Habseligkeiten #2

Eingepackt die ganzen Habseligkeiten. Selig mit den wenigen Dingen. Sind es die letzten nach dem großen Sturm? Abgeworfen der ganze Ballast? Angekommen mit nur ganz wenig Dingen? Kommt die Glückseligkeit? Hat das letzte Hemd keine Taschen nicht, wer braucht schon mehr? Als hätte der Junge seine Schätze aus der Hosentasche ausgepackt. Habseligkeiten.

leere Schwalbennester

Unter dem Dach klebten die leeren

Schwalbennester, darunter der

zurechtgestutzte Weinstock, blattloses

 

Gerippe im Winter, im Keller die geernteten

Äpfel des Herbstes, ins Braun gehen Wiesen

nach der Schneeschmelze, noch ist eine Rückkehr

 

der Vögel nicht zu erwarten, Samen wartet in

den Tüten auf den warmen Mutterboden, die Hände

des Gärtners sind in Ruhestellung

Zum Flughafen #2

Der Weg zum Flughafen, die S-Bahn wird langsam voller. Viele haben große Gepäckstücke dabei, die Urlaubssaison hat schon längst begonnen. Mallorca muss angeflogen werden, er sitzt in seinem Anzug, braucht den Flieger nach Berlin. Spät dran ist er, sein Laptop muss die Mails noch schnell verschicken, neben ihm schwitzt eine Frau, seine Schuhe glänzen. Für zwei Tage Berlin, der neue Kunde will ein Konzept. Für seine Träume ist da kaum Zeit, eine Umbuchung kommt nicht in Frage. Gleich fährt die S-Bahn in den letzten Bahnhof ein. Nach oben führen die Rolltreppen, der Duft des Mittelmeers fliegt durch seinen Kopf, seine Füße finden den Weg zum Schalter allein.

Und tiefer fällt #2

Irrt und irrt Lenz durchs Gebirge und irrt und fällt, tiefer hinein, fällt tiefer hinein in sich. In sich tiefer fällt und nicht findet, den Halt, den Halt nicht findet in sich und fällt und Oberlin nicht halten kann, nicht halten kann den Lenz.

Persephones Lachen #2

Weg fließt der Schnee vom Himmel ins dunkle Meer.

Zwischen Himmel und Erde geschwebt, schwarzgrau am

Straßenrand. Februarsonne scheint auf, der Fluß wird lauter

Stund um Stund, das Grab des Odysseus wird keiner finden,

Persephones Lachen über das Meer widerhallt.

Eckbank

Verloren saß die Krähe im Apfelbaum, leer

das Beet zwischen den Schneeresten. Die

müden Hände des Bauern füttern die Hühner.

 

Der krumme Rücken erzählt von seiner

Arbeit. Der alte Fendt trägt die Rostspuren

seiner Jahre. Keine Sonne durchbricht die

 

Wolken. Die Kühe im Stall wollen auch noch

gefüttert werden.  Langsam trottet der Hofhund

hinterher. Wenn der Milchwagen kommt, hat er

 

nicht viel mitzunehmen.  Auf dem Herd steht

eine Fleischbrühe für den Abend. Seine schweren

Schuhe wird er im Flur abstellen.

 

Er freut sich schon auf die Eckbank.

Den Winter hat sie nie gemocht

Schwer der Gang über den Flur. Zwischen

Küche, Bad und Stube ihr ganzes Revier.

Vor die Tür kommt sie nur noch selten. In

den 1. Stock schon gar nicht. Sie kommt vom

Land und lebt vom Land. Immer Bäuerin

gewesen. Die Furchen des Ackers und die

Falten des Gesichts gleichen immer mehr.

Im Stall ist schon lang kein Vieh mehr. Alle

Kühe verkauft. Ihre Knie machen schnell

schlapp. Einer der Kinder schaut immer

nach ihr. Die Haare kann sie nicht mehr selber

machen. Wenn sie am Herd steht, macht sie

am liebsten Suppe. Die wärmt. Von außen.

Von innen. Den Winter hat sie noch nie gemocht.

Als nächtlings unterwegs #2

Als nächtlings unterwegs, lauwarm die Nacht, um die Ohren flogen ihm Cherubinen. Er wusste nicht recht woher, wieso. Doch erkannt er sie gleich, so sonderbar ihre Gestalt. Viel zu viele Flügel, viel zu viele Gesichter für irdische Wesen. Engelsgleich sie schienen,
so menschlich ihre Gestalt. Doch er verstand nicht ihre Worte. Auch Seraphine flogen herbei. In der Hand, die Cherubinen, hielten ein Schwert und er wusst´, er muss
gefallen sein aus dem Paradise.

Linsensuppe

Winterblau strahlte der Himmel in den Alpen. Der Chiemgau lachte. Mit Schneeschuhen waren Franz und Maria gelaufen. Bis die Beine brannten. Erschöpft machten sie Rast vor der Hütte. Linsensuppe füllte den Magen. Doch zuerst Flüssigkeit nachgefüllt. Die Beine ausgestreckt. Die Sonnenbrille zurechtgerückt. Hier gab es wenig Skifahrer. Meist nur Tourengeher. Doch die Schneelage war weiter oben kritisch. Lawinengefahr. Der Schnee war weich und zart. In der Nacht hatte es gehörig geschneit. Der Hüttenwirt hat lang gebraucht, bis Fenster und Tür frei waren. Franz und Maria tranken noch einen Kaffee. Sie hatten keine Eile. Noch würde es nicht dunkel werden. Zur Not hatten sie Stirnlampen dabei. Die SPD hatte für das große Krokodil gestimmt. War wohl unumgänglich. Lindner sei Dank. So langsam wurde es Zeit für eine neue Regierung. Beim Abstieg bildete der Mond eine Sichel. Der Schnee wurde fester. Die Wangen waren kühl.

Zakopane: Krzysztof #2

Wenn der Schnee recht war, schnallte sich Krzysztof die Skier an und ging in die Berge. Oft nach der Arbeit. Ein wenig den Puls in die Höhe treiben. Frische Luft schnappen. Er kannte sich aus. Wusste den Schnee gut einzuschätzen. Führte manchmal auch Touristen. Die aus der Stadt kamen. Aus Warschau. Oder Krakau. Kattowitz. Manchmal kamen auch Deutsche. Oder Russen. Meist aber Polen. Verdiente ein paar Euro dazu. Im Sommer ging er auch in die Tatra. Nur am Schalter sitzen ging dann doch nicht. Brauchte die Bewegung. Liebte die Ruhe. Ging oft alleine. Krzysztof ging aber auch mit Freunden. Später sprang er gern in den Morskie Oko, oft war der See kalt. Doch das war Krzysztof recht nach einer langen Tour. Unterwegs aß er oft Schafskäse. Mehr brauchte er in den Bergen nicht.