Arbeitszimmer

Der Kastanienbaum vor Franz Arbeitszimmer blühte rosa. Die Wörter fielen ihm nur so auf den Tisch. Vorsichtig schrieb er sie auf. Mit dem Bleistift, mit der Schreibmaschine. Er liebte das Handwerk. Gerne wäre er Schreiner geworden. Nur die Maschinen waren ihm zu laut. Aber der Klang seiner Schreibmaschine war ihm recht. Nein, nicht immer. Doch mit Blick auf den Baum, auf die aufgeworfene Rinde, wollte er nicht am Computer arbeiten. Gewitterstimmung lag in der Luft, die Wolken zogen sich zu. Ob er am Abend draußen sein könnte, würde sich noch zeigen.

Fliederbusch

Durch den Mai radelte Franz gerne, als flöge er durch den Fliederbusch. Schön fingen die Kastanien an zu blühen. Am Kiosk schnell ein Bier geholt und an die Isar gesetzt und gewartet, bis die Sterne herunterfielen. Noch waren die Nächte nicht so warm wie im Sommer, aber mit einer Decke hielt er es gut aus. Die Luft war mitunter arg mit Süße angefüllt, aber der nächste Regen würde die Luftbilder rein waschen. In der Nacht schrieb er gerne noch kürzere Texte. Manchmal auch nur einfache Notizen.

maienkönigin

die wallfahrer benötigen

kein feigenblatt mehr, das

ave maria schnell gebet,

auf dem berg dann glückseliger

 

rausch nach langen strapazen

das dirndl der bäuerin sitzt

stramm, ähnlichkeit mit picassos

frauenbilder eher zufällig, am

 

ende noch ein letzter

rosenkranz, bevor der

rausch einen übermannt

vergelt´s gott

zwischen fortkommen und dahinschlendern

goethes mai im regal

verstaubt, die blumenwiese

liegt dir zu füßen, der

kriechene günsel wartet

 

im schatten, anemonen

strahlen um die wette,

kuhschnappel weit entfernt,

schildkröten werden heute

 

nur noch selten in den straßen

ausgeführt, zwischen fortkommen

und dahinschlendern geht

die aufregung dahin

schumanns clara läuft auf dem klavier davon

das basilikum auf dem

küchenfenster strebt nach italien

oder doch nur zum himmel

eine inventur klärt das gebliebene

 

zeigt das notwendige(eich)

der krieg fast vergessen, schumanns

clara läuft auf dem klavier davon

träumereien, horowitz gespielt,

 

nervenanstalt nicht entkommen,

die blumenkinder auf der wiese,

im supermarkt zwei tüten milch

für den kaffee gekauft

Über die Rapsfelder

Über die Rapsfelder zog der

Mäusebussard seine Kreise,

der Bauer fährt das erste

Heu ein. Gewitterwolken rasen

 

um die Wette, die Katzen zieht es

in die Scheune. Die Liebeschwüre

der Jugend längst vergessen.

Deine Haare verweht. Heute

 

hast du die Gehirnhälften

vertauscht. Über die Hügel

knattert ein Zweirad. Älteres Modell.

Löwenzahn verblüht.

Verwundert

Am Ende konnte Franz oft nur verwundert die Augen reiben über Trump. So eine Geschichte hätte er sich nicht ausdenken können. Hätte ihm kein Verlag abgenommen. Total unglaubwürdig. Nachdenklich ging er durch die Nacht. Biergarten längst geschlossen. Aber Durst hatte er schon noch. Lief alles quer gerade. Lief durch die Nacht.

Wenn die warmen Tage kamen

Nicht immer hatte Franz Zeit. Aber wenn die Sonne schien, die warmen Tage kamen, die Sonne nicht untergehen wollte, radelte er gern in einen Biergarten. Oder ging zu Fuß zum Nockherberg. Er liebte auch den Aumeister oder den Taxisgarten. Ein paar Freunde hatten meist Zeit. Manchmal nahm er was zu essen mit, einen Salat. Den Rest konnte man dann ja kaufen. Einen Steckerlfisch oder Brathändl. Brezen vielleicht mitgebracht. Ein kühles Bier. Die Kastanienblätter waren noch licht. Machmal ein Kartenspiel. Oder einfach nur dasitzen. Nicht zuviel reden. Mit Großvater war er oft im Nockerberg gewesen. Trafen dort viele Nachbarn. Wohnzimmer der Giesinger. Betrunken war selten einer. Wenn, dann waren es eher Touristen. Der Giesinger vertrug sein Bier. So leicht warf den nichts um.

wolken gibt es nur auf der resterampe

die sonne brennt aufs

hirn, der girsch kennt keine

gnade und wächst, die

sonnensegel längst

 

getreift, die zunge hängt

dem hund aus dem hals

schnecken verkriechen sich

in ihr haus, die keins haben,

 

suchen sich eine andere

bleibe, frohlockende

eisverkäufer singen verdi-arien

nach den eisheiligen freut sich

 

der gärtner auf kundschaft

prachtvolles lila strahlen die

petunien, wolken gibt es nur

auf der resterampe. du sagst

 

es würde regen kommen?

niemand schenkt heute deinen

worten aufmerksamkeit

heute nicht

Geranien

Leicht frühjahrsmüde schaute Franz von seinem Balkon. Grün wars geworden und er hatte sich Geranien besorgt. Die vertrugen gut die Sonne und blühten den ganzen Sommer lang. Diesmal hatte er sich für rosafarbene entschieden. Stehende und hängende. Ein paar Tomatenpflanzen hatte er auch auf dem Balkon. Aber für mehr war kaum Platz. Schließlich wollte er ja auch noch sitzen können. Gerne schrieb er auf dem Balkon. Oder, wenn es warm war, schlief er dorten. Er liebte es. Es war wie Urlaub. Der Blick ging zum Sternenhimmel. Meist schlief er nur draußen, wenn er am nächsten Tag nicht allzu früh raus musste. Über Trump konnte Franz immer wieder nur den Kopf schütteln. Hier eine Entlassung, dort ein Geheimnisverrat. Aber über Schulz schüttelte Franz auch den Kopf. Gut gestartet, stark nachgelassen. Der neue Hype war wohl die FDP. Ein Mann-Partei. War Franz suspekt. Franz hatte gehofft, die Bundestagswahl würde interessant werden. Diese Hoffnung war im flöten gegangen. Am Abend würde Maria kommen. Sie würden auf dem Balkon sitzen. Die Sterne waren ihnen gewiss. Mehr brauchte er heute nicht. Und einen guten Rotwein.