Marcs blaue Pferde #2

 

Blau. Natürlich blau. Sind Pferde blau. Sind Blumen blau. Sagt Novalis. Blau. Auch Klein malte blau. Aber es war ein anderes. Die Pferde blau. Wie kann man nur? Und wie schön. Entartet für die Nazis.

Irrte Marc doch, als er gegen die Franzosen ritt.  Aber klar. Hast du schon mal blaue Pferde gesehen? Und dann auch noch gelbe Kühe. Die Chinesen vertragen doch gar keine Milch. Und dann gelbe Kühe! Wie schön die Pferde doch zum Turm sich bilden.

Austragshäusl

Lange Zeit hatte Franz die deutschen Außenminister geschätzt, gemocht, geachtet, machmal sogar geliebt. So erging es vielen Deutschen. Franz konnte sich nicht immer an alle Außenminister erinnern. Dass Brandt einmal Außenminister war, hatte er selber nicht erlebt. Dafür war er auch zu jung. Auch, dass er Kanzler war, hat er nicht bewusst erlebt. An Genscher als Außenminister konnte er sich noch gut erinnern, an seine gelben Pullover und seine Ohren. Sein Nachfolger, Kinkel, hat er dagegen fast vergessen. An den ersten grünen Außenminister konnte er sich dagegen gut erinnern. Und das erstaunliche schien Franz dabei, dass auch Fischer, obwohl Ex-Sponti und ehemaliger Turnschuheträger, als Außenminister recht beliebt war und durchaus von vielen geschätzt wurde. Auch Steinmeier hatte das Amt, keine Frage, gut ausgefüllt und sich Respekt erworden. Dazwischen gab es wohl noch einmal einen FDP-Minister. Für Franz schien es, dass das Amt in jüngster Zeit rapide an Bedeutung verloren haben musste. So wie der Altbauer, wenn er den Hof übergibt, umziehen muss, aber natürlich nicht vom Hof gejagt wird, scheint das Außenministerium nun ein Austragshäusl zu sein. Schien früher vielleicht das Amt des Bundespräsidenten ein solches zu sein, ist für Franz der Plan, einen Politiker, der weggeschickt wird und nicht mehr gebraucht wird, dorthin zu versenden, eine eher absurde Idee. Franz dachte immer, dass Politiker eine gute Rente bzw. Pension bekommen würden. Hatte er da was übersehen? Ist dies ein neues soziales Projekt? Gescheiterte Kanzlerkandidaten bekommen als Versorgung ein Ministeramt, obwohl sie keiner mehr Ernst nimmt? Die Zeiten haben sich wohl geändert. Gelbe Pullover hat man schon lange nicht mehr so ernsthaft und mit Würde getragen wie Genscher.

Als Sappho sich verzehrte #2

Fern im Osten liegt sie, die Insel, vor der

Küste der Türkei. In der Ägäis, Kleinasien

nicht weit, nur ein Sprung fast, nur.

Ausgespuckt von einem Vulkan, ein fast

 

göttlicher Schöpfungsakt. Ausgespuckt.

Weit hinauf gen Himmel reicht sie. Die

Spartaner wollten ihr zu Leibe rücken.

Auf Lesbos Sappho sang von den Frauen,

 

den schönen, verzückt von der Liebe, betet

sie an die Aphrodite, herabschreiten soll sie,

die Göttin der Liebe, herab, bringt da

Blumengirlanden und Weihrauch am Altar,

 

Sappho, die Frauen liebte und sich sehnte,

nach der Liebe und verzehrte. Vor der

schaumumwobenen Küste, gestorben wird heut,

der Liebe fern. Fern die Sehnsucht der Sappho.

 

Fern.

Wroclaw: Kaja

Gern ging sie an der Odra spazieren. Oft nach der Vorlesung. Dann brauchte sie frische Luft. War erschöpft von den vielen Reden. Ihr Kopf war leer. Setzt sich gerne auf eine Bank. Oder in ein Café. Mit Freundinnen, mit Freunden. Später nahm Kaja ihr Rad und fuhr heim. Sie wohnte nicht im Plattenbau. Hatte mit einer Freundin eine kleine Wohnung in der Altstadt gefunden. Es war immer viel los. Besonders im Sommer. Sie mochte den Sommer in der Stadt. Manchmal versäumte sie dann sogar eine Vorlesung. Das Studium gefiel ihr. Später wollte sie nach England gehen. Oder Deutschland. So genau wusste sie es noch nicht. Konnte beide Sprachen ganz gut. Sie hatte immer schon Ärztin werden wollen. Hatte sich immer schon für Menschen interessiert. Im Ausland würde sie mehr Geld verdienen können. Vielleicht England. Ärzte wurden überall gesucht. Nach einigen Jahren wollte sie dann zurückkehren. Aber jetzt war sie ja noch jung. Wollte das Leben genießen. Und Geld verdienen. Die Welt sehen. Wroclaw gefiel ihr gut. Kaja mochte die Odra. Ihr Großvater hatte immer mit ihr geangelt. Letztes Jahr war er gestorben.

Schnee in Moskau

Eisiger Ostwind fuhr Franz um die Nase, an der Isar stärker werdend. Der Winter war so mild gewesen. Jetzt fror Franz ein wenig. Beeilte sich, in die Bibliothek zu kommen. Musste ein paar Bücher recherchieren. War nur selten in der Stabi. War ja kein Student mehr. Wollte sich später mit Maria zum Essen treffen. Hätte doch dickere Handschuhe nehmen sollen. Seine Wangen brannten ein wenig. Zum Glück waren die Schuhe warm genug. Andere Radfahrer waren heute selten zu sehen. Die Luft war trocken und kalt. In Moskau lag viel Schnee. In München war keiner zu sehen. Der Super Bowl war ausgespielt. Franz hatte ihn seelenruhig verschlafen. Ihm reichte ab und an ein Fußballspiel. In Italien lächelt Berlusconi sein eisiges Lächeln, in Macerata wurde auf afrikanische Migranten geschossen. Die GroKo spielt die Verlängerung noch weiter aus. In Italien würden die Wahlen jetzt vielleicht interessant werden, doch auf Neuwahlen in Deutschland hatte Franz auch keine rechte Lust. Vielleicht würde es ja ein junges Kabinett geben?

Die Mäßigung #2

Der goldene Weg, er scheint in der Mitte zu liegen

mehr als nichts und doch nicht alles. zwischen Wollust und

 

nichts empfinden können, das rechte Maß eben,wie man so sagt

doch was wäre denn so schlimm daran, über die Stränge zu schlagen?

 

wäre dann die Liebe ein Exzess des Glücks?  Die Mittelmäßigkeit scheint

schnell auf die Mäßigung zu folgen, obwohl Besonnenheit mitunter

 

von Vorteil sein kann.

Verlängerung

Im Fußball haben ja Verlängerungen oft etwas spannendes. Bei den Verhandlungen der GroKo ist dies die Frage. Eher spannend fand Franz die Frage, wie sich die Basis der SPD verhalten würde. Würde Begeisterung aufkommen? Dies hielt Franz eher für unwahrscheinlich. Sein Großvater hatte ihm öfter von Stalingrad erzählt. Er war selber nicht dort gewesen. Hatte Glück gehabt. Eine unmenschliche, sinnlose Schlacht. Ein großes Symbol. Für Stalin. Für Hitler. Alexander Kluge hatte dazu einen klugen Essay veröffentlicht. Die 6. Armee der Wehrmacht hatte kapituliert, obwohl Hitler diese Kapitulation verboten hatte. Götterdämmerung hin oder her. Nach der Niederlage von Stalingrad war der Krieg endgültig verloren. Auch Franz Großvater bekam Zweifel an Hitlers Fähigkeiten. Doch sein Großvater war nicht in den Widerstand gegangen.

kein Hamlet da

Eisscholle an Eisscholle, Eisberge verschieben,

kein Hamlet zu sehen, weißes Land, Nuuk bietet

nicht viel, der Polarkreis liegt um die Ecke

 

Nordatlantikstrom  streift, im Sommer sieht man hier

nicht nur Schnee, der Sermitsiaq grüßt schon

von weitem, manchmal landet auch ein

 

Flugzeug. Dänemark ist weit weg, der Polarwolf

streift gern umher, in der Nacht hat uns eine

Schneeeule besucht, ihr lautes Krächzen

 

durchbrach das Schweigen der Dunkelheit

weißes Land, im Sommer leuchtet

das Weideröschen lila, kein Hamlet da

Fixpoetry

Auf Fixpoetry, einer wunderbaren Seite für Literatur, ist heute ein Text von mir als Text des Tages veröffentlicht worden. Schaut und lest!

Fixpoetry

Vom Ort der nicht genannt sein will #2

Als ritt, vom Orte, vom Orte

der nicht genannt, in der Mancha

der nicht genannt sein will, der

Gaul war mager, der Junker, der

verschlang, die Bücher mit den Rittern

Ritterromane verschlang, gab dafür

gar das Land und verschlang

Ritterromane verschlang.