Eisdielentour

Franz mochte den Spätsommer, mochte den August. Nicht, dass München ausgestorben wäre. Fast schien man die Sommerferien kaum zu bemerken. Aber das Wetter war kühler geworden, im Freibad konnte man ungestörter seine Bahnen ziehen. Am Abend machte Franz seine Eisdielentour. Zwei, drei Eisdielen in der Stadt ansteuern, eine Sorte Eis essen und entspannt weiter radeln. In Italien liefen die Leute immer den Corso auf und ab. Franz dreht seine Runde durch die Stadtteile. Bei dem Geschmack des Eises war Franz eher konservativ. Weniger Innovation fand er besser. In ausgehenden Sommer war die Sehnsucht nach Eis bei Franz um so größer. Als könnte er den Sommer festhalten. Zum Schreiben blieb da wenig Zeit.

matsushima

nicht erreicht matsushima

in der nacht, die inseln der

hoffnung liegen da,

kiefernnadeln ins feuer

 

bashos reise zu sich, weite

pfade gegangen, auf der suche

fußspur auf fußspur, über

die brücken des glücks

Ende Juli #2

der sommer hält nicht immer

was er verspricht, die gewitter

jagen sich, die blitze teilen die

wolken, der donner vertreibt

 

die schwimmer vom see, die

grillwürste werden nass, die städter

verlassen fluchtartig das land, die

ertragslage für regenschirmverkäufer

 

könnte kaum besser sein, nur

in den träumen laufen wir barfuß

über sommerwiesen, an den

 

silberdisteln vorbei, während die

stadtbewohner längst im trockenen

sind, geht die kuh nass in den stall

Schaut und lest!

Ausreißer, die Grazer Wandzeitung hat einen Text von mir veröffentlicht.

Ausreißer. Grazer Wandzeitung

regentage #2

an manchen tagen weint der

himmel, wird nass  das herz

wolken schwer hängen am

gewölk, die stiefel saugen

 

sich voll, die wiese ein einziges

meer voll tränen, über läuft

die regentonne im garten, als

wollte es wegschwimmen, das herz

diotima weit entfernt

die nacht vertreibt die schatten

nicht, der mond verborgen hinter

schwarze wolken, fern die sterne

der schlaf kommt geschwind

die katze streift ums haus, das

erinnern will nicht gelingen, einsamkeit

fährt in die glieder, diotima weit

entfernt, kälte zieht ins zimmer

Düsseldorf HBF

Ein Bahnhof teilt Welten. Die Einen steigen in den ICE ein und fahren zum Flughafen. Andere von der Nachtschicht mit der S-Bahn nach Hause. Manche steigen gar nicht ein und winken den Abreisenden hinterher. Doch einige sind nur da, weil es was gibt. Suchen im Müll nach Pfandflaschen oder Lebensmittel, suchen den Boden ab nach Rauchware. Maria wartet auf ihren Zug nach München. Eine Reisende, vielleicht in Urlaubslaune, gibt einem Suchenden Kleingeld. Erleichtert und froh geht sie zu ihrer Reisegruppe. Vielleicht Frankfurt-Flughafen. Der Beschenkte geht weiter seiner Tätigkeit nach, durchwühlt den Müll, nachdem er das Geld eingesteckt hat. Sein Gang zeugt nicht von Gesundheit. Sein Alter kann Maria schwer schätzen. Wer mit dem ICE reist, ist privilegiert. Auf ihrem Bahnsteig stehen bessere gekleidete Fahrgäste. Manche wollen in die weite Welt fliegen. Heim nach Tokio, endlich mal New York, Zumindest Mallorca ist drin. Andere haben einen Junggesellenabschied geplant. Größere Vorräte weisen das Ziel. Maria hatte Freunde besucht, Bilder angeschaut. Kein Flug in die Ferne. In einigen Tagen würde sie nach Florenz fahren. Zur Familie. Aber erst heim nach München. Sie musste nicht vom Müll leben.

Der deutsche Diesel

Franz fand, dass die AfD einen sehr speziellen Humor hatte. Neu entdeckte die AfD den deutschen Diesel für den Wahlkampf.  Vermutlich ging die AfD davon aus, dachte Franz, dass die Deutschen ein besonders zähes Volk sind. Nicht nur, als Steigerung zu Hitler und Goebbels, hart wie Kruppstahl, zäh und flink usw. Auch immun gegen Feinstaub. Wahrscheinlich würden die Deutschen so auch den weiteren Ansturm der Migranten auf die Festung Europa und auf das christliche Abendland überstehen. Dank deutschem Diesel und seinem Feinstaub. Franz fuhr erst mal eine Runde mit dem Rad. Ein Dieselfahrzeug würde er nicht mehr kaufen.

sommerfrische #2

aus der mode, doch

wunderbar, über die berge

in den süden, das süße

leben geniessen, das entspannte

 

nichtstun, zwischen oliven

zypressen, oleander den rosmarin

pflücken, feigen vom

baum essen und die beine

 

ausstrecken. hin und

wieder ins wasser springen

den eidechsen beim sonnen

zusehen und in der bar

 

einen kaffee trinken

platon in der schublade

sommerglut. auf götter müssen

wir gefasst sein. sturm umbraust

das meer. mit diotima führen

wir gerne gespräche. fern

 

des verstandes berührten

sich die leiber. platon

blieb in der schublade, die

sterne erhellten die gesichter