Umherschweifend

Unterwegs. Wer geht? Bleiben.

Dazwischen. Irgendwo. Verortet?

Ortlos umher. Schweigen redend.

Das Laub erzählt ein Lied.

Dein Lied? Vergessen?

Umherschweifend der Gang.

Die Gedanken sind im Labyrinth.

Sackgassen lauern überall.

Umleitungen führen vom Ziel weg.

Der Weg? Die Orientierung ist über

die Böschung gegangen. Unter dem

Pflaster kein Strand in Sicht.

Mathias #11

Mathias saß gern in seiner Küche. Aufgeräumt war sie nicht immer. Zum Glück kam die Nachbarin ein Mal die Woche vorbei, um nach dem Rechten zu schauen. Der alte Wamsler reichte ihm zum Kochen. Machte gern das Feuer an. Holz hatte er immer genug vorm Haus. Meist machte er es selber klein. Ging noch ganz gut. Hatte dafür sein altes Beil. Keinen Holzspalter. Im Baumarkt war er noch nie gewesen. Sah manchmal in der Zeitung Werbung. Als gern darin. Was er morgens zum Frühstück nicht schaffte, als er abends bei der Brotzeit. So war er nicht allein mit seinen Gedanken. Hörte dann gern Radio. Bayern 1. Ihm gefiel die Musik. Wenn Nachbarn kamen, saß er mit ihnen länger auf der Eckbank. Die Tischplatte hatte schon viel Kerben. Das Holz lebte. Schon oft gescheuert worden. Vor dem Küchenfenster stand der Birnbaum. Irgendeine alte Sorte. Wusste er nicht mehr so genau. Früher hatte er die Früchte auch getrocknet. Heute war er froh, wenn Nachbarn Birnen aufhoben. Kam aber nur noch selten vor.

Herbstzeitlose täuschen Krokusse vor

am Rand liegt das Laub, in den Süden

gezogen sind längst die Störche, kein

Quaken nach Mitternacht, startbereit

 

stehen die Schlitten im Keller. Martinsgänse

wackeln noch schnell mit ihren Hälsen,

Nikolausdarsteller bekommen einen

 

langen Bart. Frühlingsliebhaber drücken

die Blumenzwiebeln in die Erde,

Herbstzeitlose täuschen Krokusse

 

vor, die Küsse der Liebenden  sind gar

nicht herbstlich, der Lebkuchen liegt

unberührt im Regal

Don Jupp

Den Bayern wünschte der Franz nicht immer alles Gute. Fand sie oft langweilig. Dauern Meister. Aber Franz mochte den Jupp. Was will man da machen. Da muss er den Bayern fast die Daumen drücken. Nur fast. War da hin- und hergerissen. Würde man sehen. Allemal besser als Red Bull. Schmeckt einfach nicht. In jeder Hinsicht.

Mathias #10

Er konnte sich nicht jeden Tag rasieren. Dafür fehlte ihm die Geduld. Ging am Wochenende. Samstags badete er immer. Mathias mochte Rituale. Regelmäßigkeit. Morgens und abends im Stall die Kühe melken. Tagein, tagaus. Jahrein, Jahraus. Seine Kühe liebten es auch. Er liebte die Gespräche in der Früh und am Abend. Frühstück und Abendbrot gab es danach. Winter wie Sommer. Sein Biervorrat wurde auch selten leer. Rechtzeitig gab es einen neuen Kasten. Holte ihn mit dem Fendt. Zur Brotzeit trank er immer ein Bier. Wenn Besuch kam, konnte es auch ein zweites werden. Aber nur dann. Kein Rausch. Kein Exzess. Der Wind trieb die Herbstblätter ins Haus. Rote und gelbe. Freute sich über den Besuch des Baumes in seinem Haus. Am Sonntag, vor der Kirch, telefonierte er mit seinen Kindern. Bei den Obstbäumen halfen die Nachbarn. Äpfel. Birnen. Alles konnte er nicht essen. Manches Obst blieb unter den Bäumen liegen. Doch gerne machte er Bratäpfel. Schob ein paar ins Rohr. Die Nachbarin machte dazu Vanillesoße. Sie aßen dann mit roten Köpfen.

Der Herbst

Die Freibäder waren geschlossen. Zu früh. Franz würd gern noch ein paar Runden drehen. Die Sonne wärmte wunderbar. Schon in der Früh den leichten Nebelschleier durchbrochen. Die Österreicher hatte Franz immer gern gehabt. Auch wenn die Kärntner schon lange seltsam wählten. Es gab was zu klagen über Klagenfurt. Franz mochte die Literatur aus Österreich. Den Bernhard. Die Mayröcker. Die Jelinek. Den Handke. Die Bachmann hatte er schon früh gelesen. Auch die Küche mochte er sehr. Die Marillenknödel waren seine große Liebe. Aber was die Österreicher da wieder zusammengewählt hatten, befremdete ihn sehr. Das Driften an den rechten Rand sollte doch außer Mode sein. Aber die FPÖ surft munter immer mehr nach Rechts. Fand der Franz sonderbar. Waren doch früher ein Vielvölkerstaat gewesen, als sie ihren Kaiser noch hatten.

Hochfelln

Fast schien es dem Franz, als sei der Sommer noch einmal wiedergekehrt. Franz war mit Maria ins Chiemgau gefahren. Noch mal rauf auf die Berge. Musste sein. Das Wetter versprach herrlich zu werden. In der Früh drückte Nebel ins Tal. Doch schon bald war hier und da die Sonne zu erahnen. Noch feucht von der Nacht der Weg. Sie waren bis nach Ruhpolding gefahren. Rauf auf die Steinbergalm. Der Anstieg zum Hochfelln war nicht besonders schwierig. Gerade recht für einen entspannten Tag. Und oben gab es was zu essen. Das gefiel Maria. Das Hochfellnhaus hatte da genug im Angebot. Die Sonne wärmte prächtig. Später gingen sie über die Bründlingalm ins Tal. Der Zug war schon in der Früh voll gewesen. Auch in den Bergen ordentlich Betrieb. Franz und Maria waren davon nicht überrascht. Auf der Alm waren sie mit Freunden verabredet. Wollten noch den Abend mit ihnen verbringen. Die Sonne wärmte die Seele. Als käme der Sommer. Wo doch der Winter vor der Türe stand. Überall buntes Laub. Leuchtender Herbst.

Kartographie #14 Königsplatz

Gern ging Maria in Museen. Der Königsplatz war dafür ein guter Startplatz. Das Lenbachhaus gefiel ihr besonderes gut. Die Villa erinnerte sie an Florenz und die Bilder fand sie fantastisch. Aber das fand ja jeder. Den Blauen Reiter toll zu finden, war nichts besonderes. Zumindest nicht im 21. Jhdt. Die Nazis hatten den Blauen Reiter nicht gemocht. Vom Königsplatz aus konnte man auch gut die Pinakotheken erreichen, doch mehr als ein Museum konnte Maria am Tag nicht verarbeiten. Meist schaute sie eh nur wenige Bilder an. Dafür genauer. Länger. Den Beuys hatte sie sich aufgehoben. Sie mochte Beuys. Doch nicht am gleichen Tag mit dem Blauen Reiter. Marc, Kandinsky, Münter, Jawlensky. Das war schon fast zuviel. Da mussten noch andere warten. Der Beuys war für später. Erst die Farben geniessen. Die kräftigen Farben schwirrten durch ihren Kopf. Da war kein Platz für Badewannen.

Mathias #9

Als seine Frau gestorben war, hat er sich nur schwer um seinen Hof kümmern können. Der Tod war überraschend gekommen. In der früh war alles wie immer gewesen. Sie waren zusammen in den Stall gegangen. Hatten danach gefrühstückt. Später war er zum Heu machen rausgefahren mit dem Bulldog. Als er gegen Mittag heim kam, lag seine Frau tot in der Küche. Er hat noch den Arzt angerufen. Doch es war nichts mehr zu machen. Herzinfarkt. Damit hatte er nicht gerechnet. Wusste nicht ein noch aus. Die Nachbarn kamen und halfen ihm. Beim Vieh, beim Haushalt. Brauchte eine Weile, bis er sich wieder gefangen hatte. Nun besuchte er Theresa immer auf dem Friedhof. Redete mit ihr. Auch daheim redete er oft mit ihr. Wenn er unter Menschen war, sehnte er sich manchmal nach Ruhe. Um Zeit für seine Frau zu haben. Waren über 50 Jahre verheiratet gewesen. Da vergisst man nicht. Da heilt keine Zeit Wunden. Da lebt der Mathias weiter mit seiner Frau. Sein Schlafzimmer sieht aus wie früher. Doppelbett. Beide Betten bezogen. Das eine unberührt. Warum sollte er was ändern? Er war nicht allein. Wie hätte er das sein können nach so langer Zeit?

Fischstäbchen

Gib Butter bei den Fischen, im See

schwimmen keine Ölsardinen

Unglück bringt der Freitag nicht , die

Waschküche ist längst geschlossen

 

Wäschetrockner stehen in jeder

Eigentumswohnung, Ball spielen auf der

Wiese verboten, mit den Smartphones

 

sind die Kinder verräumt, Spinat

mit Spiegelei wäre eine Alternative

zu den Fischstäbchen