Semmeln

Franz geht eigentlich gerne zum Bäcker. Wenn es denn noch Bäcker gibt. Und das Warten ist für ihn eine große Vorfreude. Wenn es um die Frühstückssemmeln geht. Viele Gedanken wollte er sich dabei nicht machen. Auch nicht an Herrn Lindner denken. Franz dachte eher weniger an die FDP. Es war angenehm ruhig um sie geworden. Und wenn die Schlange nicht zu lang war, war Franz glücklich. Die anderen Menschen schien auch oft glücklich. Nur wenn Franz die falsche Uhrzeit erwischt und sich eine lange Schlange bildete, überkam ihn die Ungeduld. Langes Warten mochte er nicht. Dann ging er oft lieber wieder heim. Er hatte ja auch Müsli daheim. Meistens aß er in der Früh sowieso Müsli. Aber hin und wieder und je nach dem, hatte er doch Lust auf Semmeln. Am Abend hatte ein Gewitter die Stadt gesäubert. An Herrn Schulz hatte Franz auch nicht mehr gedacht. War aber plötzlich wieder aufgetaucht. Hätte nicht sein müssen. Die Nürnberger hatten sich über den Aufstieg gefreut. Gab es wieder ein Derby mehr in Bayern. Fehlten nur noch die Löwen. Doch die würden noch Jahre bis zur ersten Liga brauchen. Eigentlich geht Franz gerne zum Bäcker.

Le Havre #2

Das Meer, die Sehnsucht, der Duft 

der Fische, das Salz liegt in der Luft

Möwen ziehen ihre Bahnen. Die Sonne



bricht sich durch den Schleier. Nebel auf 

dem Wasser. Das Blau will noch nicht Blau

sein, noch grau, ein paar Schiffe liegen vor



Anker, unscharf, vernebelt, als Monet in der 

Früh den Hafen betritt, Le Havre noch schläft

Nur ein paar Fischer sind schon unterwegs

 

Pankratius

Die Welt geht ihren Gang und der HSV in die 2. Liga. Dafür haben sie viele Jahre Anlauf genommen. Franz fand den neuen Trainer ausgezeichnet, aber irgendwann ist es auch einmal gut. Die Löwen könnten ja den Aufstieg in die 3. Liga schaffen. Jupp würde jetzt bald seine Ruhe wieder haben. Nur noch ein Spiel in Berlin. Auch wenn Franz den FC Bayern immer ein wenig skeptisch sah, den Jupp mochte er. Den Jupp mochten eigentlich alle. Den Trump mochte keiner so recht, aber der war nun einmal Präsident. Und war aus dem Atom-Abkommen mit dem Iran ausgestiegen. Spielte gern mit dem Feuer. Für Franz war die Welt komplex, keine Frage, doch Atomwaffen gab es zu viele. Das Polizeiaufgabengesetz brauchte der Franz auch nicht. Viele hatten dagegen demonstriert. Die CSU fand dies merkwürdig. Doch in einer Demokratie gibt es nun manchmal auch andere Meinungen. Das dauernde Schielen auf die möglichen Wähler der AfD und dem rechten Rand nervte langsam. Zum Glück Maisonne trotz Eisheiliger. Pankratius war wohlgelaunt. Entspanntes Grillen an der Isar. Maria freute sich drauf. Saibling und Gemüse. Ein paar Freunde würden auch kommen.

Kieselstein

Im Frühjahr den See noch nicht

durchschwommen. Das andere Ende

noch weit. König Lear ist hier schon

 

lange nicht mehr baden gegangen.

New York fern. Aus den zerschlagenen

Fernsehern kommt kein Ton. Der Zahn

 

des Löwen leuchtet gelb. Ihre Kreise

zieht die Spottdrossel, Kiesel stößt an

Kiesel, die Lippen huschen über den Hals

Besuch aus Rom #2

Am Cafétisch schräg hinten links schien fast

ein kokettes Lachen gegen die grauen Regentropfen

die schwarze Brille liegt auf der zugefalteten Zeitung

genau über der Krawatte des Politikers, ihr

 

Cappuccino ist schon fast leer, ihr Blick fällt immer auf

das Smartphone, unruhig schaut sie sich um, endlich

kommt die Verabredung, eine ältere Dame legt ihren

Mantel ab, es könnte ihre Mutter sein, der Kellner bringt

 

die ausgesuchte Ware. Sie lebt jetzt in Rom, ist nur auf der

Durchreise, alte Freunde treffen, die Tochter sorgt sich um

die Gesundheit, heut Abend geht wieder der Flieger nach

Italien. Der Aperitif schmeckt ihr gut

Regen

Endlich Regen. Franz mochte den Regen, wenn er lange nicht gefallen war. Trocken und staubig die Stadt gewesen. Der Blütenstaub wisch nicht mehr aus den Fugen. Kastanienbäume zeigten die Blüten. Biergartenglück. Wer keinen Garten hat, geht in den Biergarten. Wer einen Garten hat, geht auch in den Biergarten. Der Münchner ist nirgendwo  glücklicher. Wie sollte dies auch gehen. Franz ging in den Salvatorkeller. Möge kommen was wolle. Bierpreis hin oder her. Schon als er Kind war, ging er dorthin. Mit seinem Großvater. Mit seinem Vater. Mit seiner Großmutter. Mit seiner Mutter. Die ganz Familie. Oder Teile. Man nahm die Brotzeit mit. Den Salat. Andere Speisen. Und die Spielkarten. Man traf das Viertel. Die Nachbarn. Die Freunde. Trank sich einen Rausch an, wenn es sein musste. Als Kind hatte er Limo bekommen. Oder Spezi. Ab und an am Bier der Erwachsenen genippt. Später dann mehr. Bitter war es ihm vorgekommen. Eigentlich trank Franz ja lieber Wein. Doch im Biergarten schmeckte ihm nur Bier. Wie sollte es anders sein. Je nach Zustand des Geldbeutels und des Magens aß er dann auch einen Steckerlfisch. Oder Spareribs. Gestern Abend war es spät geworden ihm Biergarten.

das Geräusch des Zuges

Aufgeräumt liegt der Bahnhof, Taschentücher

haben die Tränen längst getrocknet, hier und

da noch eine winkende Hand, wer zurückbleibt

ist verlassen, die langen Haare zum Zopf

 

gebunden radelst du heim, ermattet steht der

Blumenstrauß auf dem Küchentisch, im Garten

startet der Phlox, Rosenknospen prallt, später

 

wird du im Blau des Rittersporn versinken

Sterne glühen, längst verhalt das Geräusch

des Zuges, aufgeräumt liegt der Bahnhof

Eine Kröte #2

In der Früh ein Kröte vor der Haustüre

gesessen, um Einlass bittend, die Sprache

ich verstand nicht, bat sie, doch zu gehen

Nach kurzer Zeit sie noch einmal bat

 

hereingelassen zu werden. Umsehen wollte

sie sich ein wenig im Haus, doch die Sprach´

ich verstand sie nicht. Beleidigt zog sie von

dannen, ungeküsst

Das Dorf

Das Dorf lag ruhig in der Sonne, verreist die Einwohner

auf der Mauer döste eine schwarze Katze, Schwalben zogen

ihre Kreise über den Kastanienbäumen, der Maibaum schien

 

noch frisch, Maikäfer brummten aus der Hecke hervor, langsam

schlich ein Bulldog um die Ecke, hatte auch schon bessere Zeiten

gesehen, im Kuhstall war schon lange keine Kuh mehr aus- und

 

eingegangen, neu angelegt der Gehsteig, das Wirtshaus öffnete nur

noch am Wochenende, am Abend zerstreuten Jungs mit ihren

Rollern die Stille, fast schien Leben ins Dorf zu kehren, fast

 

Über den Mut #2

Der Mut ist ein seltsam Ding. Wenn man ihn braucht, ist er oft nicht da. Da schien zu sein er, doch, als gewagt werden musste, er nicht gewagt. Ach hätte doch gehabt er den Muot, es wäre schon was daraus geworden, das Herz es wollte rutschen in die Hos´, so fern der Mut. Während kühlen mussten die anderen ihr Mütchen, er nahm doch vom Fell des Bären ein Stück. Doch Hochmut kommt vor dem Fall, die Übermut zu groß gewesen, verfiel er jäh in Schwermut. Doch nun er sitzt da in Demut und blickt an ihre Anmut.