Wenn es Franz zuviel wurde, übte er sich im Kopfstand. Nicht, dass er Talent dafür gehabt hätte. Trump hatte gerade einen schlechten Lauf. Wenig gelang ihm. Obama muss sich dabei ins Fäustchen lachen. Obamacare lebte noch. Die Frühlingssonne kämpfte gegen den kalten Wind an. Zum Radeln waren in der Früh Handschuhe ein Muss. Die Sommerzeit machte Franz nur wenig zu schaffen. Hatte keine festen Termine. Genoss die Ruhe. War auch nicht in Leipzig gewesen. Aufgeregtheiten waren ihm zuwider. Schulz konnte doch nicht über Wasser laufen. Seligsprechung erfolgt erst später. Für Spannung war gesorgt. Für den Balkon hatte Franz ein paar Blumen gekauft. Ranunkeln. Orange. Weiß. Rot. Wollte etwas Buntes haben. Genoss die Freude des Frühlings. Franz wollte bald etwas fertigstellen. Sein Verleger hatte schon angemahnt. Doch ihm fehlten noch ein paar Ideen. Mit seinem Großvater war Franz gerne auf dem Balkon gesessen. Oft stundenlang. Etwas geraucht, etwas getrunken. etwas geredet. Es waren schöne Stunden gewesen.
Autor: orangeblau
Wasserglas
Wer reicht das Wasser? Das Licht wird abgedunkelt. Rosarotes Pufflicht. Nur der Autor erstrahlt. Muss ja ins Buch schauen können. Das Publikum ist deutlich älter als der Autor. Der Schriftsteller sitzt als frisches Fleisch in der Auslage, die aussieht wie eine Bühne. Aus dem Hintergrund ertönt psychedelische Musik. Das Nummerngirl vom Rundfunk verteilt Gummibärchen mit dem Logo des Senders. Leicht aufgeregt trinkt der Autor einen Schluck Wasser. Er wird gleich lesen müssen. Worte sollen aus seinem Mund kommen. Der Moderator vom Rundfunk hat einen tiefen Bass, seine Töne gehen direkt in die Bäuche der Zuhörer. Der Autor weiss genau, dass seine Stimme keine so angenehme Resonanzen erzeugt. Schließlich kennt er ja seine Stimme, hört sie oft genug. Sicher werden die Zuhörer von seiner Stimme enttäuscht sein. Der eine oder andere Zuhörer wird müde sein von der Arbeit. Die Woche war lang, gleich schläft bestimmt jemand ein. Auf ihn kommt der Moderator zu, redet auf ihn ein, stellt eine Frage, wie er denn auf das Thema, ob er die Gefahren des Kitsches vorab geahnt habe? Natürlich habe ich lange recherchiert, über ein halbes Jahr kein Wort am Roman geschrieben. Nur Leute interviewt. Material gesichtet. Die Mikroebene auf die Makroebene gelegt. Einen genauen Plan für die Makroebene ertüftelt, beginnt der Autor weit ausholend mit einer Antwort. Er ist auf der Hut. Blos keinen Fehler machen, er ist noch neu im Geschäft. Sein Herz ist laut. Die Geier warten schon.
Rückwärts fahren die Fahrräder
Im Frühling machen die Bäume Kopfstand, die Vögel fliegen im Kreis und singen Duette. Opernarien können da einpacken. Rückwärts fahren die Fahrräder. Die Kinder schießen den Ball nicht ins Tor. Auf den Parkbänken wird weitergeschlafen. Die Autofahrer haben ihre Hupen ausgebaut und warten, bis das alte Liebespaar über die Straße gelaufen ist. Ihren Winterschlaf verlängern die Schnecken. Nur die Bienen sammlen fleissig ihren Nektar.
Fastenzeit
Der Rittersporn treibt sein
grünes Gewand voran.
Mauern gehen und kommen.
Systeme wandeln. Die Hamster
laufen noch immer gern im Rad.
Im Schokoladenkusswettessen hab
ich schon wieder verloren. Der Lech
treibt das Winterholz vor sich her.
Die frische Luft hat eine süße
Beinote. Blüten treiben.
Rosen entfalten ihr erstes
Grün. In der Fastenzeit treiben seltsame
Hirngespinste. Die Jogger laufen in
grellen Gewänder auf Karfreitag zu.
Schwabing
Wenn Franz Zeit und Lust hatte, ging er gerne in ein Café. Zum Schauen. Treffen. Reden. Oder schreiben. Manchmal ging er ins Cafe Jasmin. Nicht zum Frühstücken. War ihm zu teuer. Aber ein Kaffee war drin. Oder zwei. Saß in dem gemütlichen Sessel, träumte ein wenig vom Großvater. Schrieb. Oder unterhielt sich mit seiner Begleitung. Auch mit Großvater war er dort gewesen. Kuchen gegessen. Aber der Kuchen war heute nichts besonders mehr. Alles war auf cool gemacht. Teuer geworden. Den Kuchen hatten sie wohl eher aus Nostalgie. Draußen saß Franz nicht so gern. War ihm zu laut. Aber am Vormittag war es oft ruhig, wenig los. Da konnte er gut schreiben. Am Fenster hatte man eine gute Aussicht. Meist viel ihm was ein. Dann trank er einen zweiten Kaffee. Früher hatte es noch Kännchen geben. Als er mit Großvater hinging. Gab es hier nicht mehr. Wollte Franz aber auch nicht trinken. Danach radelte er durch den Englischen Garten heim. Isar entlang. Obamacare lebte immer noch. Gefiel Franz.
Postkarten
Postkarten habe ich schon lange nicht
mehr verschickt, Vermeers Ohring
längst verloren, kein Fisch springt
über den Fluss, in die Höhe schießen
die Narzissen, die Sonne erwärmt die
Herzen, begonnen die Aprikosenblüte.
Wird es viele Früchte geben? Samsas Leben
erscheint auch aus heutiger Sicht
viel zu kurz. Die Schreibmaschine schreibt
immer noch nicht von allein.
Manche Buchstaben kämpfen um Freiheit.
Affekte fliegen davon. Spinozas Ethik
auf der Suche nach dem Künstler. Im Garten
springt mir kein Frosch entgegen. Bienen
summen hier und da.
Am Kaugummiautomat
Sensationen finden am Kaugummiautomaten statt. Für ein wenig Kleingeld die große Welt. Zumindest einen vollen Mund. Zahnärzte wollen ja auch leben. Hier und da fällt auch das Paradies heraus. Kinderglück. Mitunter verzweifelt davor gestanden. Den Automaten gehauen. Getreten. Manchmal hilft rohe Gewalt vielleicht doch weiter. Wenn der Groschen nicht fiel. Centstücke sind da auch nicht besser. Auf dem Weg zum Bäcker schnell noch ein Kaugummi gezogen. Lachend weiter gehüpft. Noch immer nicht digitalisiert. Geht ohne Pin-Code. Kein Touchscreen. Mitunter sieht man Erwachsene auf der Suche nach dem verlorenen Glück.
Down under II
Am anderen Ende der Welt,
die Straßen vollgekotzt, Zombies
fliegen durch den Kopf, nein,
hier nimmt keiner Drogen, hier
nicht, der Bully röchelt vor sich
hin, von Billabong zu Billabong
gehüpft, zwischen den Schafen
geschlafen, den Haifischen die Stirn
geboten, verloren im Outback, schon
lang keinen Menschen mehr hier
gesehen, der Staub auf der Straße
fliegt mir um die Ohren, hin und wieder
zieht ein Kamel am Roadhouse
vorbei, der Eukalyptus könnte auch
mal wieder blühen, ewig
habe ich keinen Walzer mehr
getanzt am anderen Ende
der Welt.
Prolog – Heft für Zeichnung und Text
Prolog – Heft für Zeichnung und Text
Ganz frisch erschienen, wunderbar gemacht und ein Text von mir ist auch dabei…
in der nacht, der unruhigen
In der nacht, der unruhigen,
der nacht, der wilden,
als wäre kein morgen,
in sicht kein morgen,
die wolken verflogen,
galaxien funkeln uns an,
in der nacht, der himmlischen,
in der keiner gehen will,
nur bleiben,
die zeit stehen bleibt
der mond erzählt
geschichten uns,
erstrahlt unsere gesichter.