

laufen schnell, der bulldog

ackert schon, kornblumen

 

entfalten ihre grünen blätter,

kälteschauern kommen,

der wind treibt dunkle wolken

über haus und scheun.

 

du läufst heim, den

ofen einzuschüren.

unter den blühenden kastanien

als eremit kein talent

versuche des rückzuges

kläglich gescheitert, nicht

auf dem einsamen berg

 

nicht in der kleinsten

klause, wer teilt sonst die

freude über ein gelungenes

gedicht? zu sehr bedürftig

 

der menschen. unter den

blühenden kastanien habe ich

die beine ausgestreckt, der stift

längst bei seite gelegt

 

die Vögel singen ein lied

Gentrifizierung

Die Gentrifizierung war auch in Giesing in vollem Gange. Die Anzahl der nicht renovierten Wohnungen nahm rapide ab, die Anzahl der Neumieter bzw. Käufer der Immobilie nahmen rasant zu. Doch hier und da wurde in München gewollt oder ungewollt dem entgegengewirkt. Selbst in Haidhausen war dies möglich. Franz war ganz gern mal in Haidhausen. War schnell dorten. Musste nicht den Berg runter und rauf. Einfach dem Hochufer entlang. Von Dorf zu Dorf. Bücher kaufen war dort gut möglich. Aber auch anderes. Im Franzosenviertel konnte man gut Tabak und Getränke kaufen. Nein, nichts abgehobenes. Aber es gab dort einen Laden für Viertel. Diesseits der Gentrifizierung. Sicher, die Zeit würde wohl auch gegen diesen Laden arbeiten. Man musste nur warten, bis die Betreiber aufgeben würden. Neben Limonade gab es hier auch Zeitschriften, Auch die Zeit. Aber auch anders. Wenn Franz mal was zum Rauchen brauchte, kehrte er gerne hier ein. Die beiden Schwestern waren nicht mehr die jüngsten. Der Ton manchmal rau. Aber das passte schon. Dem Franz war es recht. Sorgen machte sich Franz keine, wenn er hier war. Arme und Reiche gingen ein und aus. Durst hatte jeder. Im Franzosenviertel war vieles anders geworden in den letzten Jahrzehnten. Schöne Altbauten, Luxussaniert. Unerschwinglich für viele. Aber noch gab es den kleinen Laden.