Figaro

Trump trieb sich noch in der Schweiz rum. Die Türken schickten Panzer gegen die Kurden. Schulz will ins Kabinett. Wenn es denn eins gibt. Franz überlegte sich schon, ob er nicht auch in die SPD eintreten solle. Schulz als Minister fand er keine gute Idee. Das Seehofer noch was werden wollte, war ja klar. Der ist ja noch jung. VW spannte Affen vor ihr Auto. Weil Abgase so gesund sind. In den Gärten sind die Schneeglocken schon zu sehen. Franz hatte die Handschuhe beim Rad fahren ausgezogen. Frühlingsstimmung Ende Januar. Ein wenig zu früh, kaum Frostnächte bislang. Der wenige Schneefall in der Stadt längst verschwunden. In München nahmen die Faschingsbälle langsam zu, doch auf den Straßen sah man fast nichts davon. Nur in der U-Bahn verkleidete Fahrgäste. Maria fand das lustig. Am Abend gingen sie in die Oper. Rossini. Barbier. Leichte Musik. Sie gingen mit Freunden.

Macht

Als Sturm aufbrauste, der Wahnsinn

kam, Lear mit Donner und Blitz kämpft

die elende Brut, schwarze Wolken

 

verkünden Unheil, der Gram wird ihn

bald brechen. Die Abgabe der Macht, ein

gescheitertes Unterfangen, Blut und Galle

 

fliegen herum, der Hass in den Augen

vergiftet das Herz, der Wahnsinn geht

nicht mehr fort

Krähenschnabel

Im Winter gingen die Krähen auf den

Acker nieder, zwischen den Spuren von

Schnee gewühlt in der schwarzen Erde.

 

Verrotteter Mais zwischen dem Schnabel.

Ausgeruht auf den Strommasten der Nacht

entgegen, Sonnenreste verzieren den

 

Himmel mit einem dunklem Rot. Die

Heiligen Drei Könige sind längst heimgezogen

die Krippe auf dem Dachboden gelandet.

Davos

Franz mochte das Jammern nicht. Nicht über die GroKo und sonst auch nicht. Aber für eine neue Regierung wurde es langsam Zeit. Mit oder ohne Schulz. Ohne wäre ihm lieber, erschien ihm sinnvoller. Auch in der CDU würde es sicher bald rumoren. Die hatten ja auch reichlich bei der Wahl verloren. Das Handballspiel am Abend hatte ihn erstaunt. Hatte die neue Taktik mit sieben Feldspielern noch nie gesehen. Ging auch ziemlich in die Hose. Die Deutschen hatten sich gegen Spanien gewaltig blamiert. Franz fand es erstaunlich, dass ein seriöses Magazin wie Spiegel online dauernd über Dschungelcamp schreibt. Er fand die Sendung seltsam und widerwärtig. Meist war sein Fernseher eh aus. Radelte lieber an der Isar entlang. Schnee war eh keiner im Weg. Nur in Davos, da war der Trump gelandet.

Katowice: Boleslaw

In Katowice hatte es Arbeit gegeben. Drum war seine Familie hergezogen. Sein Vater hatte Stahl gekocht. Boleslaw wohnt mit seiner Frau in Superjednostka. Einem riesigen Hochhauskomplex. In der 13. Etage. Plattenbau. Schon seit dreißig Jahren lebt er hier. Früher mit seinen Eltern. Dann eine eigene Wohnung. Das Haus ist wie eine eigene Stadt. Hier kennt nicht jeder jeden. Nebenan ist der Spodek. Da ist oft was los. Nach der Arbeit schaut er dort manchmal vorbei. Konzerte. Sport. Er könnte fortziehen von hier. Hätte genug Geld. Ist Ingenieur geworden. Sein Vater ist mächtig stolz auf ihn. Er hat es geschafft. Gute Ausbildung. Hat in Katowice studiert. War am einfachsten. Hatte daheim gewohnt. Seine Freundin hatte ein Zimmer im Studentenwohnheim gehabt. Klein. Doch dort konnten sie ungestört sein. Jetzt war er schon lange verheiratet. Kinder hatten sie keine. Sie hätten schon gewollt. Seine Frau war Ärztin im Krankenhaus. Hatte oft am Wochenende Bereitschaft. Dann ging Boleslaw gern mit Freunden in die Arena. Geldsorgen hatte er nicht. Lebte gern in Katowice. Die Luft wurde auch immer besser.

Habseligkeiten #2

Eingepackt die ganzen Habseligkeiten. Selig mit den wenigen Dingen. Sind es die letzten nach dem großen Sturm? Abgeworfen der ganze Ballast? Angekommen mit nur ganz wenig Dingen? Kommt die Glückseligkeit? Hat das letzte Hemd keine Taschen nicht, wer braucht schon mehr? Als hätte der Junge seine Schätze aus der Hosentasche ausgepackt. Habseligkeiten.

leere Schwalbennester

Unter dem Dach klebten die leeren

Schwalbennester, darunter der

zurechtgestutzte Weinstock, blattloses

 

Gerippe im Winter, im Keller die geernteten

Äpfel des Herbstes, ins Braun gehen Wiesen

nach der Schneeschmelze, noch ist eine Rückkehr

 

der Vögel nicht zu erwarten, Samen wartet in

den Tüten auf den warmen Mutterboden, die Hände

des Gärtners sind in Ruhestellung

Zum Flughafen #2

Der Weg zum Flughafen, die S-Bahn wird langsam voller. Viele haben große Gepäckstücke dabei, die Urlaubssaison hat schon längst begonnen. Mallorca muss angeflogen werden, er sitzt in seinem Anzug, braucht den Flieger nach Berlin. Spät dran ist er, sein Laptop muss die Mails noch schnell verschicken, neben ihm schwitzt eine Frau, seine Schuhe glänzen. Für zwei Tage Berlin, der neue Kunde will ein Konzept. Für seine Träume ist da kaum Zeit, eine Umbuchung kommt nicht in Frage. Gleich fährt die S-Bahn in den letzten Bahnhof ein. Nach oben führen die Rolltreppen, der Duft des Mittelmeers fliegt durch seinen Kopf, seine Füße finden den Weg zum Schalter allein.

Und tiefer fällt #2

Irrt und irrt Lenz durchs Gebirge und irrt und fällt, tiefer hinein, fällt tiefer hinein in sich. In sich tiefer fällt und nicht findet, den Halt, den Halt nicht findet in sich und fällt und Oberlin nicht halten kann, nicht halten kann den Lenz.

Persephones Lachen #2

Weg fließt der Schnee vom Himmel ins dunkle Meer.

Zwischen Himmel und Erde geschwebt, schwarzgrau am

Straßenrand. Februarsonne scheint auf, der Fluß wird lauter

Stund um Stund, das Grab des Odysseus wird keiner finden,

Persephones Lachen über das Meer widerhallt.