Der Sommer war da und ging nicht fort. Der Phlox blühte, die Apfelbäume kämpften mit der Last. Franz genoss das Radeln in der Nacht. Angenehm kühl bis frisch. Bei untergehender Sonne schwamm er ein paar Runden im Bad. Manchmal fuhr er auch zum Ammersee raus. Ging schnell bei der richtigen Zeit. Marx hatte die CSU für ihr unchristliches Verhalten gerügt, dem Seehofer und dem Söder die Leviten gelesen. Früher gab es auf der Kanzel Wahlempfehlungen für die C-Parteien. Die Zeiten änderten sich. Dem Franz kam dies gelegen. Die CSU wollte sich scheinbar selbst zerlegen, wenn es die Oppositionsparteien schon nicht schafften. Irgendwann, da war sich Franz sicher, würde er erleben, wenn auch die CSU einmal in die Opposition müsste. Schließlich war ja Bayern ein demokratisches Land und der Wechsel gehört eigentlich dazu. Die Isargriller waren wieder schwer aktiv. Über die Brücke lag schier Nebelrauch. Auf dem Giesinger Berg davon keine Spur mehr. Unter Kastanien das Abendessen.
Autor: orangeblau
car wash #2
die engel haben schon lange keinen mehr
wachgeküsst, auf den friedhöfen laufen
alle durcheinander, der zugang zur kirche
versperrt ein container mit sondermüll
car wash angesagt, ultimative. citrus power
garantiert. bei bet365 kann man nicht besonders
gut schlafen. wasserbetten sind nicht zu gewinnen.
der krankenwagen fährt wieder einmal zu schnell
um die ecke. das fenster gegenüber bleibt leer.
einen pflaumenbaum zur ehr #2
den balladen des villons, der lebenswandel nicht
ohne rüge, die justiz stellte ihm nach, wund das
tier in dir, die leidenschaft nicht endend, im winter
gar gesehnt nach deinem mund, in paris gelebt die
jahre der sünde, gelästert, der leidenschaft gefrönt
frei, ohne angst vorm henker bis zuletzt zwischen
lumpengesindel und grab, einen pflaumenbaum zur ehr
Sommerfrische #2
Aus der Mode, doch wunderbar. Über die Berge
in den Süden, das süße Leben, das entspannte
Nichtstun, zwischen Oliven, Zypressen, Oleander
den Rosmarin pflücken, Feigen vom Baum essen
die Beine ausstrecken. Ab und an ins Wasser
springen, den Eidechsen beim Sonnen zusehen
in der Bar einen Kaffee trinken. Später küssen
wir uns. Später.
fuji #2
auf honshu von weitem zu sehen, die gestalten
ziehen ihm entgegen, der feuerring nicht weit
sein haupt weiß umrandet, alter knabe, der mond
wandert herum, lässt es gemütlich angehen, sein
letzter zornesausbruch schon hunderte jahre her.
das meer lässt wellen aufbrausen, die götter
wollen befriedet werden.
in der nacht treffen wir fische im see
über und über quellen rote beeren, schwüle
wärme der frühe, am abend das rote bouquet
in der kehle, nur deine lippen noch röter von
den bissen, das heu wird vom bauern eingefahren,
das korn längst gedroschen, hortensien kämpfen
mit dem phlox um zuneigung, längst biegen sich
die zweige der apfelbäume zum boden, später
laufen wir hand in hand über die staubtrockenen
wiesen, beckett wartet nicht mehr, in der
nacht treffen wir fische im see
sine tempore
Feine Manieren gehen anders. Doch dies hatte jeder ahnen können. Die Queen lässt man nicht warten. Macht man nicht. Die ist schon eine ältere Dame. Allein deswegen schon nicht. Franz war kein Fan von Königinnen und Königen. Er schaute nicht in die Bunte. Schaute sich auch keine königlichen Hochzeiten an. Es war auch nicht seine Stärke, sämtliche Thronfolger daher sagen zu können. Doch die Königin warten lassen? Trump tat dies, was jeder von ihm dachte. Als wäre er Holzfeller aus den tiefen Wäldern. Aber was will man erwarten? Nichts. Die erste Amtszeit von Trump war noch lange nicht zu Ende. Europa musste sich irgendwie arrangieren mit dem amerikanischen Präsidenten. Am Abend war Franz ein paar Runden im Schyrenbad geschwommen. Liebte die Abkühlung am Abend, Wenn das Bad leerer wurde. In der Früh war die Luft viel zu kalt gewesen. Vielleicht 12 Grad. Da konnte man die Jacke auf dem Rad fest zuziehen. Keine lauschigen Sommernächte. Draußen sitzen am Abend keine große Freude. Die Biergärten wurden schnell leer. Die Geranien auf dem Balkon blühten trotzdem um die Wette. Weit hingen sie herab.
Sommerschwäche
Trump rüttelt an der NATO. Spielt sein Spiel. Als wäre die Welt nur ein Spielzeug. Franz liebte diese Spiele nicht. Stand alten Männern nicht zu. Dann doch eher Eisenbahn wie Seehofer. Aber der war mit seiner Eisenbahn auch nicht zufrieden. Musste auch immer eine dicke Hose markieren. Ein bisschen Trump steckte eben auch im kleinen Seehofer. Franz mochte lieber eine vernunftbetonte Politik. Franz hatte für Belgien gehalten. Hatte nichts genützt. Im hatte das Spiel der Belgier imponiert. Doch er wusste auch, dass die Franzosen die taktisch bessere Leistung vollbracht hatten. Weltmeister wird man mit einer starken Defensive. Er wollte eigentlich gern einmal nach St. Petersburg. Die Nächte so hell. Nächstes Jahr war auch Zeit. Da waren die Flüge sicher günstiger. In München waren die Nächte kalt geworden. Sommerschwäche. In der Früh 12 Grad. Da musste er schon eine feste Jacke zum Radeln anziehen. Beim Open Air ging er zeitig. Maria und er waren ganz durchgefroren.
ihr haar wehte im wind #2
im grase nicht gelegen, die gänseblümchen
zierten fein das zarte grün. die liebe kam
vorbei, doch blieb sie nicht. ihr kuss
flüchtig, verflogen. ihr haar wehte im
wind, so süsslich die lippen schienen
der märzschnee so kalt
platon in der schublade #2
sommerglut. auf götter müssen
wir gefasst sein. sturm umbraust
das meer. mit diotima führen
wir gerne gespräche. fern
des verstandes berührten
sich die leiber. platon
bleibt in der schublade, die
sterne erhellten die gesichter