Die Jäger gehen ohne Beute heim

Fasanen laufen nicht über die Felder

der Maisernter erwischt immer wieder ein

Reh, Herbsthimbeeren färben die Zunge

 

blutig, heruntergefallene Nüsse haben ihre

schützende Hülle verloren, eilig laufen die

Liebenden nach Hause, auf dem Herd

 

kocht eine Suppe, eifrig basteln die Kinder

am Drachen, wenn Wind kommt, wollen sie

bereit sein, die Wolken am Himmel lassen

 

sich noch Zeit, Vivaldis Concerto grosso

tanzt über die Auen, die Jäger gehen

ohne Beute heim

Häuser baut jetzt keiner mehr

 

Nebel umhüllt die Welt, als würd

noch schlafen sie, Blätter gehen

ins dunkle Rot, Wolken auf der Straße

 

liegen, von fern die Lichter dringen

durch den Dunst, Häuser baut jetzt

keiner mehr, im Park die Bänke

 

bleiben leer, in der Nacht liegt

Handke aufgeschlagen neben dem

Bett, zugefallen längst die Augen

Russendisco daheim

Meine Fresse lachte im Morgenspiegel, Postkarten

haufenweise im Briefkasten versenkt, der Kaffee

fließt direkt ins kalte Blut, die Furchen auf der

Stirn verschwinden deswegen nicht, am Fenster

 

gegenüber Rippenunterhemd über Tattoo, vor der

Haustüre das tiefergelegte Prachtstück, frisch poliert

sein Besitzer übt sich gerade in Kickboxen, der Makler

sprach von nicht vorhandenen Filetstücken, der Hausputz

 

klafft auseinander, im Kühlschrank Bierdosen, altes

Brot, Dosen von Hundefutter gibt es reichlich, auf dem

Fußboden leere Wodkaflaschen von der Nacht, Russendisco

daheim, ohne Musik

Der Wechsel

Manchmal gehen die Dinge schnell. Zumindest im Fußball. Die Politik läuft da manchmal hinterher. Bayern München hatte, kaum auf Platz drei in der Bundesliga gelandet und damit in höchster Abstiegsnot steckend, gehandelt. Respekt, fand der Franz. Auf Rummenigge war verlass. Bei der CSU war das anders. Da war ja Seehofer selber der Chef, der kein Interesse hatte, sich selber auszutauschen. Auch die SPD ist weit entfernt vom FC Bayern. trotz großer Verluste kein Rausschmiss. Dies gäbe es beim Rummenigge nicht. Der hätte den Schulz schon im Frühjahr rausgeschmissen. Die CDU kam dem FC Bayern noch am nächsten. Wollen immer oben stehen. Doch am Stuhl der Merkel sägte noch kein Rummenigge. JA, schauen die in der CDU denn keinen Fußball? Sind denn die keine FC Bayern-Fans? Gut, die CDU stand ja noch auf Platz eins. Aber Franz vermisste ein wenig die Dynamik in der Performanz. Ein neuer Trainer war da doch längst überfällig. Aber Franz war weder von der CDU noch vom FC Bayern Fan. Nach dem Spiel ist immer vor dem Spiel, nach der Wahl auch. Es gab Zeiten, da freute sich Franz auf neue Minister, eine neue Regierung. Entspannt schaute Franz in die Zukunft. Der Abend war mild. Lange noch saß er auf dem Balkon. Schrieb noch ein wenig. Freute sich auf Maria. Musste dann nicht über Politik sprechen.

Postkarten aus der Ferne

die milchfarbene Decke lag zart über

den Hügeln, nach dem Melken treibt die

Bäuerin die Kühe aus dem Stall, das Gesicht

eine Landschaft, das dunkelblaue Kopftuch

 

hält die Haare in Zaum, beim Gehen hilft

der Stecken, krumm von der Arbeit der Rücken,

woanders war sie nie, ihre Enkel schicken

manchmal Postkarten von der Ferne, später wird

 

die Sonne über die Hügel steigen, sie freut sich

schon auf den warmen Kaffee zum Frühstück, die

Stiefel stellt sie vor die Türe zum Trocknen

der Sohn wollte den Hof nicht übernehmen

 

Lila Astern

der Mäusebussard wartete geduldig

auf sein Essen, der Mais stand gelangweilt

neben der Straße, davonfliegende Schwalben

machen keinen Sommer mehr

 

Septembersonne trügerisch, Küsse im

Nacken erhellten ihr Gesicht, der

Zwetschgendatschi, roch nach

Großmutters Küche, die Abendandacht

 

fand auf dem Feld statt, früher, Meckels

Muftoni geht schon lang nicht mehr

spazieren, lila Astern liegen andächtig

am Wegesrand

Über das Entfernen der Wahlplakate

Nach der Wahl ist immer vor der Wahl. Erst recht in Bayern. Franz hatte sich schon auf die Zeit nach der Bundestagswahl gefreut. Über das Entfernen der Wahlplakate. Über weniger Meldungen auf Twitter über AfD etc. Aber er hatte sich getäuscht. Nach der Wahl wurde noch mehr über die AfD geredet. Dabei war die AfD keine Überraschung und auch die konkreten Ergebnisse waren nicht so überraschend. Nur das die CSU so hoch verloren hatte, damit hatte Franz nicht gerechnet. Seehofer wohl auch nicht. Unruhigen Zeiten standen bevor. So wie Schulz sah Seehofer plötzlich alt aus. Franz würde auf beide nicht wetten wollen. Die Zeit nach der Wahl schien Franz diesmal besonders spannend zu sein. Doch Ruhe würde schon wieder einkehren. Nicht im Bundestag. Da hatte sich was wesentliches geändert. Der Umgangston würde rauer werden. Eine rechtspopulistische Partei war jetzt auch im Bundestag. Andere europäischen Länder hatten dies schon länger. Über 70 Jahre nach der Hitler-Diktatur. Der Frühherbst war spätsommerlich. Ein viel zu schönes Wetter für so ein Wahlergebnis.  Franz genoss die Wärme auf dem Rad, rumkurvte die vielen Touristen, die sich auf dem Radweg verirrten, mied die Innenstadt, doch an der Isar kam er nicht aus. Manchmal musste er überraschend bremsen. Der eine oder andere Tourist vertrug die Sonne wohl schlecht. Oder das Bier am Mittag. Franz überlegte, ob er noch einmal auf die Wiesn gehen sollte. Vielleicht traf ersuch auch einfach mit ein paar Freunden im Biergarten. Da war weniger los. Ausser ein paar Kastanien, die herabfallen könnten, drohte dort keine größere Gefahr.

verstaubt das klavier #2

verstaubt das klavier, auch die

staffelei müsste mal wieder, doch

lieber sitzt ich im ohrensessel, die

finger sind nicht mehr so flink, malen

 

was soll ich schon noch malen, nicht

einmal die wörter fallen mir aus der hand

der regen peitscht die blätter von den

bäumen, verwelkt stehen die rabatten

 

die astern färben noch himmelblau

eichhörnchen haben ihre nüsse längst

im trockenen, gelesen noch in der früh

am abend müde die augen, auf der

 

straße liegt der blätterwald, wird bald

frost kommen. vielleicht sollt ich doch

noch einmal bach spielen, oder chopin

die noten liegen noch irgendwo herum

 

am abend, wenn der staub nicht wäre

möglicherweise werden die anderen

verrückt, wenn sie allein sind

ich hab mein klavier

Christbäume stehen noch ungeschmückt im Wald

tägliches Zähne putzen gleich das

Schreiben, die Christbäume stehen

noch ungeschmückt im Wald, Obstbäume

fast abgeerntet, das dunkle Rot der späten

 

Himbeeren erfreut noch, viele Stauden

längst abgeblüht, die Sonnenblumen

träumen noch von wärmeren Tagen, ein

reinigendes Ritual, die klein gehackten Zwiebel

 

landen im Topf, die Wörter machen

einen Abendspaziergang bei rotem Himmel,

das septembernass Grass am Abend längst

 

getrocknet, Lebkuchen im Supermarkt

links liegen gelassen, am Zitronenbaum

hängen grüne Früchte

 

Angenehmes Treiben in der Früh

Angenehmes Treiben schon in der Früh. Viel los beim Gang zum Bäcker. Der eine oder andere Passant herausgeputzt. Ungewohntes Gedränge auf den Bürgersteigen am Sonntagmorgen. Franz hatte auch seinen Wahlschein dabei. Erst in die Backstube, dann ins Wahllokal. Man trifft schon diesen und jenen in der Früh. Alle gute gelaunt, grüßend. Ist nicht immer so. Kein Geschimpfe, kein Gemeckere. Der Wahlzettel ist übersichtlich, den Ausweis musste er gar nicht vorzeigen. Eher wenig Parteien stehen zur Wahl. Franz hatte mit mehr gerechnet. Am Tag zuvor hatte er aus Spaß den Wahl-o-Mat angeworfen, seine Antworten reingesteckt und auf den Ausspuckknopf gedrückt. Das Ergebnis hat ihn nicht überrascht. War für ihn nur ein Spiel. er wusste auch so, wen er wählte. War kein Wechselwähler. Die Sonne strahlte. Der Zettel war schnell in die Urne geworfen. Freudig ging Franz zum Frühstücken nach Hause. er wollte den Tag mit Maria auf der Kampenwand verbringen. Später dann vor dem Fernseher. Vielleicht bei Freunden am Chiemsee.