Heimspiel

Freunde von Franz hatten Karten besorgt. Heimspiel der Löwen. Das erste im Grünwalder Stadion. Wenig Sitzplätze, wenig Karten. Nicht mehr in der Arena. 4. Liga. Franz war ja kein 60iger. Aber wird bestimmt ein netter Abend. Endlich wieder was los in Giesing. Neue Stadien waren ja immer außerhalb der Stadt. Aber in der Stadt war es viel angenehmer. Konnte zu Fuß hingehen. Oder mit dem Rad. Nur ein Sprung. Und das Gewinnen fällt ihnen in der 4. Liga bestimmt nicht so schwer. Wenn der Investor endlich gehen würde, würde Franz vielleicht noch zum Löwen-Fan werden.

Haus der Kunst

Abends, manchmal auch gerne im Sommer, schlenderte Franz gern durch das Haus der Kunst. 80 Jahre alt. Ein unsäglicher Ort. Eine nicht zu ertragene Ästhetik. Und doch immer wieder spannende Ausstellungen. Immer eingeschrieben gegen den Nazi-Wahn. Danach noch in die Bar. Die Leute dort gefielen ihm nicht immer, Doch die Terrasse war wunderbar. Die Getränke gut gekühlt. Der Englische Garten vor der Nase. Das Plätschern des Eisbaches kämpfte gegen den Stadtlärm. Sonderbarer Ort. Seltsame Umbaupläne. Das Grün der Bäume stand dem Haus ganz gut. Hitlers Reden verhallt. Hakenkreuzfahnen hängen keine mehr. Der richtige Umgang mit dem Ort? Monströs, dass Hitler dort gewesen ist, sich Kunst ansah. Und doch schlenderte Franz durch das Haus. Kühl die Räume. Fern der Hektik der Großstadt.

mit schwarzen füßen

auf der suche nach dem sommer

dem phlox nachgerannt. in den

entfernten spuren des gehirns in

großvaters garten gefunden. endlos

lang schien er. fern die pflichten.

zwischen den beerensträuchern und

den obstbäumen blumenrabatten.

in weiß, blau, rosa. brause aus der

hand geschleckt, nachbars hund

nachgebellt, auf der wiese boccia

gespielt, mit schwarzen füßen

kirschen in der küche gegessen

möglicherweise #2

möglicherweise ist es so, dass

nicht nur wondrascheck seine familie

am sonntag auf dem friedhof

zusammengeklaut hat.

 

möglicherweise lesen die kinder

heute nicht mehr karl may

froh wären die eltern

möglicherweise, wenn die

 

kinder heute karl may lesen

würden. begann der tag früher

mit einer schusswunde, wird

heute eine nachricht verschickt.

 

möglicherweise war die welt früher

nicht in ordnung, aber fußball

gab es am samstag, da wusste man

wann man vater nicht stören durfte.

 

möglicherweise war der samstagabend

früher nicht lustig, aber versammelt vor dem

fernseher wusste jeder, was er nicht zu

verlieren hatte. früher gab es freitags fisch

 

oder spinat mit spiegelei, heute ist man veganer.

schaute die familie früher aus, als wäre sie auf

dem friedhof zusammengeklaut worden, muss

man heute erst den weg zum friedhof finden.

das zimmer im gelben haus #2

ein bett, ein waschtisch

zwei stühle, mehr brauchte

nicht, van gogh. einen schrank

vielleicht noch für dies und das

 

ein paar bilder an der wand

künstlerzimmer eben. der

boden aus holz, dielen

grobes pakett, kein teppich

 

im gelben haus in arles

einfach, karg, als wärs eine

klosterzelle. in wunderbaren

farben, froh und warm

 

zitronengelb, mohnrot

himmelblau, orange

doch malte van gogh

das Zimmer schräg, fast

 

schräg, als würde wanken

der boden, wanken, die bilder

schief, hängen schief an der

wand, als begänne der

 

wahnsinn zu kriechen,

als begänne der wahnsinn.

so ist es nicht das paradiese

das zimmer im gelben haus

 

in arles, kein ort der stille

nicht. wollt ruhe der maler

doch unruhe schlich sich ein

schlich

CSD

CSD fand Franz immer spannend. Nette Leute, lustige Musik, eine gute Zeit. Traf viele Freunde. Für Maria war es zunächst etwas fremd. Aber auch sie hatte Gefallen daran gefunden. Die Kostüme bunt, manchmal grell. Natürlich war Ehe für alle ein Thema. Regenbogenfarben bis zum Himmel. Selbst Bayern-Fans waren dabei. Musste aber nicht sein. In Köln waren wohl mehr Leute auf der Straße gewesen. Aber dem Franz hatte es gefallen. Nach dem Umzug noch in die Hans-Sachs-Straße gegangen. Weiter gefeiert. Der Sonntag war zum Ausschlafen gerade recht. Endlich wieder mehr Sonne. Sanfte Wärme schon am Morgen. Angenehmes Radl-Wetter. Quer durch die Stadt. Der Isar entlang zum Aumeister. Mehr brauchte es nicht an diesem Tag. Auf einer Wiese dann Picknick. Sommer in der Stadt. Füße hoch.

über den zorn #2

der zorn kann kommen

wie der blitz vom himmel

aufgeladene gewitterwolken

in der hitze der nacht

 

das volk den zorn packen

über einen herrschenden

hinwegfegen. gottes zorn

furchtbar sein

 

unsägliche plagen senden

die wut, die einen packt

ein lächerlicher emotionaler akt

doch grollen und grimmen

 

noch zu mild erscheint, der

gerechte zorn einen packt und

aufbegehrt gegen das unrecht

 

reinigt das gewitter die luft

empört euch!  indignez-vous!

der himmel ist blau!

Richter / Firenze #2

unschärfe verschieden

richters unscharfe gemälde

von scharfen fotografien

oder richters scharfe

 

fotografien unscharf

firenze, stadt der touristen

sehnsuchtsstadt der deutschen

die überschwemmte stadt

 

die stadt, die im sommer

kaum noch atmen kann

vor lauter menschen, die

mit ihren kameras die stadt

 

ablichten, auf den spuren der

medici, michelangelos david

anschauen, oder die venus von

botticelli in den uffizien

 

millionen fotos, millionen

ansichtskarten zeigen diese

stadt. richter übermalt diese

fotos, gegen den strom der

 

touristen, gegen die ach so

bekannten fotografien und

ansichtskarten. übermalt mit

öl, übermalt und gibt der stadt

 

ihr geheimnis wieder

todtnauberg

das pardon fällt nicht

leicht. nicht in den schoss

erarbeitet. der kniefall

einher. ein schnell

gesprochenes wort rasch

als lüge enttarnt. heideggers

todtnauberg. die hoffnung

kommt und geht seine wege

celans an- und abstieg von

der hütte. getroffen, vergangen

im russenhaus #2

 

im russenhaus traf die münter

den kandinsky, die liebe kam

die farben sprangen. im

russenhaus am see, sich traf

 

die münter mit dem kandinsky

und kamen dazu alle, die farben

im kopf. marc kam, werefkin

macke kam, jawlensky. voller

 

farbe murnau, der kleine ort

gelegen am see, voller farbe

die straßen blau, die häuser

 

gelb, als münter war in

murnau, im russenhaus

weg trieb der krieg die gäste