Geschrei der Krähen im Ohr

die Welt kein Tor, verloren, nackte

Füße im Schnee, Geschrei der Krähen

 

im Ohr, auf der Suche nach Eisblumen

hast du dir die Nase plattgedrückt

 

Straßenbahnen kreischen vor Kälte

abgeschlagene Tannen warten, die

 

Scherze des April stehen in der Ecke

rot deine Nasenspitze

Datscha #4

Den Winter auf der Datscha mochte sie. Wenn Schnee gefallen war. Alles weiß war. Anders als in der Stadt. In Berlin war der Schnee schnell schwarz. Sie hatte genug Decken in der Datscha. Und Holz. In der Früh waren die Scheiben beschlagen. Oder Eisblumen. Eisblumen gab es in der Stadt keine mehr. Alles isoliert. Sie liebte Eisblumen. Bei ihre Oma hatte es auch immer welche gegeben. Kalt war es in der Früh. Saß dann mit Mütze beim Frühstück. Der Ofen brauchte eine Weile. Die anderen Datschen waren im Winter leer. Auch das Dorf schien ausgestorben. Oft machte sie die ersten Spuren im Schnee. Aus Berlin kam jetzt keiner mehr raus. Manchmal schrieb sie gute Geschichten.

Datscha #3

So um die tausend Quadratmeter groß war das Grundstück. Genug für Birnbaum und Apfelbaum. Auch kleinere Kirschbäume und Beerensträucher. Die Brombeeren wilderten rum. Die Himbeeren gaben auch noch im Oktober Früchte ab. Ungezähmt hier und dort Rosen. Auch im Winter fuhr sie raus. Die Datscha hatte einen kleinen Ofen. Reichte für ein wenig Wärme. Schlecht isoliert die Fenster. Auch das Dach war nicht das beste. Den Rasen mähte sie, wenn sie Lust hatte. Meistens war er eher eine wilde Wiese. Der Löwenzahn fühlte sich wohl. Meist vergass sie das Handy in der Berliner Wohnung. Das Laptop sowieso. Zum Arbeiten nahm sie sich nichts mit. Sie wollte in der Erde wühlen. Weniger nicht. In den Schränken war ein wenig Vorrat gelagert. Einen kleinen Laden gab es in der Nähe. Da konnte sie hin radeln, wenn was fehlte.

Eine Sonnenuhr konnte ja nicht irren

Die Sonnenuhr am Handgelenk war nicht leicht. Aufziehen musste er sie aber nicht. Das genaue Ablesen der Uhrzeit war nicht immer einfach. Mitunter vergaß er seinen Kompass und verpasste den Zug. Oder der Zug hatte nicht die richtige Zeit, die auf seiner Uhr angezeigt wurde. Zugführer waren möglicherweise desorientiert. Eine Sonnenuhr konnte ja nicht irren. Sein Chef hielt ihn für verrückt, dabei hatte er nur die falsche Uhr. Der Chef. Er hatte immer die richtige Zeit. Nur wenn er abends heim wollte und der Zug hatte wieder die falsche Zeit, machte er sich Sorgen.

verlieren, verloren

verlieren, verloren, im

schnee, das casino um die

ecke gebracht, die tritte gegen

den geldautomaten halfen

auch nicht weiter, die mülleimer

nach pfandflaschen durchsucht

tagein tagaus, gewinnen war nicht

vorgesehen, der straßenbelag rutschig

schuhe keinen halt, das abendessen

lag in scherben

Datscha #2

Der normale Schrebergarten wäre nicht ihr Ding gewesen. Der Obergärtner in Feinripp hätte sie in ein Korsett gesperrt. Der Garten hätte akkurat sein müssen. Wildwuchs war verpönt. Doch sie liebte Grün. Berlin war schon ok für sie. Sie wollte nicht als Landei existieren. Würde sie nicht überleben. Doch wollte sie auch in der Erde buddeln. Mit ihren Händen. Tomaten anpflanzen. Einen Apfel vom Baum essen. Stauden setzen. Blumenzwiebeln in den Mutterboden stecken. Regenwürmer lieb haben. Auf der Datscha gab es keinen Lärm. Keine Backpacker. Keine U-Bahn. Auch kein Coffee to go. Nahe beim Schwielowsee war die Datscha. Kein Luxus. Kein Fernseher. Warum auch. Das Glück funktioniert ohne Fernseher besser. Ohne Luxus auch. In den Nächten schaute sie die Sterne an. Mehr brauchte sie nicht. Es waren eh so viele.

Datscha #1

Sie mochte Berlin. Lebte gern in der Großstadt. Doch sie mochte auch das Grüne. Sie hatte nicht immer Glück im Leben, doch irgendwann kam es zur ihr, das Glück. Sie hat das Glück nicht draußen gelassen sondern hereingebeten. Eine Datscha. Ihr wurde eine Datscha angeboten. Eine kleine, verwunschene. Zum Kaufen. Sie zählte ihr Erspartes. Und überlegte. Irgendwo im Norden von Berlin. An irgendeinem See. Man konnte sogar mit der S-Bahn rausfahren. Und dann laufen oder mit dem Rad. Das Häuschen war nicht groß, irgendwas zwischen 30 und 40 Quadratmeter. Kleines Bad. Linoleum als Fußboden. Einfacher Standart. Mehr musste nicht sein. Meist war sie den ganzen Sommer dort gewesen. Hat das Glück hereingelassen. Und das Glück gefunden.

Magazin für Kultur

Bei MFK dem Magazin für Kultur sind zwei Texte von mir erschienen. Wer sie online lesen will, hier der Link.

Haltung

eine Kröte, ungeküsst #2

in der früh saß ein kröte

vor der haustüre, um einlass

bittend, die sprache ich nicht

 

verstand, bat sie, doch zu gehen

nach kurzer zeit sie noch

einmal bat hereingelassen zu

 

werden. umsehen wollte sie

sich ein wenig im haus, doch

die sprach´ ich nicht verstand

 

beleidigt zog sie von dannen

ungeküsst

unsere Träume mussten andere Wege finden

Der Drachen längst flugunfähig, der letzte

Herbst hatte ihm den Rest gegeben, die letze

Böe hatte ihn zu hoch hinaufsteigen lassen

 

nicht gemacht für Himmelsstürmereien

die kahlen Bäume hatten Spalier gestanden

für seine Flugmanöver, die Wiese bot

 

Maulwürfen Quartier, der Lech sang

sein Lied dazu, vom anderen Ufer leuchtete

die alte Lampenfabrik, geknickt, mit

 

lahmen Flügeln gingen wir heim

unsere Träume mussten andere

Wege finden