Lieder in der Nacht #2

Gelauscht dem Mond, den Sternen

leise sangen sie ihre Lieder, der Wind

von Fern gab den Rhythmus, die Bäume

raschelten im Takt. Die Vögel längst schon

 

schliefen, nur das Wasser rauschte leis, müde

schien der Fluss, der Mond strahlte bei seinem

Gesang, ich träumte, ich sei Schubert und

komponierte am Klavier eine Melodei, für Mond

 

und die Sterne, mögen sängen in der Nacht, der

lauen, der schönen, der warmen, von der Liebe

sie sangen und von Leid.

Projekt #7

Das Basteln an Autos hatte Paul immer gern gemocht. Beruhigte seine Nerven. In der Schule war er nicht so gerne gesessen. Und doch ein Schuljahr wiederholt. Der Sinn von Hausaufgaben und Lernen hatte sich für ihn nie erschlossen. Lieber Zündkerzen wechseln, Vergaser einstellen, Bremsbeläge wechseln. Blaumann und Arbeitsschuhe waren kein Problem für ihn. Obwohl Blaumänner aus der Mode gekommen waren. Physik und Chemie hatten ihn in der Schule fasziniert. Zumindest, wenn es Versuche gab. Sein Chemielehrer hatte große Stücke auf ihn gehalten. Hatte schon früh angefangen, Experimente zu machen. Die ersten eigenen Silvesterraketen hergestellt. Und Böller. Die Mutter musste davon nix wissen. Die hätte sich nur Sorgen gemacht. In der Garage beim Freund waren sie ungestört gewesen. Hinterhof. Nur eine Katze schaute zu.

Morgen

Zwischen Braus und Saus den Kopf

verrückt, Brenner gesperrt, das Olivenöl

kratzt noch länger im Hals, Sterne

 

wandern langsam, Zitronenberge liegen

zwischen den Meeren, hoffnungslosen

Schwimmversuche nach Mitternacht,

 

das Eis des Winters überflutet längst die

Zypressen, Schlafzimmerfenster bleiben

verschlossen, Eulenrufen verhallt

 

Dem Riesen entgegen #2

Nebel hoch, die Sonne schweigt, sein Sancha

schlau, Windmühlen nicht haltend für Riesen

nicht, Verstand haben, Verstand. Was ist Wirklichkeit?

Was Simulation? Als ritt Don Quijote, mit der ganzen

 

Rüstung ritt, der Helm, der verbeulte auf dem Kopf

auf Rosinante, den Windmühlen entgegen ritt

30 oder 40 gar, Windmühlen sah, Riesen gleich schienen

sie ihm, zum Kampfe bereit, die Mühlen. Doch Pancha

 

der schlaue, klar im Verstand, nicht sehend die Riesen

nur Windmühlen da, nur Windmühlen. Fern der Fantasie

fern von fabulierender Abenteuerlust, geziehen der Angst

 

und Furcht. Angriff Don Quijote den ersten Riesen, kämpfend

gegen die Flügel, seine Lanze stoßend hinein in die Flügel

hinein und der Wind sein Amt vollendete und Antrieb die Flügel

Projekt #6

Die Nummer hatten sie ausgetauscht. Nüchtern ging Paul heim. Er zögerte. War unruhig. Nicht wegen Manni. Manni war ihm egal. Noch zumindest. Seine Geschichte war nicht seine Geschichte. er hatte einen Plan. Die Umsetzung würde bald kommen. Hatte alles, was er brauchte, längst zusammen. Musste nur noch in sich hineinhorchen. Der richtige Zeitpunkte war seine Entscheidung. Ein Schmetterling. Ein Wimpernschlag. Etwas würde die Entscheidung bringen. Er musste nur noch sein Labor aufbauen. Sein Leben wartete im Keller. Er musste was großes vollbringen. Das Ja oder Nein war nicht die Frage. Es würde in Neuhausen sein. Er hasste Neuhausen. Hass war für ihn wichtig. Er hasste viele Dinge. Paul hatte eine Ausbildung als Automechaniker gemacht, aber in seinem Beruf arbeitete er nur noch gelegentlich. In dem großen Konzern hatte er es nicht lange ausgehalten. Zu viele falsche Personen war dort gewesen. Zu monoton die Tätigkeit an der Fertigungsinsel. Die Roboter machten eh das meiste. Dann lieber rumschrauben. Basteln an alten Autos fand er spannend. Doch selber hatte er kein Auto. Meistens zumindest nicht. Manchmal meldete er eins an. Für ein paar Wochen. Wenn er gerade ein paar Euro übrig hatte, kaufte er sich ein altes. Bevor es nach Russland ging. Oder Rumänien. Oder Afrika.

Manchmal ist das Leben leer. Der Wassertropfen in der Welt verliert sich in der unendlichen Weite des Ozeans.

Sehnsucht #2

Wenn die Sehnsucht nicht wäre

wie sollte sollte entstehen ein Gedicht

wenn die Sehnsucht nicht wäre, gemalt

werden können ein Bild, wenn die Sehnsucht

nicht wäre

 

wenn die Sehnsucht nicht wäre

wie sollte gelingen ein Lied zu singen

wenn die Sehnsucht nicht wäre, zu spielen

auf dem Klavier, wenn die Sehnsucht

nicht wäre

 

wenn die Sehnsucht nicht wäre

wie sollte das Leben gelebt werden

wenn die Sehnsucht nicht wäre

Projekt #5

Manni hatte schon das eine oder andere Glas Bier getrunken. Bier konnte Manni sich noch leisten. War ein wenig heruntergekommen. Hatte früher für den Flughafen gearbeitet. Fluglotse. Den Stress aber nicht mehr ausgehalten. Hatte angefangen zu trinken. Zuerst fand das seine Frau lustig. Später nicht mehr. Irgendwann hatten es die Kollegen gemerkt. Da fingen die Probleme an. Dienstarzt usw. War jetzt länger krankgeschrieben. Eine Therapie wollte er nicht machen. Wozu auch. Paul hörte sich die Geschichte an und sagte wenig. Manni wollte auch nur einen Zuhörer. Hatte die Geschichte wohl schon öfters erlebt. Wie groß die Flugzeuge, wie groß die Verantwortung. Paul lebte alleine, doch den Manni wollte er nicht in seine Wohnung lassen. Wo Manni schlafen wollte, wusste Paul nicht, wollte er auch nicht wissen.

Vom Ort, der nicht genannt sein will #2

Als ritt, vom Orte, vom Orte der nicht genannt

in der Mancha, der nicht genannt sein will, der

Gaul war mager, der Junker, der verschlang, die

Bücher mit den Rittern, Ritterromane verschlang

gab dafür gar das Land und verschlang

Ritterromane verschlang.

Projekt #4

Schnell ging Paul aus dem Laden raus. Stickig und eng war es gewesen. Freundlich war der Schuster gewesen. Damit hatte er nicht gerechnet. Dies würde seinen Plan nicht ändern. Aber auch nicht leichter machen. Paul hatte sich die Details gemerkt. Hatte sein Material längst beisammen. Im Internet konnte man alles finden. Und im Baumarkt. Keine Umstände. Kinderspiel. Doch rasch verließ er den Ort, floh aus dem Stadtteil, welches im so fremd war. Mit raschen Schritten ging er wieder über die Brücke, ins Westend. Hier gehörte er hin. Die verbeirauschenden Autos nahm er kaum war, den Zügen schenkte er keinen Blick. Aus der S-Bahn strömten Menschenmassen. Fast wurde er angerempelt. Körperkontakt war ihm unangenehm. Er war in Eile. Musste in sein Viertel kommen. Nach der Brücke ging er gleich in eine Stehkneipe. Bestellte eine Cola. Der Wirt schaute verwundert. Andere Gäste tranken alle Alkohol. Warum sollten sie sonst in eine Stehkneipe gehen. Bei der zweiten Cola kam er mit einem anderen Gast ins Gespräch. Manni, so hieß er, fing an, ihm seine Geschichte zu erzählen.

Die Phantasie schwimmt nicht durch die Straße.

Projekt #3

Zum Schuster war Paul schon öfters gegangen. Hatte sich genau umgesehen. Zwei Räume hatte das Geschäft. Hinten war die Werkstatt. Im Haus wohnte der Grieche auch mit seiner Familie. Hatte drei Kinder. Mit Kindern konnte Paul nichts anfangen. Beziehungen hatte er meist nur kurz. Zuviel Nähe hielt er nicht aus. Mit seinen Eltern hatte er keinen Kontakt mehr. Warum auch. Manchmal traf er eher zufällig seine Mutter. Meist war sie eh betrunken. Er selber trank nie. rauchte auch nicht. Achtete auf seinen Körper. Nahm das Training ernst. Hielt sich an die Regeln. Drei Tage würde der Schuster brauchen. Er hatte keine Eile. Er hatte einen Plan. Es musste etwas geschehen. Die Zeit war nah. So konnte es nicht weitergehen. Das Labyrinth des Lebens brauchte einen Ausgang. Der Grieche war schon älter. Fast blasse Haut, graue Haare. Sein Bart voll mit Resten von Schwarz. Seine Hände groß und schwer. Trug ein goldenes Armband. Seine Stimme einen Akzent. Griechische Helden sahen anders aus. Da war sich Paul sicher. Nein, Kinder wollte er nicht haben. Urlaub in Griechenland machen auch nicht.

Unendliche Metaphern laufen nicht auf der Straße herum.