später Gewitterpfützen

die Patisserie hatte schon geschlossen, Plakatwände

versprachen noch den Sommer, dein Blutdruck war

längst im Keller, in den Nächten schwamm Carmen

durch den Bodensee, unter ihren Früchten bogen

sich die Apfelbäume, Bachs Kaffeekantate verhieß

einen angenehmen Abend, wir kratzen den letzen

Kuchen vom Blech, deine Nackenhaare glänzten

in der Abendsonne, später Gewitterpfützen

Milchstraße noch weit

Vor lauter Sehnsucht nach Wörtern durch

den Wald gerannt, die Sommervögel folgten

den weißen Wolken, die Milchstraße noch weit

erst später wird uns der Mond den Weg zeigen

Anrufbeantworter liegen auf der Müllhalde

davonfliegen können, die Wörter zergehen auf

den Lippen, über die Berggipfel weit, von Fern

rauscht ein Zug, kühle Luft lässt frösteln uns

Milch und Honig später, später

das Meer rauschen hören

unterwegs standen die krummen Bäume

windgeplagt, Bachstelzen grüßten uns nicht

als wir anrannten, wir hatten keine Flügel in

diesem Sommer, der Alpenblock unüberwindbar

früher hätte man uns zur Ader gelassen

erfreut euch, ihr Herzen, Bach, die Atemnot nicht groß

genug, unbändig wir rennen an, das Meer, man

müsste schon, sagst du, das Meer rauschen hören

Kampenwand #2

Die Proviantdosen für die Tour gut gefüllt. Brot, Speck, Käse, hart gekochte Eier. Gurken. Tomaten. Großmutter hatte die Dosen immer mit Liebe gemacht, wenn sie in die Berge ziehen wollten. Keine Powerriegel. Einfach eine Tafel Schokolade. Oder zwei. Manchmal auch eine Flasche Wein. Wenn es eher eine entspanntere Tour wurde. Gern ging Franz in die Berge. Blieb manchmal auch nachts auf dem Berg. Fantastischer Sternenhimmel. Unendliche Weite. Maria ging auch gerne mit. Mal gingen sie mit mehreren Freunden, mal alleine. Nicht nur die Kampenwand. Oder die Benediktenwand. Gerne gingen sie auch einsamere Wege. Aber auf der Kampenwand traf er immer Freunde.

Fliegt sie zum Meer #2

Auf dem zugeregnetem Eis gehen die Liebenden in die

Nacht. Vögel haben sich ins Trockene verzogen. Der Lech

begleitet das Glück mit seinem Rauschen. Gesang

 

der Berge dröhnt in die Ohren. Nackt stehen die Bäume

herum. Über das Gesicht läuft der Regentropfen. Weggeküsst

vom Geliebten fliegt sie zum Meer. Es gibt kein Zurück

die erdbeeren vergehen zwischen den lippen #2

die gelben riesen messen schon 2 cm, rosen

starten bald ihren duftangriff, das zerflossene

herz längst in den mülleimer gekehrt, schwer

liegt der flieder in der luft, in der buchstabensuppe

 

schwimmen verse von sappho, zwischen mond und

aphrodite kein entringen, der weihrauch der suppe

entstiegen, die erdbeeren vergehen zwischen den lippen

der geliebten, ihr haar liegt blond in seinen händen

Am Abend Gewitter

Der Sommer war groß und lang. Franz genoss die Abende im Freibad. Horst vermisste er nicht. Der war immer noch im Amt. Andere sind doch mit 69 längst um Ruhestand. Franz mochte Politik, doch fand er sie auch ermüdend. Keine Aufbruchstimmung. Löw machte auch weiter. Der Trainer der Merkel-Ära. Die Debatten im Bundestag waren wilder geworden. Besser waren sie deswegen nicht. Franz pflückte bei Freunden lieber Johannisbeeren und Stachelbeeren. Wunderbar für einen Kuchen. Die Stacheln waren zahlreich. Doch kein Hindernis. Er hatte ja Zeit. Geld verdienen könnte er bei seinem Pflücktempo nicht. Da schrieb er lieber Texte. Reich wurde er damit nicht, aber es langte so. Am Abend Gewitter. Da konnte er gut denken.

Kaugummiautomat #2

Sensationen finden am Kaugummiautomaten

statt. Für ein wenig Kleingeld die große Welt.

Zumindest einen vollen Mund. Zahnärzte wollen

ja auch leben. Hier und da fällt auch das Paradies

heraus. Kinderglück. Mitunter verzweifelt davor

gestanden. Den Automaten gehauen. Getreten.

Manchmal hilft rohe Gewalt vielleicht doch weiter.

Wenn der Groschen nicht fiel. Centstücke sind da

auch nicht besser. Auf dem Weg zum Bäcker schnell

noch ein Kaugummi gezogen. Lachend weiter gehüpft.

Noch immer nicht digitalisiert. Geht ohne Pin-Code.

Kein Touchscreen. Mitunter sieht man Erwachsene

auf der Suche nach dem verlorenen Glück.

der frühe vogel #2

im sommer fuhr er schon sehr früh, als die vögel

zu singen anfingen, mit seinem rad die isar entlang.

gerne nahm er sein rad, so war er schnell am

gewünschten ort. zwei körbe, vorne und hinten, dazu

noch alte satteltaschen. er musste schnell sein, damit

andere ihm nicht zuvor kamen. gerade am samstag- und

sonntagmorgen konnte er auf reichlich beute hoffen, mit

glück fand er sie schnell, konnte die weggeworfenen

pfandflaschen aus den mülleimern fischen, hier und

dort fand er sie auch verstreut in den büschen und auf dem

kiesbett verteilt. schwer beladen traf er beim supermarkt ein.