Sommerfrische. Jetzt. Gleich. Sofort

Sommerfrische. Jetzt. Gleich. Sofort. Nicht später. Der Süden wartet. Das süße Leben. Weg. Auf und davon. Nicht später.

Die Welt änderte sich

Erdbeben mochte Maria nicht, aber sie war damit aufgewachsen, hatte sich daran gewöhnt. In Italien bebte immer wieder mal die Erde. So schnell geriet sie nicht in Panik. Franz war da etwas nervöser. Doch in Florenz war eigentlich nie was. Über Liverpool hatte er sich gefreut. Drei Tore nach 21 Minuten ist deutlich. Mit Nagelmann und Hoffenheim hatte Franz kein Mitleid. Aber gab es überhaupt noch „Gute“ im Fußball. Die Welt änderte sich eben. Franz mochte auch keine Brotfabriken. Doch woher das Brot nehmen? Es gab ja fast nur noch solche „Bäckereien“. Neulich hatte er im Ruffini Brot gekauft. Handgemacht. Aber er kam auch nicht immer hin. Morgen Urlaub. Darauf freuten sich Franz und Maria. Sie hatten das Meiste schon verstaut im Rucksack.

samstagvormittag #2

im zeitungslesesaal der bibliothek

sitzen ältere herren vertieft in den blättern

eine aussterbende generation der leser

smartphonebesitzer sitzen hier nicht

 

nicht einmal der kleine feinkostladen

um die ecke führt die lieblingsschokolade

die regentropfen schlagen gegen das gesicht

im bücherkaufhaus stapel von büchern

 

in die ich keinen blick werfen will

zuhause wartet die wochenendausgabe auf

ein fortschreiten der lektüre

 

hin und wieder durchbricht die

junisonne den wolkenteppich

und erwärmt

in der mittagshitze #2

in der mittagshitze dösen die

katzen unter den olivenbäumen

hin und wieder wechselt eine

den ort, die grillen scheinen der

 

hitze gut gewachsen zu sein

eidechsen lugen hervor. wenn

wind aufkommt, wird die sonne

erträglich, erst später erwacht das

 

leben, noch ruhen die geschäfte

im vollklimatisierten auto

auszusteigen widerstrebt dem jungen

italiener, erst noch wird telefoniert

 

im schatten der bar wird über fußball

diskutiert. eine melone fällt beim

transport entzwei, matschiger

 

rot brei hinterlässt der lkw-reifen

schon nahen die ameisen zum

festmahl

Maria war schon ganz ungeduldig

Maria war schon ganz ungeduldig. Freute sich auf ihre Familie. Würde bald los gehen. In der Nacht von Freitag auf Samstag. Liegewagen. Firenze. Dauernd würden sie übers Essen reden. Und übers Wetter. Mama würde zur Höchstform auflaufen. Und Maria musste um ihre Figur fürchten. Drum wollte sie mit Franz auch über die Hügel düsen. Bewegung tat bei dem vielen Essen gut. Ihre Großeltern freuten sich auch, wenn sie kamen. Am liebsten wollten alle nur dasitzen und reden. Und dann Essen. Und dann wieder reden. Über den Fußball. Über Politik. Über die Liebe. Am liebsten aber über das Essen. Mehr brauchte es nicht. Die Sonne würde scheinen. Ein oder zwei Tage zum Meer. Je nach Laune. Im Garten würden sie ein wenig arbeiten. Für die Weinernte wird der Urlaub nicht langen. Ein paar Tage noch.

Müde fällt der Regen #2

Müde fällt der Regen

auf die Bäume, die Hunde

verkriechen sich unterm Tisch

nur ihre Besitzer zerren

 

fleissig an ihren Leinen

Größere Katastrophen sollen

vermieden werden, der Frieden

in der Welt nicht in Sicht

 

Gelangweilt gehen die Hunde

über die Straße, die Katzen

fangen heute keine Maus, überm

Zaun grüßen Sonnenblumen

Die Nackerten sind weniger geworden

Die Nackerten sind weniger

geworden im Englischen Garten

Trachtenmoden stehen im

Schaufenster, die Nacht kommt

 

immer früher, Wahlplakate werden

gerne verziert, die Isar kämpft

mit den Surfern, die Herbstzeitlosen

grüßen ganz zart in der Sonne

 

rasch laufen wir weiter, der

Sommer ist nicht mehr lang, unsere

Küsse wollen noch ausgetauscht werden

vor der Novemberdunkelheit

noch halten wir die zeit fest

über den gleisen fegt der wind

in kirschs garten keinen

holunder gefunden, längst verlaufen

im bücherlabyrinth, gegen die hitze

der nacht kein entrinnen

ermattet liegen wir am grünen see

der schwarze himmel türmt sich

auf, große regentropfen werden uns

heimbegleiten, später, noch halten

wir die zeit fest, bewegen uns nicht,

nur der himmel wird finsterer, wenn

der wind aufbraust, schwingen wir

uns aufs rad. dann. noch halten

wir die zeit fest

Gewitterregen

Die blaue Blume liegt gelb auf dem Küchentisch. Die Isar bringt viel Wasser aus den Bergen. Gewitterregen. Bäume liegen auf den Straßen. Müde Fußballfans fahren nach Hause. Franz war nicht im Stadion. Er ging nur selten. Mochte Fußball. Freute sich auf die neue Saison. Aber wollte einen anderen Meister sehen. Monotonie war nicht sein Ding. Mochte aber auch keine Abstiegsspiele. Zu viel Nerven kosteten die und zu wenig schönen Fußball als Gegenleistung. Das Gewitter hatte die Luft erfrischt. Ruhiger geworden die Stadt. Das Feuer der Grills erloschen. Rauchschwaden verzogen. Das Radeln durch die Stadt ging zügig. Mitunter spritzen die Pfützen auf.

Auf Hawaii bedeutet das Wort Kanaka Mensch

Die Zugfahrt gefiel nicht. Zu viele Betrunken. Fußballfans. Alle in rot. Saisonauftakt. Kein großer Jubel. Das Spiel längst vorbei. Abgehakt. Im Grunde begann die Langeweile wieder von vorne. Bayern gewinnt. Wird Meister. Keinen interessiert es. Keiner redet schlecht über den Gegner. Die Toilette wird ständig besucht. Bier ist noch reichlich vorhanden. Über andere Mannschaften wird gelästert. Dürfen absteigen. Überhaupt. Einer brüstet sich seiner regelmässigen Polizeikontakte. Nennt man wohl Vorstrafenregister. Hier und da eine Prügelei. Gewohnheitstäter. Gestörtes Rechtsbewusstsein. Kleinkriminalität. Das Wort Kanaken wird gern benutzt. Auf Hawaii bedeutet das Wort „Mensch“. Wird meist aber anders verstanden. Wurde natürlich als Beleidigung benutzt. Viele stimmten dem Redner zu. Man war ja Fan. Man war für die Roten. Fühlte sich stark. Für eine Schlägerei waren viele schon zu müde. Oder zu gelangweilt. Man war unter sich. Man war darüber froh. Franz ging lieber ins nächste Abteil. Weniger Fans. Weniger Biergestank. Der Regen hatte nachgelassen. Auf Hawaii bedeutet Kanaka Mensch.