Schlafbox

Die Mitglieder hatten endlich abgestimmt. Die neue Bundesregierung konnte in Kraft treten. Dabei hatten die Bürger ja eigentlich bei der Bundestagswahl abgestimmt. Franz fand die Mitgliederabstimmung seltsam. Irgendwie fühlte er sich seiner Stimme beraubt. Aber was soll´s. Nun würde es wieder eine Regierung geben. Und dann würde man sehen, wie es so lief. Seehofer konnte endlich sein Amt aufgeben, Söder sich wie ein kleines Kind über seinen neuen Job freuen und dann konnte man entspannt auf Italien schauen. Eigentlich wollte Franz endlich mal die Schlafboxen am Münchener Flughafen ausprobieren. Vielleicht sich mit der Schreibmaschine dorthin zurückziehen. Oder zumindest mit dem iPad. War vielleicht ein kreativer Ort. Wenn einem nach Ruhe stand. Oder die Kälte zu groß war. Die Preise kannte Franz nicht. Kam wohl für Obdachlose nicht in Frage. Eher für SUV-Fahrer. Vielleicht gab es es Künstler-Rabatt? Zumindest in Zeiten schlechter Ausnutzung? Der richtige Ort zum Schreiben war ja immer ein Thema für Franz. Gern ging er in eine Bibliothek. Mochte die arbeitssame Ruhe. Ein Café war aber manchmal auch kein schlechter Ort. Doch meist war er dort nicht ganz so produktiv.

Oliven

Der Schnee unter den Füßen war weich geworden. Die Kälte der letzten Woche war am vergehen. Bald würden die zugeschneiten Blumen wieder hervorkommen. Schneeglöckchen. Krokusse. Narzissen und Tulpen würden auch gerne hervorkommen aus der dunklen Erde. Auf dem Markt die übliche Samstagsstimmung. Nur weniger Stände. Weniger Besucher. Nicht jeder mochte die Kälte. Auch nicht jede Ware. Franz war jetzt mit dem Fahrrad wieder länger unterwegs. Die Kälte zog nicht mehr so tief in die Glieder. Er verstieß auch nicht mehr gegen das Vermummungsverbot. Mütze und Schal reichten aus. Am Abend ein paar Freunde zum Essen. Über die SPD würden sie kaum sprechen. Da würden sie auf den Entscheid warten. Wein war in der Küche. Ein paar Kleinigkeiten würde es geben. Und feinen Käse. Auf den Taleggio freute er sich am meisten. Und auf die Taggiasca-Oliven. Mehr braucht Franz am Abend nicht.

Starkbier

Neue Atombomben brauchte eigentlich niemand. Einen konkreten Sinn hatte Franz darin auch früher nicht gesehen. Würde man sie einsetzen, könnte man sich auch gleich umbringen. Aber immer mehr Länder hatten ein großes Interesse daran. Die Liebe zur Bombe schien wieder in Mode zu kommen. Der scheidend bayrische Ministerpräsident musste heute über ein wenig fehlende Liebe klagen. Dabei hat er doch seine Partei auch nur benutzt. Franz war am Abend in der Bar. Viele Gäste wollten sich bestimmt dort wärmen. Am liebsten machte er ja den Gästen Kaffee. Doch bei dem Wetter tranken die meisten Whiskey. Dies war dem Franz auch recht. Solang die Gäste noch stehen und gehen konnten. Maria würde wohl später vorbeikommen. Drum ging er zu Fuß. War schon durchfroren genug. Der Wind hatte die Wangen rot gefärbt. Um den Nockherberg machte er einen größeren Bogen. Starkbiergäste waren oft schwach auf den Füßen.

In der Bar #2

An der viel zu langen Theke hockten die verlorenen

Gäste, den Weg noch nicht gefunden nach Haus

die Geschichten der Nacht wurden noch nicht zu Ende

erzählt, der Barkeeper wischt gelangweilt mit seinem

 

Lappen die Theke, hin und wieder schüttet er nach

die Zungen der Gäste bemühen, sich um eine klare

Aussprache, die Küche hat schon lange geschlossen

 

seine schwarze Fliege sitzt recht schräg am Hals

durch die großen Fenster werfen vereinzelt Autos

ihr Licht erhellen die Flaschen im Regal

zum Eis erstarrt

Süße Lieder nicht vom Baum gepfiffen

Bienen haben sich zurückgezogen,  gewandert

 

nicht über die grünen Auen, kein Veilchen nicht

auf der Wiese stand, als gingen vorüber, Michas

 

Farbfilme zeigen ganz andere Bilder, die Liebe ist

nichts für Feiglinge, der Schnee zum Eis erstarrt

 

Lichtmess #2

Die schweren Schuhe hinterliessen auf den nassen

Februarwegen ihre Abdrücke. Spatzen flogen schon

nervös umher, hinter den hohen Zäunen brannte nur hier

 

und da ein Licht, Mägde und Knechte werden schon lang

nicht mehr entlassen, die unzeitgemäßen Christbäume lagen

jammernd vor der Türe, bald wird sich hier und da ein

 

Schneeglöckchen trauen, unter den Wurzeln der alten Bäume

wohnen Träume. Maria zeigte das Kind, vierzig Tage nach der

Geburt, Herodes suchte umsonst in der dunklen Nacht

Seitenstechen #3

Frisch und wunderschön gedruckt im wunderfeinen homunculus-Verlag erschienen, die #3 von Seitenstechen, ein kleiner Text von mir ist auch dabei.

SeitenstechenIMG_1482

Hiddensee

Farbfilme liegen nicht mehr im Kühlschrank

Flugzeuge bringen die Passagiere nach Mallorca

Selfies noch schnell vor dem Abflug, Foto entwickeln

lassen will hier keiner mehr, das Buffet quillt über

 

lange Sommer auf Hiddensee längst vorbei, Zimmer

waren schwer zu bekommen, Dänemark nicht weit

der Sand in den Schuhen trieb die Sehnsucht, Micha

ist längst anderswo

Kaiserwetter

Mit Schneeschuhen waren Franz und Maria in den Bergen gewesen. Prachtwetter. Kaiserwetter. Wilder Kaiser. Der Himmel wunderblau. Sonnenmilch nicht vergessen. Die Sonnenbrillen hatten ganze Arbeit zu leisten. In der Früh noch Eiseskälte. Im Berg wurde ihnen dann doch wärmer. Auf der Hütte das Gesicht in die Sonne. Sie kamen ins Schwitzen. Dies war nicht besonders schlimm. Besser als frieren. Und sie hatten Wechselwäsche dabei. Droben waren sie nicht die einzigsten. Doch unterwegs war viel Stille um sie. Die meisten waren mit den Skiern unterwegs gewesen. Abseits der Piste nur hier und da Menschen. Franz genoss die Stille. War froh, nicht über Politik reden zu müssen. Keine GroKo im Berg und kein Syrien. Franz verzweifelte oft über die Unfähigkeit der Menschen, den Frieden zu wollen. Musste dann die Stille suchen. Der Schnee knirschte kräftig. Er war eisig geworden in den letzten Tagen. Die Nächte waren kalt gewesen. Endlich. Franz liebte den richtigen Winter. Dann konnte er sich auch auf den Frühling freuen. Die Heimfahrt war erst für später geplant. Konnten nicht lassen.

Frost

Unter den eisigen Apfelbaumästen flüchtige

Küsse, glitzernde Sterne liegen auf der Wiese

der große Bär wird erst später angerufen

 

der Fluss bringt Schneewasser aus den

Bergen, die Kiesel haben ihre Heimat schon

länger verloren, haltlos scheint die Liebe

 

in der Kälte,  Raben ziehen am Himmel, die

Glätte des Eises macht ein Verbleiben

unwahrscheinlich, das Klavier verstimmt