Die Stachelbeere #2

Im Sommer gibt es gar sonderliche Früchte im Garten zu essen. Nicht nur süße. Stachelbeeren z. B. Er aß sie manchmal gerne, diese sauren Früchte, die die Vögel, anders als die süßen Kirchen, gerne am Ast hängen lassen. Viele hatte er nicht im Garten, doch genug, um immer wieder eine Hand voll davon essen zu können. Die Mungatzen,
Ägäisch oder Druschen. Weit verbreitet und doch wenig geliebt. Erdbeeren gibt es überall an jeder Ecke in lustigen Erdbeerhäusern zu kaufen, aber ein Stachelbeerhaus? Hatte er nie gesehen. Marmelade kochte er gerne aus den Beeren, die am Strauch noch übrig blieben. Da zog sich der Mund weniger zusammen. Sein Großvater hatte früher gerne auch Kompott daraus gemacht, doch Kompott ist auch aus der Zeit gefallen.

Kornfeld #2

Niedergedrückt vom Gewitterregen liegt das Korn

auf dem Feld, verlassen haben die Halme die aufrechte

Position, zu stark geschlagen die Wassertropfen, die

Kornblumen bewahren noch tapfer ihre Haltung. Noch

blüht der Mohn, der Mähdrescher wartet noch.

Wellen bereden ihren langen Weg

Abgelaufener Himmel in der Abenddämmerung, die

rote Sonne schickt die Vögel in den Schlaf, später

werden die Glühwürmchen sich durch die Nacht

treiben, mit den letzten Kirschen fliegen die Amseln

heim. Die Kinder haben ihre Fahrräder in die Garage

gestellt, müde trägt der Nachbar seine Hängematte

ins Haus, vom Fluss ertönt leise Musik, Wellen

bereden ihren langen Weg von den Bergen, die Stadt

will noch nicht schlafen und doch träumen wir

Holzhammer

Franz mochte keine Holzhammer. Trump anscheinend schon. Hatte seinen gern dabei und mal wieder damit draufgehauen. Für Porzelanzerschlagungen aller Art ungemein effektiv. Für eine sinnvolle Politik doch eher ungeeignet. Merkel machte da eine bessere Figur. In Russland würde bald der Fußball beginnen. Noch war Franz ganz entspannt, obwohl es schon die ersten Einladungen gab. große Euphorie verspürte er noch nicht. Allmählich entwickelte er sich zum Gewitterexperten. Würde er noch trocken nach Hause radeln können oder doch schlagartig nass werden? Der Frühling, der kein Frühling war, bot dafür zahlreiche Gelegenheiten. Kein Tag verging ohne Gewitterwolken am Horizont. Erdbeermarmelade schon eingekocht. Die Sonne hatte ihnen Süße eingetrieben. Auch die Kirschen reiften im Akkord. Der Duft der eingekochten Marmelade liebte Franz. Gerne verschenkte er auch das eine Glas. Oder das andere.

Und tiefer fällt #2

Irrt und irrt Lenz durchs Gebirge

und irrt und fällt, tiefer hinein, fällt

tiefer hinein in sich. In sich tiefer fällt

 

und nicht findet, den Halt, den Halt

nicht findet in sich und fällt und Oberlin

nicht halten kann, nicht halten kann den Lenz

Junigewitter

Die süßen Kirschen verleiteten zu riskanten

Klettermanöver, den gierigen Vögeln

zuvorkommend wollend, schwarze Wolken

drückte das Gewitter runter, barfuß sah man

 

viele später Radeln, die aufgeweichten Schuhe

irgendwo verstaut, die Sehnsucht nach den Küssen

der Geliebten trieb ihn voran, die nassen Kleider

beschleunigten nur seinen Tritt, Erdbeeren

 

wanderten zwischen den Mündern, laut sang er eine

Arie von Verdi, immer wieder La Donna e mobile

Ultramarin Pigment blue 29 #2

Übers Meer, so glaubte er zu finden das richtige Blau, übers Meer. Hinter den Wellen.
Nicht irgendein, ein himmlisches, nicht von dieser Welt seiendes Blau zu malen Maria und Jesus. Im Norden von Afghanistan fand er es, das Blau, welches himmlisch war, viel zu blau für das Meer, viel zu blau für den Fluss, nur für Jesus und Maria brauchbar war es, nicht von dieser Welt, übers Meer gefahren, hohe Berge überlaufen fand er das überseeische Blau und malte den Sohn Gottes und die Gottesmutter Maria.

wagners walküren #2

wolken jagen einander im grimm

auf den Feldern erheben sich die

Sonnenblumen und grüßen den mais

 

schafe zählen kann man später immer

noch, vor dem hof hängt die wäsche im

wind, die räder werfen ihren schatten

 

wagners walküren reiten über den hügel

das wirtshaus öffnet schon lange nicht mehr

spinnnetze versperren den weg

schachfiguren unberührt #2

das rad der zeit umgeworfen,verloren in der

unwirklichkeit der städte, entlanggelaufen den

heißen teerwüsten, den nachtfrost des sommers

erlegen, die schachfiguren liegen unberührt

am fluss shakespeares sonette abgekürzt

verloren in der wüste

Sommergeräusch #2

Sommergeräusch. In der lauen Sommernacht.

Leise. Manchmal näher kommend. Wenn die

Hand sich bewegt, meist schon zu spät. Im Ohr.

 

Viel Rauch um nix. Nur eine Mücke. Sticht. Laune

Sommernacht. Über der Wiese. Auf der Terrasse. Der

Weißwein wird schon warm. Die Wespen lassen noch

 

auf sich warten. Der Nachbar grillt. Es juckt. Noch

ein Stich. Nur ein kleines Tier. Flügel. Dünne Beine.

Dich krieg ich noch. Blut spritzt. Mücke tot.