
Freitagabend


Ventilatorenanbieter hatten eine gute Zeit
Bleierne Schwüle lag über der müden Großstadt. Die Hitze führte zum Produktionsverlust. Ventilatorenanbieter hatten eine gute Zeit. Der Eismann kam auch mit der Produktion kaum nach. Musste nachts noch lange an seinen Eiskreationen arbeiten. Im Getränkemarkt wurden die Wasservorräte knapper. Aber Franz trank am liebsten kaltes Wasser aus der Leitung. Gegen Mittag hatte er nur ein Eis gegessen. Zwei Kugeln. Amarena und Pistazie. Keine neuen Sorten. Zum Abend im Biergarten verabredet. Hatte einen Salat gemacht zum Mitnehmen. Vielleicht nahm er noch einen Steckerlfisch. Ein paar Freunde würden kommen. Wie immer. Ein wenig philosophieren. Oder über Politik sprechen. Vielleicht auch über den Bachmann-Wettbewerb. Aber den fand Franz gar nicht so aufregend. Seine Stirn war noch heil. Das fand Maria auch in Ordnung.

und regneten die tränen im garten, leise
gimpelte der dompfaff vor sich hin
sommermargeriten zeigten in strahlendes
weiß, schlafgestörte katze, trakls ulmen
verfallen, unsere Schritte auf der nassen
wiese dahingerutscht, überquillende
regentonne, im dickicht der stadt kräht kein
hahn, die hortensien verziehen keine miene
hirten schlafen nicht um diese zeit
der vollmond nicht mehr weit, verborgene
sterne am abendhimmel, schwere wolken
drücken herab, wintervögel im norden, verblüht
ein wind weht von süd
der süße duft des jasmins, im wald die
schwammerlsuppe unter den alten bäumen, der
blonde hans singt schon lange nicht mehr la paloma
wie blau ist das meer
aus den bergen schleppt der lech schwere steine
wir sollten auf jagd gehen, durchnässt ziehen
die radler ihre kreise, immer noch
la paloma ade, ade

Die Nase schnüffelnd auf die Erde gerichtet, doch die Erde ist keine Erde, abgemagert bis auf die Knochen schleicht herum, nicht bellend, nicht Angst einjagend, nicht imponierend, abgelegt jedes Macho-Gehabe, unbrauchbar für die Jagd, unbrauchbar zu hüten die Schaf, unbrauchbar zu bewachen den Hof, auch er, der Katze gleich, bringt nicht heraus den Ton, den es bräucht als Musikant. So schleicht er sich davon. Traurig sein Blick.
Hund, Giacometti, 1951

siegfried schwimmt über den rhein davon
die kleider der opernhausgänger sind kürzer
geworden. der duft des phlox liegt süß in der
luft. fußgängerzonengeher treffen nur hier und
da radfahrer. in der früh noch alles aufgeräumt
lkws liefern in der zone
andere heilige haben die italiener
abgeerntet die roten beeren
nach wasser dürsten die anemonen
siegfried allein
