Zwischen Jules und Jim lang das Leben. Lag die Liebe. Alle Hoffnung, alle Schwermut. Franz mochte die französischen Filme. Liebte die Filme der Nouvelle Vague. War gerne versunken im Kino. Konnte alles vergessen. Im Theatiner. Im Isabella. Original mit Untertitel. Mehr brauchte es nicht für einen glücklichen Abend. Er hatte Jeanne Moreau gemocht. Er wollte sich wieder einen Film mit ihr anschauen. Studierte die Kinoprogramme. Im Fernsehen funktionierten die Filme nicht. Brauchten eine große Leinwand. Das Leben zwischen Jules und Jim.
Monat: Juli 2017
nachtgesang
das dunkle der nacht, der
sohn des kronos bringt dem
achilleus das leierspiel bei
das wild des waldes durchzieht
die finsternis, der augustdonner
lässt verkriechen die menschen
hinter der ofenbank, das mondlicht
schimmert fahl, in seinem glanz
tanzen die totengräber, du erzählst
von liebesleid? die wollust verflogen
das geklimmpere auf dem klavier
verstummt, hölderlins glück
zum teufel gejagt, deine küsse
geben keinen halt, der wind pfeift
durch die blätter
unter der werkbank #2
hin und wieder findet sich
zwischen den sägespänen
dem abrieb unter dem besen
neben dem abfall ein fast schon
vergessenes wort, welches mit
viel müh´ aufgehoben, geputzt
zusammengefügt oder neu
zusammengesetzt werden muss
neulich, unter der werkbank
versteckt zwischen vielen anderen
wörtern, die eher überflüssig
unnötig oder nervig erschienen
das wort faulheit gefunden
welch wunderbares
wort, welch geradezu
obszön herrliches
götterspeise
kein schnee ende juli, die
haikus liegengelassen, hölderlins
hymne an die freiheit erklingt im
ohr, ankämpfend gegen das chaos
werden riesen gewünscht, die
höllenqualen rauben den verstand
götterspeise längst vertilgt, brombeeren
reifen in schnellen schritten voran
die freiheit fern und nah
Kampenwand II
Die Anfahrt zur Kampenwand erfolgte mit Bahn und Rad. Zwar wollten Franz und Maria den Berg ohne Rad erobern, aber sie hatten die Räder mitgenommen. Vielleicht wollten sie ja noch ein paar Runden schwimmen. Der Anstieg war nicht besonders schwierig, doch die Sonne hinterließ Spuren. Als sie oben waren, gingen sie noch bis zur Gorialm, um Rast zu machen. Freunde warteten schon auf sie. Später gingen sie noch weiter, die Aussicht auf den Chiemsee war wunderbar, die Bergblumen in voller Blüte. Teufelskralle und Enzian erstrahlen in blaulila, Hornklee und Trollblume knallten ihr Gelb dem Wanderer um die Ohren. Hier und dort Gleitschirmflieger am Himmel. Später radelten sie noch nach Chieming, drehten ein paar Runden im Wasser. Blieben über Nacht bei Freunden. Die Sterne strahlten am Himmel.
sommerschlussverkauf
der kalte nebel des novembermorgens
weit entfernt, die astern bereit für
den start, die sonnenblumen warten auf
die krönung des sommers. das
marmeladenregal im keller schon halb
gefüllt. in den kaufhäusern ist die auswahl
an bademode kleiner geworden. gäbe es
noch sommerschlussverkauf, würde er bald
beginnen. erst nach einigen tagen
sommerferien wird sich die genussvolle
langeweile einstellen. den büchervorrat
willst du noch auffüllen. die küsse zwischen
den bücherdeckeln werden länger. der sommer
scheint unendlich lang.
Kampenwand
Die Proviantdosen für die Tour gut gefüllt. Brot, Speck, Käse, hart gekochte Eier. Gurken. Tomaten. Großmutter hatte es immer mit Liebe gemacht, wenn sie in die Berge ziehen wollten. Keine Powerriegel. Einfach eine Tafel Schokolade. Oder zwei. Manchmal auch eine Flasche Wein. Wenn es eher eine entspanntere Tour wurde. Gern ging Franz in die Berge. Blieb auch nachts mitunter auf dem Berg. Gigantischer Sternenhimmel. Unendliche Weite. Maria ging auch gerne mit. Mal gingen sie mit mehreren Freunden, mal alleine. Nicht nur die Kampenwand. Oder die Benediktenwand. Gerne gingen sie auch einsamere Wege. Aber auf der Kampenwand traf er immer Freunde.
im sommerhaus #2
der garten ein paradies
rittersporn, rosen, hyazinthen
die bäume hängen schwer mit
ihren früchten, die johannisbeeren
neckisch auf hohen stämmen
die brombeeren ranken wild
kinder springen über wiesen
wenn freunde kommen
wird der abendstern begrüßt
schwalben und kohlmeisen
umflattern die köpfe, im sommer
besuchen uns auch die wespen
Hang zur Monarchie
Die Bayern hatten immer noch einen großen Hang zur Monarchie. Der Besuch des schwedischen Königshauses in Bayern ging dem einen oder anderen schon sehr zu Herzen. Auch bei den Festspielen in Bayreuth war das Königshaus mehr Thema als die Qualität der Aufführung. Auch beim Fussball mochten die Menschen klare Verhältnisse. Kaiser Franz und Uli Hoeneß als ewiger Herrscher von Bayern München. Auch die CSU schien dem Franz als Ersatz für die Monarchie zu dienen. Vielleicht würde Bayern einmal nicht Meister werden. Das würde dem Franz gefallen. Möglicherweise hatte ja die Asien-Reise, Marketing hin oder her, mehr geschadet denn genützt und irgend ein andere der 17 Mannschaften würde die Gunst nutzen. Darauf wollte Franz nicht wetten. Aber es wäre eine Möglichkeit
die mäßigung #2
der goldene weg scheint
in der mitte zu liegen, mehr
als nichts und doch nicht alles
zwischen wollust und nichts
empfinden können das rechte
maß eben, wie man so sagt
doch was wäre denn so schlimm
daran, über die stränge zu schlagen?
wäre dann die liebe ein exzess
des glücks? sonst die
mittelmäßigkeit scheint schnell
auf die mäßigung zu folgen
obwohl besonnenheit mitunter
von vorteil sein kann