Dienstwagen

Am liebsten fuhr Franz ja Fahrrad. Doch hatte er auch ein Auto. Eher ältere Modell, nicht der Rede wert. Auf die Autoindustrie war er aber trotzdem nicht gut zu sprechen. Vertrauen komplett verloren. Würde beim nächsten Mal sicher ein anderes Modell wählen. Sein Vater und Großvater hatten immer eins von der gleichen Firma gekauft. Die Zeiten waren vorbei. Zum Glück musste er sich jetzt nicht entscheiden. Doch er fühlte die Unlust auf die alten Entscheidungen. Franz liebäugelte mit Elektroautos, doch waren sie ihm viel zu teuer. Er arbeitete ja nicht bei einer Firma, die ihm dann einen Geschäftswagen zur Verfügung stellten. Franz hatte nie den Impuls gehabt, bei BMW zu arbeiten oder bei Siemens. Auch nicht bei einer Beratungsfirma. Vielleicht könnte ihm ja ein Verlag einen Dienstwagen zur Verfügung stellen? Bei der Farbe wäre er auch flexibel.

im Hafen #2

vorbei die stürme, gelandet

im glücklichen hafen

in hamburg, in bremen

geborgen, fern der stürme

 

der wellen, dem meer, gelandet

im glücklichen hafen,

gekommen von der herren meere

aus amerika, aus afrika, aus

 

indien, die männer sind

heimgekommen, von hoher see

aus aller fernen länder und freuen

und trinken und essen und lieben

 

im hafen, fern der stürme, fern

der see und lauscht heine ihren

geschichten, von fernen ländern

und frauen und liebe und glück

 

im hafen, im glücklichen hafen

in hamburg oder bremen, lauscht

heine den männern, die

heimkommen von hoher see

der sämann #2

den acker abschreitend

großen schrittes, das tagwerk

begehen, der bauer, aussäend

die saat. kräftig die sonne

 

untergehend schon, es geht zu

ende die arbeit des tages

göttliche sonnenkraft scheinend

die muttererde eingetaucht in ein

 

orange und blau, der sämann

gibt der erde, gibt, wachsen

möget das korn, so malt der

 

maler das samenkorn

gedeihen möget es, das

korn, gedeihen

Naturgewalten in der Großstadt

Der Fluss warfen seine Wellen voraus. Tosend schlugen sie gegen das Wehr. Surfen waren längst von ihren Brettern gefallen. Der Himmel streute kräftige Schauern bei. Die Radfahrer ähnelten Fledermäuse. Franz liebte keine Umhänge. Seine Hose durchnässt. Der Heimweg gleich einem längeren Aufenthalt in der Dusche. Daheim würde er wohl ein zweites Mal duschen. Noch pflügte er sich durch die Wassermassen. Gewitterschauern waren dem Franz eine Freude. Naturgewalten in der Großstadt. Nur die Bremsen schwächelten ein wenig bei den Wasserfluten.

kein leuchten in der nacht

kühle wolken ziehen am firmament

das korn flachgedrückt vom gewitterwind

when the night has come, die hand fährt

 

über den rücken, die mücken wollen

 nicht schlafen, the land is dark

sterne nicht gesehen, die erde schwer

 

vom regen, stand by me, der mond

verhüllt kein leuchten in der nacht

die küsse wollen nicht enden, wenn

 

wir fallen, halten wir uns umschlungen

der wind erzählt vom hohen norden 

unter der decke gänsehaut

Die Irrfahrten mussten warten #2

Am Meer das Salz von den

Lippen geküsst sacht plätscherte

die Gischt an den Strand wir

liefen über den Sand, durch´s

 

Haar fuhr der Wind, die Postkarten

hatten wenig Text, für Fotos keine

Zeit, in der Früh schwarzen Kaffee

der Sommer schien lang,  Homer

 

wurde nur selten herausgeholt,

die Irrfahrten mussten warten, der

Gesang der Sirenen, so schön

war er, die Insel nicht weit

 

Vanilleeis

Der kühle Sommersonntag kam Franz gerade recht. Ein paar Züge durch die Stadt geradelt, ein Eis bei Luigi geholt, keine Experimente, Vanilleeis. Entspannt ein paar Runden gedreht. Später noch seine Lektüre vorangetrieben. Ruhe am See genossen. Am Abend Kino. Kam ihm gerade recht.

Der leere Korb

Zwischen den Sauerkirschen, du trugst

sie in einem kleinen Korb, ins Delirium

gefallen vor lauter Sehnsucht, das

Gedächtnis erinnerte sich nicht

 

mehr an die letzte Strauss-Overtüre

die Zähne bissen fest zu, stolz

trugst du den leeren Korb heim

schnell verfolg der Sommer

Wahlkampf

Franz war sich nicht sicher. War eigentlich schon Wahlkampf? Oder kommt der noch? Wo findet der eigentlich statt? Und wer kämpft da gegen wen? War da was? Bald waren doch Bundestagswahlen. Da war sich Franz sicher. Aber irgendwie alles lau. Kein Kampf nirgends. Vielleicht sollten die Wahlen ja diesmal ohne Wahlkampf stattfinden? Oder lag das am Sommer? War denen zu heiß? Angeblich war Schulz neulich in München. Bei einer Autofirma. Aber ist das Wahlkampf? Ging alles spurlos vorüber. War wohl Sommerdepression. Alle waren Ferienreif. Urlaubsreif. Bloß keine Anstrengungen. Vielleicht sollte Franz ja schon einmal seine Briefwahlunterlagen beantragen. Dann wäre das mit dem Wählen erledigt. Franz wählte gerne. Versäumte keine. Aber irgendwie ging Spannung anders. Nach dem Lesen der Zeitung schrieb er noch ein paar Worte. Dann noch schnell zum Einkaufen.

die kunst des essens

passagen, passanten, im vorbeigehen,

en passant, als gäbe es nichts zu

verlieren, durch die trostlosen vorstädte

gedankenverlorene einkaufparadiese

fluchten durch die stadt, flanierenden

durch die großen städte des südens

schattenspendendes glück, schnell in die

bar, das sein ist an der theke erträglicher

die kunst des essens wird schon in der

früh diskutiert, der herbstwind pfeift den

regen in die ecken, benjamins paris

längst verloren