Freunde von Franz hatten Karten besorgt. Heimspiel der Löwen. Das erste im Grünwalder Stadion. Wenig Sitzplätze, wenig Karten. Nicht mehr in der Arena. 4. Liga. Franz war ja kein 60iger. Aber wird bestimmt ein netter Abend. Endlich wieder was los in Giesing. Neue Stadien waren ja immer außerhalb der Stadt. Aber in der Stadt war es viel angenehmer. Konnte zu Fuß hingehen. Oder mit dem Rad. Nur ein Sprung. Und das Gewinnen fällt ihnen in der 4. Liga bestimmt nicht so schwer. Wenn der Investor endlich gehen würde, würde Franz vielleicht noch zum Löwen-Fan werden.
Monat: Juli 2017
Haus der Kunst
Abends, manchmal auch gerne im Sommer, schlenderte Franz gern durch das Haus der Kunst. 80 Jahre alt. Ein unsäglicher Ort. Eine nicht zu ertragene Ästhetik. Und doch immer wieder spannende Ausstellungen. Immer eingeschrieben gegen den Nazi-Wahn. Danach noch in die Bar. Die Leute dort gefielen ihm nicht immer, Doch die Terrasse war wunderbar. Die Getränke gut gekühlt. Der Englische Garten vor der Nase. Das Plätschern des Eisbaches kämpfte gegen den Stadtlärm. Sonderbarer Ort. Seltsame Umbaupläne. Das Grün der Bäume stand dem Haus ganz gut. Hitlers Reden verhallt. Hakenkreuzfahnen hängen keine mehr. Der richtige Umgang mit dem Ort? Monströs, dass Hitler dort gewesen ist, sich Kunst ansah. Und doch schlenderte Franz durch das Haus. Kühl die Räume. Fern der Hektik der Großstadt.
mit schwarzen füßen
auf der suche nach dem sommer
dem phlox nachgerannt. in den
entfernten spuren des gehirns in
großvaters garten gefunden. endlos
lang schien er. fern die pflichten.
zwischen den beerensträuchern und
den obstbäumen blumenrabatten.
in weiß, blau, rosa. brause aus der
hand geschleckt, nachbars hund
nachgebellt, auf der wiese boccia
gespielt, mit schwarzen füßen
kirschen in der küche gegessen
möglicherweise #2
möglicherweise ist es so, dass
nicht nur wondrascheck seine familie
am sonntag auf dem friedhof
zusammengeklaut hat.
möglicherweise lesen die kinder
heute nicht mehr karl may
froh wären die eltern
möglicherweise, wenn die
kinder heute karl may lesen
würden. begann der tag früher
mit einer schusswunde, wird
heute eine nachricht verschickt.
möglicherweise war die welt früher
nicht in ordnung, aber fußball
gab es am samstag, da wusste man
wann man vater nicht stören durfte.
möglicherweise war der samstagabend
früher nicht lustig, aber versammelt vor dem
fernseher wusste jeder, was er nicht zu
verlieren hatte. früher gab es freitags fisch
oder spinat mit spiegelei, heute ist man veganer.
schaute die familie früher aus, als wäre sie auf
dem friedhof zusammengeklaut worden, muss
man heute erst den weg zum friedhof finden.
das zimmer im gelben haus #2
ein bett, ein waschtisch
zwei stühle, mehr brauchte
nicht, van gogh. einen schrank
vielleicht noch für dies und das
ein paar bilder an der wand
künstlerzimmer eben. der
boden aus holz, dielen
grobes pakett, kein teppich
im gelben haus in arles
einfach, karg, als wärs eine
klosterzelle. in wunderbaren
farben, froh und warm
zitronengelb, mohnrot
himmelblau, orange
doch malte van gogh
das Zimmer schräg, fast
schräg, als würde wanken
der boden, wanken, die bilder
schief, hängen schief an der
wand, als begänne der
wahnsinn zu kriechen,
als begänne der wahnsinn.
so ist es nicht das paradiese
das zimmer im gelben haus
in arles, kein ort der stille
nicht. wollt ruhe der maler
doch unruhe schlich sich ein
schlich
CSD
CSD fand Franz immer spannend. Nette Leute, lustige Musik, eine gute Zeit. Traf viele Freunde. Für Maria war es zunächst etwas fremd. Aber auch sie hatte Gefallen daran gefunden. Die Kostüme bunt, manchmal grell. Natürlich war Ehe für alle ein Thema. Regenbogenfarben bis zum Himmel. Selbst Bayern-Fans waren dabei. Musste aber nicht sein. In Köln waren wohl mehr Leute auf der Straße gewesen. Aber dem Franz hatte es gefallen. Nach dem Umzug noch in die Hans-Sachs-Straße gegangen. Weiter gefeiert. Der Sonntag war zum Ausschlafen gerade recht. Endlich wieder mehr Sonne. Sanfte Wärme schon am Morgen. Angenehmes Radl-Wetter. Quer durch die Stadt. Der Isar entlang zum Aumeister. Mehr brauchte es nicht an diesem Tag. Auf einer Wiese dann Picknick. Sommer in der Stadt. Füße hoch.
über den zorn #2
der zorn kann kommen
wie der blitz vom himmel
aufgeladene gewitterwolken
in der hitze der nacht
das volk den zorn packen
über einen herrschenden
hinwegfegen. gottes zorn
furchtbar sein
unsägliche plagen senden
die wut, die einen packt
ein lächerlicher emotionaler akt
doch grollen und grimmen
noch zu mild erscheint, der
gerechte zorn einen packt und
aufbegehrt gegen das unrecht
reinigt das gewitter die luft
empört euch! indignez-vous!
der himmel ist blau!
Richter / Firenze #2
unschärfe verschieden
richters unscharfe gemälde
von scharfen fotografien
oder richters scharfe
fotografien unscharf
firenze, stadt der touristen
sehnsuchtsstadt der deutschen
die überschwemmte stadt
die stadt, die im sommer
kaum noch atmen kann
vor lauter menschen, die
mit ihren kameras die stadt
ablichten, auf den spuren der
medici, michelangelos david
anschauen, oder die venus von
botticelli in den uffizien
millionen fotos, millionen
ansichtskarten zeigen diese
stadt. richter übermalt diese
fotos, gegen den strom der
touristen, gegen die ach so
bekannten fotografien und
ansichtskarten. übermalt mit
öl, übermalt und gibt der stadt
ihr geheimnis wieder
todtnauberg
das pardon fällt nicht
leicht. nicht in den schoss
erarbeitet. der kniefall
einher. ein schnell
gesprochenes wort rasch
als lüge enttarnt. heideggers
todtnauberg. die hoffnung
kommt und geht seine wege
celans an- und abstieg von
der hütte. getroffen, vergangen
im russenhaus #2
im russenhaus traf die münter
den kandinsky, die liebe kam
die farben sprangen. im
russenhaus am see, sich traf
die münter mit dem kandinsky
und kamen dazu alle, die farben
im kopf. marc kam, werefkin
macke kam, jawlensky. voller
farbe murnau, der kleine ort
gelegen am see, voller farbe
die straßen blau, die häuser
gelb, als münter war in
murnau, im russenhaus
weg trieb der krieg die gäste