Am liebsten fuhr Franz ja Fahrrad. Doch hatte er auch ein Auto. Eher ältere Modell, nicht der Rede wert. Auf die Autoindustrie war er aber trotzdem nicht gut zu sprechen. Vertrauen komplett verloren. Würde beim nächsten Mal sicher ein anderes Modell wählen. Sein Vater und Großvater hatten immer eins von der gleichen Firma gekauft. Die Zeiten waren vorbei. Zum Glück musste er sich jetzt nicht entscheiden. Doch er fühlte die Unlust auf die alten Entscheidungen. Franz liebäugelte mit Elektroautos, doch waren sie ihm viel zu teuer. Er arbeitete ja nicht bei einer Firma, die ihm dann einen Geschäftswagen zur Verfügung stellten. Franz hatte nie den Impuls gehabt, bei BMW zu arbeiten oder bei Siemens. Auch nicht bei einer Beratungsfirma. Vielleicht könnte ihm ja ein Verlag einen Dienstwagen zur Verfügung stellen? Bei der Farbe wäre er auch flexibel.
Monat: Juli 2017
im Hafen #2
vorbei die stürme, gelandet
im glücklichen hafen
in hamburg, in bremen
geborgen, fern der stürme
der wellen, dem meer, gelandet
im glücklichen hafen,
gekommen von der herren meere
aus amerika, aus afrika, aus
indien, die männer sind
heimgekommen, von hoher see
aus aller fernen länder und freuen
und trinken und essen und lieben
im hafen, fern der stürme, fern
der see und lauscht heine ihren
geschichten, von fernen ländern
und frauen und liebe und glück
im hafen, im glücklichen hafen
in hamburg oder bremen, lauscht
heine den männern, die
heimkommen von hoher see
der sämann #2
den acker abschreitend
großen schrittes, das tagwerk
begehen, der bauer, aussäend
die saat. kräftig die sonne
untergehend schon, es geht zu
ende die arbeit des tages
göttliche sonnenkraft scheinend
die muttererde eingetaucht in ein
orange und blau, der sämann
gibt der erde, gibt, wachsen
möget das korn, so malt der
maler das samenkorn
gedeihen möget es, das
korn, gedeihen
Naturgewalten in der Großstadt
Der Fluss warfen seine Wellen voraus. Tosend schlugen sie gegen das Wehr. Surfen waren längst von ihren Brettern gefallen. Der Himmel streute kräftige Schauern bei. Die Radfahrer ähnelten Fledermäuse. Franz liebte keine Umhänge. Seine Hose durchnässt. Der Heimweg gleich einem längeren Aufenthalt in der Dusche. Daheim würde er wohl ein zweites Mal duschen. Noch pflügte er sich durch die Wassermassen. Gewitterschauern waren dem Franz eine Freude. Naturgewalten in der Großstadt. Nur die Bremsen schwächelten ein wenig bei den Wasserfluten.
kein leuchten in der nacht
kühle wolken ziehen am firmament das korn flachgedrückt vom gewitterwind when the night has come, die hand fährt über den rücken, die mücken wollen nicht schlafen, the land is dark sterne nicht gesehen, die erde schwer vom regen, stand by me, der mond verhüllt kein leuchten in der nacht die küsse wollen nicht enden, wenn wir fallen, halten wir uns umschlungen der wind erzählt vom hohen norden unter der decke gänsehaut
Die Irrfahrten mussten warten #2
Am Meer das Salz von den
Lippen geküsst sacht plätscherte
die Gischt an den Strand wir
liefen über den Sand, durch´s
Haar fuhr der Wind, die Postkarten
hatten wenig Text, für Fotos keine
Zeit, in der Früh schwarzen Kaffee
der Sommer schien lang, Homer
wurde nur selten herausgeholt,
die Irrfahrten mussten warten, der
Gesang der Sirenen, so schön
war er, die Insel nicht weit
Vanilleeis
Der kühle Sommersonntag kam Franz gerade recht. Ein paar Züge durch die Stadt geradelt, ein Eis bei Luigi geholt, keine Experimente, Vanilleeis. Entspannt ein paar Runden gedreht. Später noch seine Lektüre vorangetrieben. Ruhe am See genossen. Am Abend Kino. Kam ihm gerade recht.
Der leere Korb
Zwischen den Sauerkirschen, du trugst
sie in einem kleinen Korb, ins Delirium
gefallen vor lauter Sehnsucht, das
Gedächtnis erinnerte sich nicht
mehr an die letzte Strauss-Overtüre
die Zähne bissen fest zu, stolz
trugst du den leeren Korb heim
schnell verfolg der Sommer
Wahlkampf
Franz war sich nicht sicher. War eigentlich schon Wahlkampf? Oder kommt der noch? Wo findet der eigentlich statt? Und wer kämpft da gegen wen? War da was? Bald waren doch Bundestagswahlen. Da war sich Franz sicher. Aber irgendwie alles lau. Kein Kampf nirgends. Vielleicht sollten die Wahlen ja diesmal ohne Wahlkampf stattfinden? Oder lag das am Sommer? War denen zu heiß? Angeblich war Schulz neulich in München. Bei einer Autofirma. Aber ist das Wahlkampf? Ging alles spurlos vorüber. War wohl Sommerdepression. Alle waren Ferienreif. Urlaubsreif. Bloß keine Anstrengungen. Vielleicht sollte Franz ja schon einmal seine Briefwahlunterlagen beantragen. Dann wäre das mit dem Wählen erledigt. Franz wählte gerne. Versäumte keine. Aber irgendwie ging Spannung anders. Nach dem Lesen der Zeitung schrieb er noch ein paar Worte. Dann noch schnell zum Einkaufen.
die kunst des essens
passagen, passanten, im vorbeigehen,
en passant, als gäbe es nichts zu
verlieren, durch die trostlosen vorstädte
gedankenverlorene einkaufparadiese
fluchten durch die stadt, flanierenden
durch die großen städte des südens
schattenspendendes glück, schnell in die
bar, das sein ist an der theke erträglicher
die kunst des essens wird schon in der
früh diskutiert, der herbstwind pfeift den
regen in die ecken, benjamins paris
längst verloren