Mais mochte Mathias nicht. Hatte ihn nie angebaut. Brauchte ihn auch nicht. Seine Kühe aßen Gras oder Heu, frisch von der Wiese oder im Winter getrocknet. Mehr brauchten seine Kühe nicht. Die Milch schmeckte wunderbar. Wenn er gute Tage hatte, machte er noch selber Butter. Manchmal half die Nachbarin. Jeder lobte seine Butter. Schmeckte anders als die aus dem Supermarkt. Die Nachbarn kauften ihm gern eine Butter ab. Aber viel hatte er nicht. War zuviel Arbeit für ihn. Doch für sich selber und den einen oder anderen langte es schon. Brot mit frischer Butter. Mehr brauchte er dann nicht zum Abendessen. Viele Bauern bauten ja den Mais an. Zum Glück war der meiste jetzt abgeerntet. Wurde auch Zeit. Der Blick reichte viel weiter über die Wiesn. Saß auf seiner Bank und schaute in die Ferne. Sah über die Wiesn und Felder. Auch als die Sonne längst untergegangen war.
Autor: orangeblau
der frühe vogel
im sommer fuhr er schon sehr früh
als die vögel zu singen anfingen
mit seinem rad die isar entlang.
gerne nahm er sein rad, so war er
schnell am gewünschten ort. zwei
körbe, vorne und hinten, dazu noch
alte satteltaschen. er musste schnell
sein, damit anderem ihm nicht zuvor
kamen. gerade am samstag- und
sonntagmorgen konnte er auf reichlich
beute hoffen, mit glück fand er sie schnell
konnte die weggeworfenen pfandflaschen
aus den mülleimern fischen, hier und
dort fand er sie auch verstreut in den
büschen und auf dem kiesbett verteilt.
schwer beladen traf er beim supermarkt ein
Mathias #7
Sein Hof hatte noch einen Misthaufen. Freute die Hühner. Mit der Schubkarre musste Mathias den Mist aus dem Stall rausfahren. Morgens, abends. Hatte zum Glück Hilfe. Kein moderner Laufstall. Im Sommer trieb er die Kühe auf die Weide. Freute die Kühe. Hatten dort ihre Ruhe. War nicht weit vom Hof, schräg gegenüber. Als Mathias noch mehr Kühe hatte, mussten sie oft weiter gehen, weil sonst das Futter nicht langte. Aber die fünf waren genügsam. Wie der Mathias. Der brauchte auch nicht mehr so viel. Seine Hühner waren auch mit dem zufrieden, was sie so fanden. Mathias Schuhe waren schon öfter beim Schuster. Auch sein Gewand wurde hier und da geflickt. Nur am Sonntag war er herausgeputzt. Sein Gesicht hatte oft Bartstoppeln. Am Sonntag sah man meist keine im Gesicht. Er ging gern in die Messe. War schon immer so gewesen. Doch einen Pfarrer gab es nicht immer. Das störte ihn. Den Pfarrer verstand er nicht immer. Das war dem Mathias nicht so schlimm. Irgendwie mochte er den neuen. Kam aus Indien. War immer freundlich.
fallen blätter, fallen
das obdach will wünschen
jeden seins, jetzt, wo kommen
die stürme des herbstes
der winter auch sein
weißes kleid, zum
wärmen auch einen ofen
gegangen wohl der sommer
nun. fallen blätter, fallen
Getöse
Franz mocht die Zeit vor der Wiesn und nach der Wiesn. Die Ruhe danach, als wäre die Stadt fast ausgestorben. Nur scheinbar. Es gab ja eh genug Münchner. Aber mit ein paar weniger Touristen konnte man sogar wieder durch die Innenstadt radeln. Nur das Wetter war schlechter geworden. Unbestimmter. Immer wieder Regenschauer. Eine neue Regierung gab es noch nicht, nur Vorgeplänkel. Würde noch ne Weile dauern. Franz war erstaunt über die wenigen Rücktritte. Da hätte der eine oder andere Politiker doch Verantwortung für die Verluste übernehmen können. Kurz war er auf der Buchmesse gewesen. Ein wenig sich blicken lassen. Gehörte dazu. Hier und dort Gespräche führen. Kollegen treffen, Verlagsleute treffen, Gesicht zeigen. War eigentlich nicht sein Ding. Lieber in Ruhe schreiben. Werbung sollten andere machen. War kein Bühnenstar. Kein Slamer. Heute war oft lautes Getöse. Franz war immer froh, wenn er von Frankfurt wieder wegfuhr. In München fühlte er sich wohler. Kannte die richtigen Orte. Ging hier hin und dort. Zeigte sich. Aber das war sein Leben. Kannte die Buchhandlung, jenen Verlag, diesen von der Zeitung oder vom Radio. Trank ein Bier oder zwei. Oder ging heim, wenn es nicht passte. Setzte sich auf sein Rad, ob Regen oder Sonnenschein und fuhr davon.
auf dem land #2
auf dem land gewinnt der
milchwagen gegen den bulldog
das kurvenrennen, die schneefangzäune
werden in position gebracht, am
werk waren wieder die optimisten
bildungswillige kinder werden vom
schulbus in die lernanstalt geliefert
milchkühe müssen schon lange
nicht mehr ins freie, auch die
schweine haben es gemütlich in
ihren zuchtanstalten, auf dem
wegrationalisierten misthaufen
kräht schon lang kein hahn mehr
hier und da läuft eine
maus übers feld in die arme
der lauernden katze
Mathias #6
Ein Auto hatte Mathias nicht. Warum auch. Wollte ja auch nicht fortfahren. Wenn er was zu erledigen hatte, nahm er sein Fahrrad oder seinen Bulldog. Er hatte ja Zeit. In der Scheune stand auch noch ein altes Moped. Setzte sich manchmal drauf und fuhr nach Altomünster. War ihm mit dem Fahrrad zu anstrengend geworden. Seine Knie waren nicht mehr die jüngsten. Die Hercules war nicht schnell, lief aber zuverlässig. Schaffte auch Steigungen. Kaufte sich eine Kugel Eis. Setzte sich auf die Bank und aß es in der Morgensonne. Mathias gönnte sich immer nur eine Kugel. Danach kaufte er Brot und fuhr heim zu seinen Kühen und Hühnern. Manchmal redete er mit dem Eisverkäufer. Über Italien und die Berge. Über Fußball. Mathias schaute fast nie fern. Doch manchmal ein Fußballspiel. Sein Fernseher war klein. Den Ton musste er lauter stellen. So gut hörte er nicht mehr. Wenn in seinem Dorf Kinder mit dem Ball spielten, blieb er manchmal stehen. Früher war er auch so gehüpft. Als gäbe es kein Morgen sich die Lunge rausgerannt. Wenn er zurückkam aus Altomünster, ging er immer in den Stall und erzählte den Kühen alles. Mathias war nicht allein.
Orpheus Lieder
Der abgehackte Wald liegt auf dem
Fußboden, ungeduldig warten
Orpheus Lieder in den Ohren laufen
wir über die Auen, kein Platz in der Unterwelt
gefunden, die Wolken ziehen den Kirchturm
in den Himmel hinein, Eurydike hüpft
leis davon, der Finsternis weichen, die letzten
Sonnenblumen kämpfen gegen die Astern um
die Gunst, dazwischen gesponnen das feine
Netz der hungrigen Spinne, die Blätter gehen
ins dunkle Rot, die Lyra fortgeworfen, Schatten
nur Schatten geblieben
Mathias #5
Wenn Nebel lag, die Kälte drang in seine Glieder. Im wurden die Hände noch schwere, der Rücken wurde zum Kreuz. Mathias liebte den Herbst nicht. In der Früh lag schwarze Luft über seinem Hof, die Lichter im Stall gaben kaum Helle. Der Atem der Kühe schleuderte ihm Wolken entgegen. Fliegen vergangen. Schwalben das Weite gesucht. In seinen Träumen wäre er manchmal gern mitgeflogen. Birnen und Äpfel hingen noch am Baum. Alles konnte er nicht mehr ernten. Unter den Bäumen sammelten sich das Fallobst. Nach dem Stall an den Ofen. Der Kaffee wärmte ihn von Innen. Seine schweren Stiefel standen vor der Türe. Der Lehm bröckelte nur langsam von der Sohle. Hin und wieder kam der Kater und forderte seine Milch ein. Das harte Brot tunkte er gern in seine Tasse. Wenn ihm jemand Kuchen brachte, war er glücklich.
in der u-bahn #2
abendgedränge. längst sind die sitzplätze
besetzt. die studenten müde der professoren
noch schnell muss die mutter mit ihren
kindern zum einkaufen. nächster
halt odeonsplatz. die stehplätze werden
knapp, geschiebe, körper an körper. wer kein
handy in der hand hat, muss rentner sein
oder kind. hier und da, fast verloren, menschen
die miteinander reden. verschiedene sprachen
dringen ans ohr. porschefahrer nicht anwesend
marienplatz. die u-bahn spuckt die fahrgäste
aus. schnell zur s-bahn. rauf in die fußgängerzone
etwas erledigen. in dem bauch der stadt ein
gewimmel. vorbei geht ein passant, zieht
in einem holzwagen eine gans hinter sich her. als
hätte er sich verirrt. doch dies ist nur scheinbar