die kiefer

der fluss kehrt nicht

wieder, der weg ist weit

die rast zwischendurch

notwendig, gegen den berg

an beschwerlich der gang

vor der kapelle ein innehalten

die kiefer am wegesrand

hat einen grobe rinde

ist sie die gleiche, die der

großvater schon sah? vom

wind gebeugt ihr stamm

die sonne geht davon

Wanderungen

Sonne und Mond gehen

das Hinterland durchschritten

werden, die Wanderung stets

endet, der Fluss mündet im Meer

eine Kerze erleuchtet die Nacht

Innere und äußere Mongolei

Die U-Bahnhöfe mied Karl zumeist. Lieber raus aus dem Mief, raus aus der Stadt, zumindest zum Wannsee. Oder gleich bis zur Ostsee. In seinen Träumen fuhr er über weite Steppen. Wurde zum Mongolen. Über die unendliche Weite. Tagelang keine Seele zu sehen. War in Berlin schwierig. Berlin war voll. Auch voller Touristen. Immer wieder ein Rucksack im Genick. Lärm machten sie auch noch. Wollte das Dorf in der Großstadt. Nah zur Arbeit. Cooles Ambiente. Lässige Altbauwohnung. Renoviert. Man war ja älter geworden. Man war ja längst kein Punk mehr. Ohrringe längst rausgemacht. Wohnte in Mitte. Nicht weit zur Politik. War jetzt Beamter geworden. War einfach sicherer. Er musste ja auch an die Zukunft denken. Nomade sein in der Mongolei. Wenn er nachts schlaflos lag. Die Fenster offen. Vom Innenhof die kühle Luft reinkam. In einer Jurte leben. Umherziehen. Unter freiem Himmel schlafen. Morgens ging er immer ins Ministerium. Lässiger Anzug. War nur eine kleine Nummer. Manchmal durfte er für den Chef Reden schreiben. Neulich hatte er sich einen Bart wachsen lassen. Über die Feiertage angefangen. Nein, nicht wie Dschingis Kahn. Für einen Hipster-Bart war er zu kurz. Und zu licht. Sein Chef hatte seltsam geschaut. Ein paar Tage später hatte er ihn abrasiert. Seine Freundin mochte ihn auch nicht. Wenn er nicht einschlafen konnte, lag er oft lang auf dem Bett und träumte. Oder setzte sich auf den Balkon. Sternenhimmel. Als wäre er in der Steppe. Um ihn herum Yaks. Der Wind erzählte von der Steppe. Morgen würde ein anstrengender Tag werden. Manchmal traf man Mongolen in Berlin.

Starkbier

Die Fastenzeit ist vorbei, doch „Ausreißer – Die Grazer Wandzeitung“ hat einen Text von mir  online veröffentlicht. Schaut und lest!

Ausreißer: Starkbier

in aller herrgottsfrühe

auf der spur der morgensonne,

in aller herrgottsfrühe

aufgewacht, auf der holzterrasse

den sonnenlauf beobachtet, der

 

schnecke kein haar gekrümmt

rosenduft in der nase, in der ecke

fängt an der jasmin, die vögel singen

heiter im chor ihr morgenlied, noch

 

ausgestorben scheint die straße, vereinzelt

nur ein auto zu hören, pfingsten ist

kein tag für frühaufsteher, in nachbars

teich kein frosch, bachs kantaten

 

im ohr, lächelnd kriechst du aus

dem bett, in der hand ein kaffee

die sprache bildet ellipsen ohne

unterlass, kein halt, tempo

Kaffee in Bozen

Der Kaffee in Bozen erfüllte alle Erwartungen. Manchmal braucht es nicht mehr. Zufrieden saßen Franz und Maria vor dem Café. Hörten den italienischen Worten der Nachbarn zu. Schauten in die Morgensonne. Sagten wenig. Waren nur da. Zeit verging langsam. Sie hatten keine Eile. Später würden sie in die Weinberge radeln. Konnte noch warten. Sie hatten heute kein Ziel. Irgendwo würde der Heilige Geist schon sein. Die Piazza war noch gar nicht so voll. Noch lag Ruhe über der Stadt.

Der Ginko

Einen Ginko gepflanzt

Fern von Goethe. Fern von

Asien. Freundschaft hin oder

 

her. Fächer hier und dort

Der Freundschaft zur Zier

Kein Diwan steht drunter

 

Des Tempels Baum, eine

Schale Tee werden wir in

 

unserm hohen Alter trinken

Unter seinem Schatten

Dem Heiligen Geist auf der Spur

Den Kälteeinbruch fliehend zog es Franz und Maria doch über den Brenner. Die Nacht bei Gewitter im Zelt war  nicht gemütlich gewesen. So fuhren sie weiter bis Bozen. Hier sollte das Wetter stabil sein. Auf jeden Fall würde es besseren Kaffee geben. Das war ja auch etwas. Zur Not würden sie ins Hotel gehen, wenn wieder Regen käme. Dem Heiligen Geist war so mancher auf der Spur. Vermutlich konnte man ihn in der Natur besser finden als in manchem Gotteshaus. Oder die Mitteleuropäer entdeckten ihren Hang zur Naturreligion wieder.

Nur kleines Gepäck

Die Sonne tat Franz gut. Er war zufrieden über die langen Abende auf dem Balkon oder an der Isar. Über Pfingsten wollte er mit Maria ein paar Tage wegfahren. Mit dem Zug und dem Fahrrad. Sie hatten noch kein genaues Ziel. Sie würden einfach einsteigen am Hauptbahnhof. In der Früh wollten sie los. Nur kleines Gepäck. In den Satteltaschen. Ein paar Tage. den Geldbeutel nicht zu sehr belasten. Vielleicht erst mal nur bis zum Chiemsee. Ein Zelt wollten sie mitnehmen. Franz liebte es, einfach irgendwo zu zelten. Mal fragte er den Bauern, ob es auf seiner Wiese gehen würde. Manchmal vergass er auch das Fragen. Am Abend wollte er nur kurz in den Biergarten. Zu schön war das Wetter. Unter den Kastanien sitzen. Mehr nicht.

der mond steht gerade auf

das paradies liegt

nebenan, im teich

quaken die frösche,

von fern rauscht der

 

zug vorbei, berlin

oder paris? der fluss

erzählt von den bergen,

lachend läufst du

 

über die auen, die

wilden mageriten

schütteln ihr weißes

haupt im wind

 

die nacht fängt erst

an, der mond steht

gerade auf und

lächelt uns an