Im Sommer gibt es gar sonderliche Früchte im Garten zu essen. Nicht nur süße. Stachelbeeren z. B. Er aß sie manchmal gerne, diese sauren Früchte, die die Vögel, anders als die süßen Kirchen, gerne am Ast hängen lassen. Viele hatte er nicht im Garten, doch genug, um immer wieder eine Hand voll davon essen zu können. Die Mungatzen,
Ägäisch oder Druschen. Weit verbreitet und doch wenig geliebt. Erdbeeren gibt es überall an jeder Ecke in lustigen Erdbeerhäusern zu kaufen, aber ein Stachelbeerhaus? Hatte er nie gesehen. Marmelade kochte er gerne aus den Beeren, die am Strauch noch übrig blieben. Da zog sich der Mund weniger zusammen. Sein Großvater hatte früher gerne auch Kompott daraus gemacht, doch Kompott ist auch aus der Zeit gefallen.
Monat: Juni 2018
Kornfeld #2
Niedergedrückt vom Gewitterregen liegt das Korn
auf dem Feld, verlassen haben die Halme die aufrechte
Position, zu stark geschlagen die Wassertropfen, die
Kornblumen bewahren noch tapfer ihre Haltung. Noch
blüht der Mohn, der Mähdrescher wartet noch.
Wellen bereden ihren langen Weg
Abgelaufener Himmel in der Abenddämmerung, die
rote Sonne schickt die Vögel in den Schlaf, später
werden die Glühwürmchen sich durch die Nacht
treiben, mit den letzten Kirschen fliegen die Amseln
heim. Die Kinder haben ihre Fahrräder in die Garage
gestellt, müde trägt der Nachbar seine Hängematte
ins Haus, vom Fluss ertönt leise Musik, Wellen
bereden ihren langen Weg von den Bergen, die Stadt
will noch nicht schlafen und doch träumen wir
Holzhammer
Franz mochte keine Holzhammer. Trump anscheinend schon. Hatte seinen gern dabei und mal wieder damit draufgehauen. Für Porzelanzerschlagungen aller Art ungemein effektiv. Für eine sinnvolle Politik doch eher ungeeignet. Merkel machte da eine bessere Figur. In Russland würde bald der Fußball beginnen. Noch war Franz ganz entspannt, obwohl es schon die ersten Einladungen gab. große Euphorie verspürte er noch nicht. Allmählich entwickelte er sich zum Gewitterexperten. Würde er noch trocken nach Hause radeln können oder doch schlagartig nass werden? Der Frühling, der kein Frühling war, bot dafür zahlreiche Gelegenheiten. Kein Tag verging ohne Gewitterwolken am Horizont. Erdbeermarmelade schon eingekocht. Die Sonne hatte ihnen Süße eingetrieben. Auch die Kirschen reiften im Akkord. Der Duft der eingekochten Marmelade liebte Franz. Gerne verschenkte er auch das eine Glas. Oder das andere.
Und tiefer fällt #2
Irrt und irrt Lenz durchs Gebirge
und irrt und fällt, tiefer hinein, fällt
tiefer hinein in sich. In sich tiefer fällt
und nicht findet, den Halt, den Halt
nicht findet in sich und fällt und Oberlin
nicht halten kann, nicht halten kann den Lenz
Junigewitter
Die süßen Kirschen verleiteten zu riskanten
Klettermanöver, den gierigen Vögeln
zuvorkommend wollend, schwarze Wolken
drückte das Gewitter runter, barfuß sah man
viele später Radeln, die aufgeweichten Schuhe
irgendwo verstaut, die Sehnsucht nach den Küssen
der Geliebten trieb ihn voran, die nassen Kleider
beschleunigten nur seinen Tritt, Erdbeeren
wanderten zwischen den Mündern, laut sang er eine
Arie von Verdi, immer wieder La Donna e mobile
Ultramarin Pigment blue 29 #2
Übers Meer, so glaubte er zu finden das richtige Blau, übers Meer. Hinter den Wellen.
Nicht irgendein, ein himmlisches, nicht von dieser Welt seiendes Blau zu malen Maria und Jesus. Im Norden von Afghanistan fand er es, das Blau, welches himmlisch war, viel zu blau für das Meer, viel zu blau für den Fluss, nur für Jesus und Maria brauchbar war es, nicht von dieser Welt, übers Meer gefahren, hohe Berge überlaufen fand er das überseeische Blau und malte den Sohn Gottes und die Gottesmutter Maria.
wagners walküren #2
wolken jagen einander im grimm
auf den Feldern erheben sich die
Sonnenblumen und grüßen den mais
schafe zählen kann man später immer
noch, vor dem hof hängt die wäsche im
wind, die räder werfen ihren schatten
wagners walküren reiten über den hügel
das wirtshaus öffnet schon lange nicht mehr
spinnnetze versperren den weg
schachfiguren unberührt #2
das rad der zeit umgeworfen,verloren in der
unwirklichkeit der städte, entlanggelaufen den
heißen teerwüsten, den nachtfrost des sommers
erlegen, die schachfiguren liegen unberührt
am fluss shakespeares sonette abgekürzt
verloren in der wüste
Sommergeräusch #2
Sommergeräusch. In der lauen Sommernacht.
Leise. Manchmal näher kommend. Wenn die
Hand sich bewegt, meist schon zu spät. Im Ohr.
Viel Rauch um nix. Nur eine Mücke. Sticht. Laune
Sommernacht. Über der Wiese. Auf der Terrasse. Der
Weißwein wird schon warm. Die Wespen lassen noch
auf sich warten. Der Nachbar grillt. Es juckt. Noch
ein Stich. Nur ein kleines Tier. Flügel. Dünne Beine.
Dich krieg ich noch. Blut spritzt. Mücke tot.