Die Schlachten waren groß #2

Die Schlachten waren groß, die bestehen musste der Held, umkämpft war die Stadt, Troja, umkämpft zehn Jahre lang. Mit zwölf Schiffen fuhr heim Odysseus, fuhr heim und irrte und irrte herum übers Meer. Zehn Jahre irrte Odysseus übers Meer, bis kam, allein, heim er von der Schlacht. Grausam und heldenhaft kämpfte gegen Zyklopen, einäugige, ausstechend das eine Auge, listig hängend an die Ziegen zur Flucht. Kämpfend gegen den Schlaf der Lotusblume, einfangend die Winde der Meere, besiegt die Zauberkraft, die Zauberkraft von Kirke und widerstand, widerstand dem Gesang der Sirenen.

Zakopane: Krzysztof

Regelmäßig kommen die Züge aus Krakau nach Zakopane. Im Winter ist immer viel los. Wie Fliegen fallen sie über Zakopane her. Wollen alle Ski fahren. Doch auch im Sommer kommen viele zum Wandern. Wege und Hütten gibt es genug. Krzysztof verkaufte gern Fahrkarten. Redete gern mit den Leuten. Lokomotivführer hätte er nicht werden wollen. Da musste man immer aufpassen. Wenn nichts los war, träumte Krzysztof gerne. Er träumte schon lange bei der Arbeit. Ohne Träume wäre sie ihm doch zu langweilig. Dennoch liebte er die Arbeit. Fuhr meist mit dem Rad zur Arbeit. Wenn er Zeit hatte, ging er gern in die Berge. Von der Tatra konnte er nicht genug haben. Früher war er Skispringer gewesen. Mit mittelmäßigem Erfolg. War immer schlechter gewesen als Adam. Hat dann aufgehört, bevor ihm alle Knochen weh taten. Auch der Papst ist mal in Zakopane gewesen. Doch das ist schon lange her. Krzysztof hat ihn sehr verehrt. Wie fast alle Polen. Als der Papst noch Bischof in Krakau war, war er öfters in Zakopane gewesen. Krzysztof hatte seinen Papst immer geliebt. In seinem Haus hingen Bilder von ihm. Seine Frau war das oft zu viel. Doch am Sonntag ging sie immer mit Krzysztof in die Kirche.

Krokodile

Zum Glück war Franz nicht in der SPD. So musste er sich nicht den Kopf zerbrechen über die Vor- und Nachteile von großen Krokodilen. Irgendwie war er bei der Frage mittlerweile ziemlich genervt. Doch scheinbar ging es den Deutschen ja auch ohne neue Regierung ganz gut. Manchmal hörte man sogar etwas vom neuen Bundestag. Doch dies war eher selten. Noch mehr nervte ihn eigentlich das Wetter. Kein richtiger Schnee in der Stadt. Laue Temperaturen. Er mochte Kälte im Winter. Eis und Schnee. Fuhr auch gern mit dem Rad über weiße Straßen. Wollte den Winter auch in München haben. Nicht nur in den Bergen. Am Sonntag würde er wohl in den Schnee fahren. Vorher keine Zeit. Musste noch arbeiten. Dinge erledigen. Am Abend in der Bar. Musste auch noch einen Text fertig schreiben. Termin ist Termin. Aber am Sonntag würde er früh in die Berge fahren. Mochte kein Gedränge. Keinen Stau. Krokodil hin oder her. er hatte ja im Herbst gewählt.

Als Jandl den Führerschein machte #2

Als Jandl den Führerschein machte, da hatte es der Fahrlehrer nicht leicht. Verwechselte der Fahrschüler schnell mal links mit rechts oder rechts mit links und fuhr nach da und nach dort anstatt nach dort und nach da. Als dann Jandl dort war und nicht da, war der Fahrlehrer fort. Beim nächsten Mal, der Fahrlehrer war wieder da, fuhr Jandl nach dort und nach da, anstatt von da nach dort und fuhr nach rechts und nach links und auch im Kreis. Doch als fuhr Jandl im Kreis verkehrt, anstatt rechts nach links, da war der Fahrlehrer fort und kam nicht mehr.

Wintergroll

Begraben am Strand liegt Hamlet immer

noch, die Möwen kreischen ihr Lied. Der Butt

verwunschen, hilft nicht weiter, die Mörder

 

ziehen ihre Rund, schneeweiße Birken im

Wind sich regen, müd zieht der Fischer sein

Netz. Die Ostsee tobt ihren Wintergroll

 

Eisschollen tanzen den Tanz der Hyänen.

Deine Hand hält meine.

wagners leid #2

 

wenn öd und leer das  meer, der gesang durch

die knochen geht, kein schiff will fahren ans

rettende, gewiss scheint der tod im hyazinthengarten

 

so grün, irland liegt weit, die liebe geschenkt und verloren

die grillen singen ihr lied dazu, am end nur bleibt

der tod, betrübnis, vergangen der liebe freud

 

Omsk: Wassili

Sommer wie Winter arbeitete Wassili an der Universität für Eisenbahnwesen. War dort Lehrer. Er war selber Ingenieur und bildete Ingenieure für Lokomotiv- und Wagentechnik aus. Seit es die Transsib gab, brauchte man gut ausgebildete Leute für die Eisenbahn. Mittlerweile kann man an der Hochschule auch andere Fächer studieren, doch Wassili bildete nach wie vor Ingenieure für die Eisenbahn aus. Sein Vater war Lokomotivführer gewesen, sodass er immer schon die Eisenbahn liebte. Wassili mochte die Stadt. Es lebten viele Studenten hier. Es gab ja auch viele andere Hochschulen. Seine Wohnung war seit 20 Jahren die gleiche. Plattenbau. Meist ging die Heizung gut im Winter. Konnte nicht klagen. Auf dem Land hatte er eine kleine Datscha. Seine Frau war ganz zufrieden mit ihm. Es ging ihnen gut. Machten Urlaub im Sommer. Hatten zwei große Kinder, die am studieren waren. Vom Balkon konnten sie direkt auf den Fluss schauen. Als der Ministerpräsident  die Hochschule besuchte, hat er ihm die Hand geschüttelt.

Die unendliche Langeweile: Oblomow #2

Ein Faulpelz gewesen, ein rechter. Unmöglich, nicht herumzuliegen für ihn gewesen, träge durchs Leben. Schlafen, nicht verdienen müssen den Lebensunterhalt, das Leben als ein einziger Traum der Dekadenz. Ein Parasit der Gesellschaft, eingeschrieben in sein Gesicht die unendliche Langeweile und nie enden wollende Müdigkeit. In den besten Jahren und doch schon verlebt, das Leben begonnen und des Lebens müde.

Wladiwostok: Wanja

Am Ende von Russland gelegen. Im Osten. Hier ist kein Europa. Hier beginnt der Pazifik. Hier kamen die Züge aus Moskau an. Hier brachten die Schiffe Ware aus Japan. Wanja liebte seine Stadt. Er lebte schon lange hier. Mochte die Größe. Den Trubel. Trieb immer schon Handel. Exportierte Autoteile von Europa nach Japan. Idealer Standort. Ließ die Güter mit der Bahn kommen. Meist aus Deutschland. Verschiffte sie dann nach Japan. Nur besonderes eilige Fälle schickte er mit Luftpost. Die Bahn war verlässlich. Auch mit China machte er Geschäfte. Oder Südkorea. Aber am meisten mit Japan. Deutsche Autos hatten da ihre Liebhaber. Wanja lebte gern am Meer. Mochte den Duft. Sah gern den Schiffen im Hafen zu. Wie sie die Container verluden. Doch am meisten war er am Bahnhof. Holte die Ware oft selber ab. Fuhr sie selbst zum Hafen. Wollte nicht immer im Büro sein. Manchmal fuhr er auch mit dem Zug nach Moskau. Konnte auch im Zug arbeiten. War auch öfters in Japan. Geschäfte musste man pflegen. Hatte genug Geld. Manchmal geht er ins Casino. Trifft dort viele Chinesen. Redet über dies und das. Wanja ist nicht auf den Mund gefallen. Nur die Winter mag er nicht.

Schlittenfahrt

Das Wochenende in den Bergen gewesen. Sonne schauen. In München nur Nebel. Franz war mit Maria Schlitten fahren gewesen. Berg raufgelaufen. Runter gerodelt. Schnee gab es noch genug. Und viel Sonne. Waren mit dem Auto rausgefahren. Später Freunde getroffen. Rote Wangen. Bergauf ganz schön warm geworden. Am Nachmittag waren sie noch einmal aufgestiegen. Zwei Tage Berge. Bei Freunden geschlafen. Nicht zuviel getrunken. Die Beine waren schwer geworden im Schnee. Runter nicht immer die Kurve bekommen. Der Schlitten war schnell geworden. Lachend lagen sie im Schnee.