Das liebste Gedicht #2

Das liebste Gedicht, das schönste?

Hast du es gesehen? Wo ist es?

Wer hat es geschrieben? Verborgen

 

liegt am Meeresgrund, im Meer, im

tiefen. Sterne verloschen, erzählen

davon, im Schatten des Mondenscheins.

 

Wo ist es hin, das schönste Gedicht?

Verloren? Hilfst du mir suchen?

Allein, ich find es nicht.

Dem Meer entgegen #2

Dem Meer entgegen, dem Meer, zog

van Gogh, von Arles nach Saint Maries

und fand das Rauschen der Wellen. Sah

Fischerboote, im Sand, am Strand, wartend

 

auf ihre Besitzer, aufs Meer raus, aufs Meer.

Zu fangen die Fische. Als schaute gar nicht

hin aufs Meer, aufs blaue, malte van Gogh

 

die kleine Boote, in leuchtenden Farben.

Malte er farbenfroh die Boote, könnt springen

mit ihnen ins Meer. Und fahren in die Ferne.

 

Olsztyn: Janusz

Die Winter sind lang in Olsztyn. Die Seen lange zugefroren. Janusz mag die Winter. Geht gerne zum Eisfischen. Grillt gerne im Winter. Geht auch auf die Jagd. Hirsch oder Reh. Trinkt gerne auch Wodka. Nicht zu viel. Aber es ist kalt in Olsytyn. Er fuhr die Straßenbahn. Seine Arbeit machte er gerne. Auch sein Großvater war immer Straßenbahn gefahren. Dann hatte es lange Zeit keine mehr gegeben. erst seit ein paar Jahren gab es sie wieder. Janusz fuhr lieber mit der Straßenbahn. Früher war er Busfahrer gewesen. So ein Straßenbahnzug hatte was stattliches . Machte einfach mehr her als ein Bus. Die Fahrgäste mochten auch die Straßenbahn. Fuhr ruhiger über die Straßen. Weniger Ruckeln. Die Tramino-Züge waren ganz modern. Niederflur. 15 Züge gab es in Olsztyn. Wenn seine Jungs mit der Schule fertig waren, fuhren sie oft aus Spaß mit. Setzen sich hinter ihrem Vater. Janusz war dann besonders stolz. Machte manchmal lustige Durchsagen. Aber nur manchmal. Er wollte seinen Job ja nicht verlieren. Manchmal gab es Probleme mit den Schienen. Wenn es kalt war. Die Weichen gingen dann manchmal nicht richtig. Doch Janusz mochte den Winter. Sie grillten dann im Garten. Freunde kamen. Die Kinder halfen. Sie tranken auch Wodka.

Glyzinienblau

Über den Schnee fliegen keine Schwalben,

das Glyzinienblau schlummert im Gewächs,

die Werkezeuge des Gärtners liegen gut

geölt im Schuppen, ruhig betrachtet er die

 

Knospen der Obstbäume, Maiandachten

noch weit, eine Kerze angezündet zu

Maria Lichtmess, das Besitzen ist nicht

des Glückes Grund

Züge der Nacht

die Züge der Nacht reisen ins Nirgendwo, das

Gekritzel des Reisenden kann kaum noch

entziffert werden, Taxis am Bahnhof Mangelware

heute kommt hier niemand mehr fort, der

sternhagelvolle Mond leuchtet schummrig

der Gesang im Wirtshaus unerträglich, schnell

ins Bett, die Decke über den Kopf ziehen, der

Schnee nicht mehr weiß

Bydgoszcz: Ewa

Sie ging gerne an der Brda spazieren. Sie liebte das Plätschern des Wasser. Wenn sie vom Flughafen heim kam, liebte sie die Ruhe. Gerne arbeitete sie am  Ignacy-Jan-Paderewski-Flughafen. Die Tätigkeit war für sie immer abwechslungsreich. Obwohl eigentlich jeden Tag das gleiche los war. Aber sie traf immer Menschen, konnte mit ihnen reden. Meist auf Polnisch. Immer wieder auch auf Englisch. Der Flughafen war nicht besonders groß. Aber die Welt lag einem zu Füßen. Immerhin flogen über 300.000 Menschen über den Flughafen. Ewas Familie hat schon lange in Bydgoszcz. Nach dem 1. Weltkrieg war sie hergezogen. Vorher war hier Preußen. Ihr Urgroßvater hatte den Einmarsch der Deutschen   zu Beginn des 2. Weltkrieges erlebt. Überlebt hatte er den Krieg nicht. Ewa hatte ihn als kleines Kind gekannt. Viel wusste sie nicht über ihn. Irgendwann hatten ihn die Nazis geholt. SS-Leute. Irgendwann hatte die Urgroßmutter Post bekommen. Er ist wohl erschossen worden. Im „Tal des Todes“. Was genaues hat man nicht erfahren. Ewa lebt gerne in der Stadt. Gern geht sie an der Brda spazieren. Manchmal fliegt sie nach Frankfurt. Ihre Tochter lebt dort.

Kuchen backen

Für Franz waren die Zeiten der Aufregung vorbei. Der Koalitionsvertrag stand soweit, Schulz war zurückgetreten und die Regierung sollte jetzt mal wieder zu arbeiten anfangen. Ein Nachtreten nicht erforderlich. Und was draus würde, würde sich zeigen. Jeder hatte gewählt oder gegebenenfalls eben nicht und die Politiker sollten jetzt ihre Arbeit machen. Franz stürzte sich jetzt lieber wieder auf seine Lektüren. Der Fasching ging relativ spurlos an ihm vorbei. Vielleicht würde er am Abend ihn sehen. Gestern Abend hatte er kurz in den Fernseher geschaut. Mainz bleibt Mainz. Hatten seine Großeltern geliebt. Schien ihm irgendwie aus der Zeit gefallen. Trotz aller Modernisierung. Früher hatten sich die Menschen auf die Sendung gefreut. Heute geschieht dies wohl nur noch bei Dschungelcamp. Das ernstzunehmende Zeitschriften darüber schrieben, verwunderte ihn sehr. Das Niveau der Bild-Zeitung war auch beim Spiegel angekommen. Zumindest online. Für ein wenig Aufmerksamkeit macht man eben viel. Zur Not auch viel Quatsch. Die Fußball-Bundesliga pflegte derweil seine Langeweile. Hintern Bayern war viel Platz und keiner wollte ihn haben. Von Foucault soll ein neues Buch erscheinen. Im Radio hatte es dazu eine Sendung gegeben. Für Sonntag wollte er noch einen Kuchen backen. Schaffte er nicht immer. Doch wenn er das Wochenende nicht in den Bergen war, liebte er es. Maria auch.

Boschs Höllenqualen

Über das Eis trug der Schall weit, der

Wolf lag auf der Lauer, das Getöse

des Tages verhallt in der Dämmerung

 

brechende Äste und der Last, fette Würste

schwimmen ein letztes Rennen, die Sterne

leuchten uns keinen Weg, Boschs Höllenqualen

 

im schwarzen Wald, kein Entrinnen heut

Schneeglöckchen zugedeckt

Die Schneeeule kam zu Besuch, in ihrem weißen

Kleid saß sie im verschneiten Baum,  Schneeglöcken

zugedeckt, unsere Münder berühren sich

im Ofen knistert der Holzscheit, Eisblumen umranken

das Küchenfenster, das Honigbrot schmeckt nach Sommer

die Augen der Eule unendliche müde scheinen

Als Sturm aufkam #2

 

Als Sturm aufkam, die Nordsee überströmte, Wellen sich auftürmten, immer höher, die Schiffe sich abmühten, rauf und runter, abmühten heim zu kommen, den Hafen zu erreichen, da hörte Heine zart die Harfenlaute tönen, als Sturm aufkam, der Wind pfiff laut und lauter, die Wellen prallen hart, doch Heine hört die Harfe, von Ferne kommen die Töne, getragen übers Meer und hört den wilden, süßen, den himmlischen Gesang der Schönen.