Der Mut ist ein seltsam Ding. Wenn man ihn braucht, ist er oft nicht da. Da schien zu sein er, doch, als gewagt werden musste, er nicht gewagt. Ach hätte doch gehabt er den Muot, es wäre schon was daraus geworden, das Herz es wollte rutschen in die Hos´, so fern der Mut. Während kühlen mussten die anderen ihr Mütchen, er nahm doch vom Fell des Bären ein Stück. Doch Hochmut kommt vor dem Fall, die Übermut zu groß gewesen, verfiel er jäh in Schwermut. Doch nun er sitzt da in Demut und blickt an ihre Anmut.
Autor: orangeblau
Kuriere der Nacht
Der Milchmann war schon lange nicht mehr
um die Ecke gebogen. Nach Regen sucht die
Erde, die letzten Tropfen Wasser treibt der
Wind aus der Erde, Grün trägt der Fluss in die
tiefe Ebene, lila duftet ein Flieder, die Droste
läuft über das Moor, Kuriere der Nacht bringen
keine Post, verzweifelt ruft der Regenpfeifer, der
Wind im Rücken treibt uns an
Sommer 1976
Hinter Buchsbaumhecken eingezäumt schläft
die Welt ihren schönsten Schlaf, der Sommer
unendlich, Gewitterregen kühlt hier und da die
hitzigen Köpfe, fleissig werden Beeren eingekocht
unter den faulen Füßen liegt das Paradies, der Wolf
ist davon, Füchse durchstreifen das Himmelsgebirg
gepackt ist der Rucksack, die Sterne fliegen davon
schwarz der Abendhimmel im August
Am Wegesrand #2
Am Wegesrand der Arbeiter, Ohrschutz tragend
mäht, sehnst das Wegesrandgras, auch die Kornblumen
der Mohn, am Randes des Kornfeldes sich erheben,
blau und orange den Wegesrand, das Feld
einfärben, der Lärm ist ohrenbetäubend, ohne Schutz
kaum zu ertragen. Wenn die Arbeit getan
weitergezogen der Arbeiter, das Land kommt zur Ruhe
Bienen und Hummel suchen Nahrung in der Morgensonne
die Autos schnell fahren vorbei am Korn, den blauen und
orangefarbenen Blumen, erst später kommt eine Frau
Platz nehmend auf der Bank vor dem Herrgottskreuz
sieht in die Ferne, freut sich über die Farben der Blumen
Die weißen Blüten
Am Himmel kreist der fremde Vogel, die weißen
Blüten des Apfelbaumes ragen in den schwarzen
Himmel, Droste geht über der gelben Frühlungswiese
das Meer braust auf die Felsen zu, kalte Schauer
laufen über deinen Rücken, Küsse fliegen gegen den
Wind, die Hühner laufen in den Stall, von Fern
Motorengeheul, keine Pakete bringt der Postbote
im leeren Stall brennt kein Licht
nachtgesang #2
das dunkle der nacht, der sohn des kronos
bringt dem achilleus das leierspiel bei
das wild des waldes durchzieht die finsternis
der augustdonner lässt verkriechen die menschen
hinter der ofenbank, das mondlicht schimmert
fahl, in seinem glanz tanzen die totengräber, du
erzählst von liebesleid? die wollust verflogen
das geklimmpere auf dem klavier verstummt
hölderlins glück zum teufel gejagt, deine küsse
geben keinen halt, der wind pfeift durch die blätter
Maiandacht #2
Auf dem Land wurde sie noch gut
besucht, der Altar der Mutter Gottes
festlich geschmückt. Verehrt oft mehr
als der Gekreuzigte, die Frauen zu finden
waren in der Kirch, der Maienkönigin
zur Ehr, ave maris stella, Zuflucht suchend
unter deinem Dach, gewappnet gegen Sturm
und Weh, breit nur den Mantel aus
Verblühter Löwenzahn #2
Über den See gerudert, die Münter nicht zuhause.
Die Bäume nachgezählt, Berge in einem versunkenen
Rot. Stoßstange an Stoßstange auf dem Weg. Die
Sonne trieb die Städter voran. Auf der Hinfahrt den
Pferden einen Gruß dargeboten. Vereinzelt auch einer
Kuh. Der Mond wollt später nicht auf das Wasser scheinen.
Den Sternen nachgegangen. Lang dauerte die Reise. Am
Rand des Sees verblühter Löwenzahn. Weggeblasenes Glück.
Den Möwen beim Schlafen zugeschaut.
Kajaani: Maija
Die Sommer in Kajaani mochte Maija. Sie waren unendlich hell. Am liebsten war sie dann am Oulujärvi. Der See wurde schnell warm im Sommer. Nicht besonders tief. Gern schwamm sie dort ihre Runden. Mit dem Großvater war sie dort gern zum Angeln gewesen. Im Winter war der See lange zugefroren. Oft bis zum Mai. Es gab einige Insel auf dem See. Am schönsten fand sie die Manamansalo. Sand für die Füße. Im Sommer kamen viele Touristen. Kaija fing gerne die Barsche. Auf Hecht stand sie nicht so. Ihre Familie hatte ein altes Ruderboot. damit fuhr sie immer auf die Insel. Manchmal blieb sie über Nacht am Strand. Während der Woche arbeitete Maija in der Sägerei. Holz gab es hier überall. Holz war immer da. Auch ihr Haus war aus Holz. Früher hatte Maija bei Nokia gearbeitet. Da hatte sie in Helsinki gewohnt. Doch sie war froh, wieder in Kajaani zu sein. Hier war alles ruhiger. Der Winter länger. Der Sommer schöner. Am liebsten war sie am See. Wenn sie zur Insel ruderte, war sie glücklich.
spargelstecher #2
unbehaust die felder, der aprilwind treibt die vögel
vor sich her, die raben wehren sich tapfer gegen den
späten schnee, die mützen der Radfahrer sind tief ins
gesicht gezogen, der bauer flügt für die Saat den acker,
zieht wellen über das land. die sonne verliert gegen
die wolken den kampf. die spargelstecher krümmen
ihre rücken, später karren die alten busse sie wieder
in ihre schlafstätten. der sohn des bauern heult mit seiner
crossmaschine über die rauen wege.
kühe sieht man hier keine. schweine haben schon lange
keinen ausgang mehr. ein verlaufender hahn kräht
um sein leben.