Häuserschatten

Verbrecher gehen gern in der Dunkelheit der Häuserschatten. Auffallender Kopfschmuck unerwünscht. Im Kopf tragen sie das perfekt Verbrechen herum. Ihre Gedanken halten sie selbst für brilliant. Mitleid ist nur was für Feiglinge. Das Bereuen der gräulichen Tat nicht vorgesehen.  Die Nerven werden schon halten. Raskolnikoff in der Hitze der Stadt.

Die Badewanne #2

Der eine badete gerne lau, der andere sagte dies. So ist die Badewanne Politik. Oder doch nur eine Badewanne. Oder Kunst. Beuys nahm eine alte Wanne, eine alte Badewanne, aus Email, eine alte Babybadewanne, zu waschen den Babypopo, nahm Beuys eine alte Wanne und stellt sie aus. Ein wenig verändert, schikaniert, misshandelt, verpackt, verfremdet, denn Beuys nahm Heftpflaster und Fett, Mullbinden und Kupferdraht für diese alte Babywanne und stellte sie aus , als Kunstobjekt in der Akademie zu Düsseldorf. Und als machte die SPD ein Fest, nein, nicht in der Badewanne, der eine badete gerne lau, in Leverkusen, wo sich die Wanne gerade befand, weil sie wartete, auf ihren großen Auftritt wartete, zwischen Bayer und Leverkusen, da machte die SPD ein Fest und weil die Gläser vom vielen Trinken schmutzig waren, säuberten zwei nette Damen die alte Wanne, befreiten sie von Mull und Fett und schrubbten und schrubbten und Dank ATA, sie wurde weiß wie Schnee, so rein und sauber wie noch nie. Gründlich und rein, so war die Wanne und die Kunst dahin.

San Giorgio Maggiore #2

Eine Insel nur, gelegen in der Lagune von

Venedig, Kloster samt Kirche finden Platz.

Der Himmel brannte, als wäre nichts mehr

zu löschen, die ganze Insel ein Flammenmeer

 

Monet malte den Untergang der Abendsonne

als stünde das Meer in Flammen, verlor das Wasser

sein Blau, verschwammen die Steine zum Wasser

 

als müsste gelöscht werden die Feuersbrunst

Ein Schiff nicht kommt zu lindern die Glut, nur

Abendsonne und Meer.

 

Der Lauf der Dinge

Die Dinge nahmen ihren Lauf. Der Nockherberg spuckte seine Betrunkenen aus. Lederhosen und Dirndl mit Biergestank. Taxifahrer machten ihr Geschäft. Wenn das Fahrzeug sauber blieb. Das Land bekam eine neue Regierung. Die Frauen hatten dabei Posten abbekommen. Aber keine großen. Franz fand die Anzahl der Frauen schon ok. Zumindest bei der SPD. Doch die großen Ministerien waren den Männern vorbehalten. Bei der CSU hatten die Frauen eh nix zu lachen. Aber das war ja schon immer so. Drei Männer als Minister und ein Mini-Amt für eine Frau. Gleichberechtigung ging anders. In Syrien hatten sich AFDler verlaufen. Kann ja vorkommen. Tellkamp hatte sich wohl auch verlaufen. Franz hatte den „Turm“ zumindest teilweise gelesen. Hatte ihn ein wenig langatmig gefunden. Irgendwie aus der Zeit gefallen. Doch durchaus als bemerkenswertes Buch eingeschätzt. Nicht als Avantgarde. Die ging anders. Manchmal hatte Franz das Bedürfnis nach einer epenhaften Erzählung. Nach Karl May für Erwachsene. Lesenächte ohne große Unterbrechung. Doch den Turm hatte er irgendwann liegengelassen. Seitdem nichts mehr von Tellkamp gelesen. Der Schnee war gegangen. Regen gekommen. Der Morgen verriet schon den kommenden Frühling. Krokusse legten ihr lila auf die Wiese. Das Gelb der Narzissen würde bald kommen. Die Kornelkirsche hatte die Blüten ausgetrieben. Bienen suchten ihr Essen.

Auf der Wiese #2

Ausgebreitet die Decken, lagen umschlungen, wir

pfiffen den Vögeln nach, aßen Erdbeeren, die Sonn

färbte das Wasser rot, leer wurd´der Korb, Sterne

 

nur beschienen uns, die Münder erzählten sich

Geschichten zart, später schlugen wir Purzelbäume

unendlich schien die Zeit, so groß das Glück

der mond steht gerade auf #2

das paradies liegt nebenan, im teich

quaken die frösche, von fern rauscht

der zug vorbei, berlin oder paris?

 

der fluss erzählt von den bergen

lachend läufst du über die auen

wilde mageriten schütteln ihr weißes

 

haupt im wind, die nacht fängt erst

an, der Mond steht gerade auf und

lächelt uns an

schlehdornbusch #2

zwischen offenem himmel und schneeumwehten

löwenzahnwiesen der droste nicht das wasser

gereicht, kein tee getrunken mit ihr im dunklen

 

moor. gern ihr girlanden um haar geflochten, ein

lied nicht gesungen mit ihr bei mondenschein

den kühlen wein allein getrunken, zwischen

 

dem schlehdornbusch und den anemonen, die

ringelblumenblätter abgezupft. die vögel des

waldes sangen ihr lied dazu

 

den blumenstrauß ganz vergessen

die gedanken flogen durch den kopf #2

nicht auf den mund gefallen

wörterbücher durchgeschüttelt

und doch, auf der suche nach den

richtigen wörtern, geschwiegen

 

die gedanken flogen durch den

kopf, der mund bliebt stumm

die liebe ging weiter. das gestammel

 

der wörter machte keinen sinn

das schweigen dauerte. nur ein

kuss konnte die stille durchbrechen

Enontekiö: Olavi

Von hier ist Schweden nicht weit. Menschen trifft man hier eher selten. Das gemeine Waldren fast öfter. Von den Rentierzucht kann man hier leben. Oder vom Tourismus. Die Winter sind dunkel und kalt. Hier gibt es ein paar Dörfer. Mehr nicht. Fast gibt es hier Berge. Oder zumindest Hügel. Nicht besonders hoch. Viel wächst hier auch nicht. Fichten und Kiefer tun sich schon schwer. Der Polarkreis liegt südlich. Was soll man da schon erwarten. Olavi züchtete Rentiere. Wie sein Vater. Und sein Großvater. Seine Familie hatte immer davon gelebt. Seit Jahrhunderten. Egal, ob sein Land zu Schweden gehörte oder zu Russland. Er lebte immer schon in Enotekiö. Mochte die kurzen Sommer, die nicht der Rede wert waren. Die Winter waren seine Zeit. Der unendliche Schnee sein Glück. Olavi liebte das Skilaufen. Wenn er Zeit hatte. Manchmal schrieb er auch Gedichte. Immer nur Tiere war ihm zu wenig. Er hatte auch schon einen Verlag für seine Gedichte gefunden. Viele Leser würde er wohl nicht finden. Zumindest nicht in seiner Sprache. Vielleicht würde man sein Buch ins Finnische übersetzen. Oder ins Schwedische. Dann hatte er bessere Verkaufschancen. Ein wenig Geld konnte er schon brauchen. So viel warfen die Rentiere nicht ab.

Die Reise

Hinter den Schneewolken versteckt harrte der

Mond auf seine Anrufung, auch die Sterne

wollten ihren Glanz nicht verstecken, im

Gehölz verirrte Stadtnomaden auf der Suche

 

nach dem Glück, das Ende der Erde ist immer

woanders, Steine versperren den Weg, die Reise

hat ihr Ziel noch nicht erreicht, die Seele in der

Dunkelheit verloren, Halt noch suchend