Verblühter Löwenzahn #2

Über den See gerudert, die Münter nicht zuhause.

Die Bäume nachgezählt, Berge in einem versunkenen

Rot. Stoßstange an Stoßstange auf dem Weg. Die

 

Sonne trieb die Städter voran. Auf der Hinfahrt den

Pferden einen Gruß dargeboten. Vereinzelt auch einer

Kuh. Der Mond wollt später nicht auf das Wasser scheinen.

 

Den Sternen nachgegangen. Lang dauerte die Reise. Am

Rand des Sees verblühter Löwenzahn. Weggeblasenes Glück.

Den Möwen beim Schlafen zugeschaut.

Kajaani: Maija

Die Sommer in Kajaani mochte Maija. Sie waren unendlich hell. Am liebsten war sie dann am Oulujärvi. Der See wurde schnell warm im Sommer. Nicht besonders tief. Gern schwamm sie dort ihre Runden. Mit dem Großvater war sie dort gern zum Angeln gewesen. Im Winter war der See lange zugefroren. Oft bis zum Mai. Es gab einige Insel auf dem See. Am schönsten fand sie die Manamansalo. Sand für die Füße. Im Sommer kamen viele Touristen. Kaija fing gerne die Barsche. Auf Hecht stand sie nicht so. Ihre Familie hatte ein altes Ruderboot. damit fuhr sie immer auf die Insel. Manchmal blieb sie über Nacht am Strand. Während der Woche arbeitete Maija in der Sägerei. Holz gab es hier überall. Holz war immer da. Auch ihr Haus war aus Holz. Früher hatte Maija bei Nokia gearbeitet. Da hatte sie in Helsinki gewohnt. Doch sie war froh, wieder in Kajaani zu sein. Hier war alles ruhiger. Der Winter länger. Der Sommer schöner. Am liebsten war sie am See. Wenn sie zur Insel ruderte, war sie glücklich.

spargelstecher #2

unbehaust die felder, der aprilwind treibt die vögel

vor sich her, die raben wehren sich tapfer gegen den

späten schnee, die mützen der Radfahrer sind tief ins

 

gesicht gezogen, der bauer flügt für die Saat den acker,

zieht wellen über das land. die sonne verliert gegen

die wolken den kampf. die spargelstecher krümmen

 

ihre rücken, später karren die alten busse sie wieder

in ihre schlafstätten. der sohn des bauern heult mit seiner

crossmaschine über die rauen wege.

 

kühe sieht man hier keine. schweine haben schon lange

keinen ausgang mehr. ein verlaufender hahn kräht

um sein leben.

Spargelzeit

Die Pollen färbten die ganze Stadt in Gelb. Auch das Fahrrad von Franz erstrahlte in frühlingshafter Farbe. Nicht nur die Dächer der Autos. Voller Freude hatte Franz Spargel eingekauft. Am Anfang war der Spargel immer besonders spannend. Da brauchte er nur Spargel und Kartoffeln. erst später überlegte sich Franz andere Rezepte. Zum Glück hatte  er ein paar Freunde, die ihm immer eine Lieferung vom Land mitbrachten. Manchmal fuhr er auch raus aus der Stadt, um sich größere Mengen zu besorgen. Doch natürlich fuhr er nicht nur wegen des Spargels. Besuchte auch Freunde oder machte eine längere Tour mit dem Rad. Im Wittelsbacher Land gab es auch schöne Hügel. Während Merkel sich mit Trump traf, hatte Söder ein Kreuz aufgehangen. Der Wahlkampf waren im Gange, die AfD saß Söder im Nacken. Der Echo ist weg und die Musikindustrie würde den Verlust verschmerzen können. Vielleicht ist doch nicht alles egal. Bayern hatte gegen Real verloren und am Abend kommen Freunde zum Essen. Kartoffeln, Spargel, ein wenig Butter. Und Wein.

maienkönigin #2

die wallfahrer benötigen kein feigenblatt

mehr, das ave maria schnell gebet, auf dem

berg dann glückseliger rausch nach langen

strapazen das dirndl der bäuerin sitzt stramm

ähnlichkeit mit picassos frauenbilder eher

zufällig, am ende noch ein letzter rosenkranz

bevor der rausch einen übermannt

 

vergelt´s gott

Stille umgab uns #2

Fern der westlichen Welt, der Pfirsichbaum

will seine Knospen bald öffnen, die Wellen des

Meeres schlagen gegen die Ufer, unter geht

 

langsam die rote Frühlingssonne, der

Gartenpfad wird abgeschritten von uns

Suppe und Gemüse gereicht, Matcha in die

 

Teeschale gestreut, der Besen verrührt

voller Freude reicht der Gastgeber die Schale

Krokusse blühen im Garten.

 

Stille umgab uns.

Schreibwarengeschäft

Das Geschäft war nicht groß. Claudia ging gerne hin und bekam alles, was sie brauchte. Mal holte sie eine Zeitschrift. Mal spielte sie Lotto. Freitags war sie fast immer dort. Noch schnell das kleine Glück ankreuzen. Immer die gleichen Zahlen. Schon seit Jahren. Geburtstage ihrer Familie. Glückszahlen. Sie verriet sie niemanden. Gewonnen hatte sie noch nicht viel. Hier und da ein kleiner Treffer. Doch das Glück würde schon kommen. Claudia glaubte daran. Sie würde es gut brauchen können. Würde ihre Wohnung hübsch machen. Ein neues Sofa wäre schön. Eine Reise mit dem Flugzeug. Raus aus Berlin. Sie wollte immer mal nach New York. Doch mit den Kindern war dies zu teuer. Die Verkäuferin kannte sie schon lange. Sie redeten immer ein paar Worte. Über das Wetter. Über die Gesundheit. Über die Politik. Manchmal auch über das Kochen. Wenn es Mittag war, kochte sie immer was warmes. Die Kinder waren schon größer. Ihr Mann war schon länger nicht mehr ihr Mann. Hatte sich anders entwickelt. Die drei Kinder musste sie allein durchbringen. Sie hatte out Nachtschicht. Da verdiente sie mehr. Am Wochenende kaufte sie sich manchmal eine Packung Zigaretten. Hatte Lust, auf dem Balkon eine zu rauchen. Nicht vor den Kindern. Die mochten das nicht. Sie lebte gern in Spandau. War dort aufgewachsen. Weg wollte sie nicht. Nur ein Flug nach New York.

Fliegen die Silben #2

Fliegen die Silben durch die Luft, überqueren geschwind

den Lech, durch die Wertach geschwommen sind den Bergen

gerade entkommen und doch umschlungen von der Sehnsucht

 

sie träumen von den Gipfeln hoch, verlieren sich schnell und

finden nicht einander, die Zungen stolpern über sie. Gestammel

über die Ufer dröhnt, der Sinn verloren gegangen

Verborgen doch der Mond #2

Verborgen doch verborgen, als wollt nicht sein

der Mond er will nicht zeigen, wie soll ich führen

das Gespräch mit dem Mann vom Mond?

 

Nicht sichtbar ist und doch so nah und welche

Sprache spricht? Könnt sehen ich sein Gesicht

erraten könnt ich vielleicht die Wünsche, doch so bleibe

 

ich heut Nacht wohl allein, soll ich rufen oder gar schrein?

sehen werd ich ihn nicht und wo er ist, das wird

ein Rätsel bleiben

Kirschblüten

Zwischen den unendlich weißen Kirschblüten

freuten sich die Amseln. Als wäre ihr Festmahl

schon zubereitet, als könnten sie die Süße der

roten Früchte schon riechen, verharren sie still

 

im Baum. Vergnügt laufen die Kinder zur Rutsche.

Der April kennt keine Schrecken. Der Biermann hat

es gewusst. Schön wird die Kirschenzeit. Deine Lippen

sind noch röter als sonst. Nicht enden die Küsse.