tief fliegen die schwalben

die kornelkirschen gehen in die

röte, als wären sie deinen wangen

entsprungen nach sehnsuchtsvollen warten

brombeeren haben eine herbe süße

 

die zunge spürt deine salzige haut, die

sonne am see längst untergegangen.

liebe geht nicht geschwind, petrarca

schon lang nicht mehr aus unserm

 

mund gekrochen, tief fliegen die schwalben

lästig wedelt der hund nach der fliege

kastanien fallen hier und da schon herab

wir liegen engumschlungen

Nikolausfabriken

Die Nikolausfabriken hatten schon Hochkonjunktur. Auch die Produktion der Weihnachtsmänner lief bestens. Lebkuchen warteten schon auf die Auslage. Franz sah dies immer mit gemischten Gefühlen, wenn er nach dem Sommerurlaub heim kam. Aber er hatte ihn ja noch vor sich. Mit Zug und Rad nach Italien. Maria wollte ihre Eltern besuchen und drumherum wollten sie ein wenig über die Hügel der Toskana fahren. Für die Weinernte würde es noch arg früh sein. Die Eltern hatten nebenbei ein paar Rebstöcke. Aber sie würden ein wenig mithelfen. Als Student hatte Franz öfters in den Weinbergen gearbeitet. Lustiger Urlaub. Kost und Logis frei. Ein wenig seine Sprachkenntnisse erweitern. War öfters in Frankreich gewesen. Vergangenen Zeiten. Das Zugticket nach Firenze hatten sie schon. Doch vorher noch ein wenig Geld verdienen, ein wenig schreiben. Überall gab es jetzt wieder Trachtenmoden. Selbst der Aldi macht nicht halt. Da kam ihm der Urlaub recht. Die Wiesen kam früh genug. Die Nikoläuse auch

Sommerloch

Franz ging immer gern wählen, doch er verspürte diesmal noch wenig Lust. War noch Zeit, Spannung ging aber anders. Vielleicht war es ja das Sommerloch. Oder er wurde einfach älter. In der Früh hatte Franz ein paar Runden im Schyrenbad gedreht. Sein Heimstrecke.  Zwar fuhr er auch gern mal zum See, doch einfach den Berg runter und rein ins Wasser war wunderbar schnell. Danach harter er oft gute Ideen. Schrieb gleich los. Entweder noch im Bad, wenn es angenehm leer war. Oder daheim. Hauptsache eine gute Idee irrte durch den Kopf und wollte aufs Papier. Später musste er noch Geld verdienen, die Bar wartete auf ihn. Zuviel Schreiben war eben auch nichts.

abschiedslied auf den sommer

geschwind reifen die birnen, die meisten

rosen längst verblüht, der mais steht

noch das korn liegt in der kammer, die

eichhörnchen sammeln fleissig ihr

 

winterfutter, verflogen die zeitungen

der letzten tage, schon lange hat

der wecker nicht mehr geklingelt,

am see gegen die kinder runde um

 

runde verloren, zur insel geschwommen

jahr für jahr, mit jedem flügelschlag

fingen die barthaare an zu wachsen, das

abschiedslied auf den sommer schon geübt

Am Meer das Salz #2

Am Meer das Salz von den

Lippen geküsst, sacht plätscherte

die Gischt an den Strand, wir

liefen über den nassen Sand

 

durch´s Haar fuhr der Wind

die Postkarten hatten wenig Text

für Fotos keine Zeit, in der Früh

schwarzen Kaffee, der Sommer

 

schien unendlich lang die Hitze

der Nacht erfreute, Homer wurde

nur selten herausgeholt, die Irrfahrten

 

mussten warten, der Gesang

der Sirenen, so schön

war er, die Insel war nicht weit

der billige rotwein

briefe nicht geschrieben und

doch weggeschickt, die saiten

der gitarre längst zerrissen, der

billige rotwein langt auch für

einen rausch, der küsse der

geliebten vergessen, fahl nur der

mond scheint in der trüben nacht

die tränen nicht geweint

 

 

 

Postkarten

Mitunter, wenn es ihm gerade einfiel, als Fingerübung, als Laune, schöne Geste, langsamer als Twitter, schrieb Franz Postkarten. Mal aus München. Mal aus der Ferne. Mal seiner Freundin. Mal einem Freund. Oder der Familie. Wenig Platz. Doch mehr als 120 Zeichen. Keine an Trump. Auch nicht an Frau Merkel. Er mochte diese Enge. Liebe den Füllfederhalter oder Bleistift. Schrieb im Café. Oder am Schreibtisch. Auf der Parkbank. Oder an der Isar. Meist weniger über das Wetter. Um in Schwung zu kommen. Um den Menschen einen Gruß zu senden.

Augustregen. Carmen

Augustregen. Schlechte Wetterprognosen. Zumindest für eine Open-air-Veranstaltung. Maria und Franz fuhren im Regen los. Es half ja nichts. Besser sollte es gegen Abend werden. Am See nur noch vereinzelt. Mit dem Zug wären sie schlecht zurückgekommen. Eine Übernachtung zu teuer. Carmen am Bodensee. Bregenzer Festspiele. Umkehren war die Frage, aber nicht die Alternative. In der Stadt gingen sie noch schnell etwas Essen. In der Bar noch einen Kaffee. Verschwunden der Regen. Am Ufer entlang erschien die Sonne. Fast unwirklich. Verfärbte den Himmel. Die Nacht kam. Das Orchester saß im Trockenen. Carmen schwamm durch den See. Das Herz erfreuendes Bühnenbild. Feuerwerk durfte nicht fehlen. Der Zuschauer will was geboten bekommen. Zügig die Inszenierung. Für Pause keine Zeit. Sterne zeigten sich. Himmel abgelaufen. Später noch kurz zurück in die Bar. Maria und Franz mochten gerne Opern. Sommerkost gewesen. Die Bar wunderbar.

das verschwimmende gesicht #2

wenn das portrait kein portrait

das gesicht nicht als gesicht

die person nicht wiederzukennen

die nase nicht mehr vorkommt,

 

die ohren verlaufen, die augen zur

höhle verkommen, das glück den

personen nicht hold, als sie modell

standen dem francis bacon,

 

zerrissen das herz, die kümmernis

lastet schwer, wenn malt bacon das portrait

zu lauern nicht das paradies auf erden, die

hölle nur scheint reserviert

dem arno entlang #2

dem arno entlang

über die hügel, der

nackte bacon im kopf

eichenwälder, olivenhaine

 

junge katzen wälzen sich

in der sonne, bachs cello-suiten

im ohr, von ferne rauschen die

autos auf der schnellstraße

 

der nachthimmel zerspringt

vor lauter sterne, wildschweine

und rehe wandern, grillen

singen ihr „gute nacht“-ständchen